Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Marine, Heer, Luftwaffe, Internet: Das neue strategische Konzept der NATO definiert erstmals Hacker-Angriffe als Bedrohung und die Abwehr als Aufgabe für das Bündnis. Die Frage, die die Militärs beschäftigt: Rechtfertigt ein Hacker-Angriff den Einsatz konventioneller Waffen?
Von Christoph Prössl, NDR-Hörfunkstudio Brüssel
Der Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, William Lynn, nahm kein Blatt vor den Mund, als er vor NATO-Diplomaten und Politikern die Gefahren beschrieb, die aus dem Internet drohen: "Täglich versuchen etwa 100 ausländische Geheimdienste, in unsere Systeme einzudringen."
Der Grund für den Ansturm in der digitalen Welt: Es sei billiger, Hacker zu bezahlen, als in Panzer, Flugzeuge und Schiffe zu investieren, sagt Lynn. Und trotzdem könne man sehr effektiv gegen Feinde vorgehen. Dazu kommt: Bei vielen Hackerangriffen ist unklar, wer sie gestartet hat. Der Cyber-Krieg ist unsichtbar. Aus der Bedrohung leitet der Staatssekretär eine einfache Konsequenz ab: "So wie wir in der NATO die Kräfte zur Verteidigung in der Luft miteinander verbinden oder eine gemeinsame Raketenabwehr aufbauen, so müssen wir auch unsere Kräfte zur Abwehr von Cyber-Attacken bündeln."
[Bildunterschrift: Sieht die Bedrohung aus dem Internet: NATO-Generalsekretär Rasmussen ]
Bei der NATO rennt Lynn offene Türen ein. Das Thema Cyber-Attacken ist längst auf der Agenda, mehr noch: Es wird im neuen strategischen Konzept auftauchen, das derzeit den NATO-Mitgliedsländern zur letzten Korrektur vorliegt, bevor das elfseitige Papier auf dem Gipfel der Allianz in Lissabon im November verabschiedet werden soll.
Aus diplomatischen Kreisen heißt es, Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe die Gefahr aus dem Internet zwar als Bedrohung definiert und die Bekämpfung als Aufgabe der NATO zugeschrieben - aber einen Punkt habe er bewusst offen gelassen: Wann ein Angriff aus dem Netz ein Bündnisfall sein könnte. Wann also die NATO mit konventionellen Waffen zurück schlagen könnte, als Reaktion auf Attacken aus dem Internet.
[Bildunterschrift: Mit Computerviren wie zuletzt Stuxnet könnten Hacker auch militärische Systeme lahmlegen. ]
Dabei ist für viele Experten klar: Ein Angriff mit Viren, Trojanern, Würmern und sonstigen schädlichen Programmen könnte schwere Konsequenzen haben. Schäden, die früher durch Waffeneinwirkung entstanden sind.
General Kurt Hermann, Leiter der NATO-Agentur für Kommunikations- und Informationssysteme NCSA warnt: "Wenn Hacker in lebenswichtige Systeme einzugreifen oder bestimmte Datenbanken verändern können, ohne dass die Nutzer gewahr werden, was sich dort vollzogen hat, kann das natürlich auch schon ganz konkret Leben bedrohen."
Zum Beispiel wenn Hacker geheime Informationen über NATO-Einsätze erfahren, die Kommunikation in Afghanistan lahm legen oder auch das zivile Stromnetz in Europa oder den USA angreifen. In solchen Fällen sieht das neue strategische Konzept offenbar vor, dass die Mitgliedsländer über einen Gegenschlag beraten können.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW