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Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher Csatary festgenommen

Staatsanwaltschaft verhört mutmaßlichen NS-Verbrecher

"Csatáry leugnet jede Schuld"

Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher Csatáry ist in Ungarn unter Hausarrest gestellt worden. Der 97-Jährige weist nach Angaben der Anklagebehörde jede Schuld von sich. Er soll für die Verschleppung von mehr als 15.000 Juden nach Auschwitz mitverantwortlich gewesen sein.

Von Christoph Peerenboom, ARD-Hörfunkstudio Wien

Viele Jahre war László Csatáry untergetaucht, seit längerem lebte er unbehelligt mitten in Budapest. Und zunächst sah es so aus, als könne das weiter so bleiben, auch nachdem Reporter am Wochenende seine Wohnung ausfindig gemacht hatten. Denn die ungarischen Behörden reagierten zunächst einmal gar nicht.

Vor Csatárys Wohnung standen in den vergangenen Tagen keine Polizisten, sondern nur Demonstranten, wie der Budapester Jude Bela Kovacs. Seine Eltern waren von den Nazis ermordet worden. "Diese Regierung wird ihm nichts tun. Wir können nur protestieren. Aber das nützt nicht viel. Der Mann steht sicher unter Schutz."

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Csatáry in Ungarn
C. Peerenbohm, ARD Wien
18.07.2012 16:57 Uhr

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"Schwierige" Ermittlungen

In der Tat erweckte die Budapester Staatsanwaltschaft tagelang den Eindruck, als sei ihr die Enttarnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers eher lästig. Die Ermittlungen seien "schwierig", hieß es, Augenzeugen für damalige Taten wohl kaum noch zu finden. Die Vorgänge lägen ja schon so lange zurück.

Gerade das aber erfordere besondere Eile, entgegnete Andrea Gergely von der Europäischen Union Jüdischer Studenten: "Die Behörden müssten viel schneller agieren. Immerhin geht es um einen 97-jährigen Mann. Es ist eindeutig, dass man die Sache immer weiter vor sich herschiebt." Bis heute Morgen. Dann reagierte die Staatsanwaltschaft.

Laszlo Csatary
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Weist jede Schuld von sich: Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher Csatáry.

Wohnung des mutmaßßlichen Kriegsverbrechers Csatarys in Bundapest
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Im obersten Stockwerk dieses Hauses hatten Reporter László Csatáry aufgespürt.

Festnahme an einem unbekannten Ort

Im Radio erfuhren die Ungarn zuerst von der Festnahme Csatárys. Die Nachrichtensprecherin verkündete, die Staatsanwaltschaft habe nun den Verdacht bestätigt, dass Csatáry für Kriegsverbrechen verantwortlich sei. In seiner Budapester Wohnung hielt sich der Mann offenbar nicht mehr auf: "Wir haben Herrn Csatáry an einem Ort festgenommen, der bisher nicht im Zusammenhang stand mit den Ermittlungen. Es war also nicht an seinem bislang bekannten Wohnort", sagte der zuständige Staatsanwalt Tibor Ibolya.

Csatáry wurde zum Verhör gebracht. Mit seiner Festnahme habe er gerechnet, sagte er. Dass er als Polizeioffizier im Zweiten Weltkrieg mitverantwortlich gewesen sei soll für die Deportation von mehr als 15.000 Juden nach Auschwitz - diesen Vorwurf allerdings wies er zurück.

"Der Verdächtige hat jede Schuld geleugnet. Er hat sich auf die übliche Art verteidigt und gesagt, er habe nur auf Befehl gehandelt. Doch aus verschiedenen Aussagen ging hervor, welches Verhältnis er zu Menschen anderen Glaubens hatte", sagte Staatsanwalt Ibolya.

Hausarrest statt U-Haft

In Untersuchungshaft muss Csatáry angesichts seines hohen Alters wohl vorerst nicht - die Staatsanwaltschaft ließ ihn stattdessen unter Hausarrest stellen. Körperlich und geistig sei er in guter Verfassung.

Gleichzeitig prüft die Staatsanwaltschaft nun auch eine offizielle Anklage gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Unter anderem soll in Israel nach möglichen Opfern gesucht werden. Falls Csatáry tatsächlich vor Gericht kommt, dann droht ihm lebenslange Haftstrafe - was immer das bei einem 97-Jährigen bedeuten mag.

Stand: 18.07.2012 17:38 Uhr

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