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Die gewalttätigen Proteste militanter Gegner des NATO-Gipfels sind eskaliert: In Straßburg wurden Gebäude in Brand gesteckt, die Sicherheitskräfte zeigten sich weitgehend hilflos. Am Abend brachte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle.
Von Martin Durm, ARD-Hörfunkstudio Straßburg
[Bildunterschrift: Im Stadtgebiet von Straßburg kam es zu schweren Beschädigungen. ]
Erst haben die Vermummten ein paar Fensterscheiben zerschlagen und Zementplatten aus dem Straßengraben gebrochen. Und dann standen sie da und warteten, dass es gleich los geht: "Wenn wir da vorne durchkommen, dann wird nichts passieren", sagt einer mit schwarzweißkariertem Tuch vor dem Hals. "Wenn nicht, dann wird es hier krachen. Frag mich nicht, wo, ich bin ja nur ein kleiner Soldat."
Minuten später brennen die französischen Zollanlagen auf der Europabrücke. Ein paar deutsche Randalierer schütten Brandbeschleuniger in die Büros, dann hängen schwarzblaue Rauchschwaden wie Gewitterwolken über dem Rhein. Polizeihubschrauber kreisen am Himmel, geben Positionen durch, und eigentlich müssten die französischen Polizeieinheiten spätestens jetzt wissen, was hier geschieht: Dass diese tobende Menge auf der Europabrücke wild geworden ist und vor nichts mehr zurückschreckt.
Barrikaden brennen, eine Tankstelle wird geplündert, dann schlagen Flammen aus einer Apotheke gleich hinter der Grenze. Spätestens jetzt müsste die Polizei etwas unternehmen: Es gibt erste Verletzte, friedliche Demonstranten flüchten aus der Krawallzone. Doch statt vorzurücken, schießen die französischen Polizisten nur ein paar Tränengasgranaten in die Rauchschwaden hinein.
[Bildunterschrift: Nahe der Europabrücke brennen Fahrräder. ]
Das ist es wohl, was die Sicherheitsexperten meinten, als sie im Vorfeld des NATO-Gipfel vor den Gefahren einer Eskalation warnten. Dafür haben sie auf französischer Seite 10.000 Polizisten und 1000 Soldaten mobilisiert, die heute Morgen noch ziemlich stolz darauf waren, friedliche Grüppchen von drei - oder vierhundert Demonstranten mit Schreckgranaten und Tränengas einzudecken.
Jetzt geschieht nichts, jetzt wird das gesamte Gebiet hinter der Europabrücke zu einem rechtsfreien Raum, in dem schwarzvermummte Gewalttäter ihren Hass austoben dürfen: ""Der Staat ist es, der Gewalt ausübt", brüllen sie, "nicht wir." "Ich weiß", ruft verzweifelt ein älterer Friedenaktivist, "aber das hier hilft uns doch nichts." "Doch", schreien sie zurück, "jetzt wird man uns hören, jetzt wird man verstehen, dass wir dieses ganze System in die Luft jagen wollen."
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Unterdessen berieten die 28 Staats- und Regierungschefs noch über die Zukunft der NATO und freuten sich, nach harten Verhandlungen doch noch einen Generalsekretär gefunden zu haben. Aber was hier geschieht, am Rand des Gipfels und am Rand von Straßburg, ist womöglich ein gefährliches Signal für Frankreich und Präsident Sarkozy. Denn diese Unruhen und diese Brände haben nichts mehr mit einer Gegnerschaft zur NATO zu tun, sie richten sich gegen ein System in der Krise.
[Bildunterschrift: "Krieg der NATO, Krieg dem Kapital" - militante Demonstranten steckten ein Hotel in Straßburg in Brand. Das fünfstöckige Gebäude brannte aus. ]
Flammen schlagen jetzt auch aus einem Hotel, das offenbar noch rechtzeitig geräumt werden konnte. Es dauert fast eine Stunde, bis Polizei und Feuerwehr endlich anrücken, fassungslos stehen Anwohner auf der Straße und sehen mit an, wie ihre Nachbarschaft in Flammen aufgeht: "So etwas hab ich noch nie gesehen", sagt eine ältere Frau. "Was machen die da? Wir haben doch nichts in diesem Viertel hier, kaum Geschäfte, kaum Leben - jetzt brennen sie das alles nieder."
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