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NATO-Beratungen über Kosovo und Afghanistan
Neue Ansätze für alte Einsätze
Die NATO will ihre Truppenverteilung im Kosovo überdenken - und kommt damit einer zentralen Forderung von Verteidigungsminister de Maizière nach. Weiteres Thema der NATO-Minister war die neue Afghanistan-Mission ab 2015, bei der die Ausbildung von afghanischen Soldaten im Mittelpunkt steht.
Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel
Kosovo und Afghanistan - diese beiden Militäroperationen standen im Mittelpunkt am abschließenden Tag des NATO-Verteidigungsministertreffens. Die Minister erteilten den Militärs den offiziellen Auftrag, Pläne für die Ausbildungsmission in Afghanistan nach 2014 auszuarbeiten.
Zudem wurde der Bitte Deutschlands entsprochen, die Truppenverteilung im Kosovo zu überdenken und mehr Kräfte im Norden zu stationieren. Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière war mit einer klaren Ansage in das Treffen mit seinen NATO-Kollegen gegangen: Bei der KFOR-Mission im Kosovo muss sich etwas ändern.
NATO-Mission im Kosovo und in Afghanistan
B. Schmeitzner, BR Brüssel
10.10.2012 17:49 Uhr
De Maizière zufolge wird so getan, als ob die Zahl der Soldaten ausreicht oder sogar noch abgebaut werden kann. In Wahrheit könne man die Aufgaben nur erfüllen, wenn zusätzliche Reserve-Bataillone aktiviert werden. "Dabei sind besonders die Deutschen belastet aber genauso die Österreicher und die Italiener. Das ist nicht korrekt und das entspricht nicht der Lage", sagte er.
Zwei Auswege in der Kosovo-Frage
Der Minister sprach zwei Auswege an: Entweder müssen zusätzliche Soldaten her, dauerhaft stationiert - oder die Aufgaben der KFOR im Kosovo werden anders verteilt. "Die könnte darin bestehen, dass wir so umgruppieren, dass wir mit den bestehenden Kräften ohne Reserven auch die Aufträge im Norden erfüllen." Also in der Region, in der viele serbischstämmige Kosovaren leben und die noch immer nicht befriedet werden konnte.
NATO-Diplomaten zufolge stieß de Maizière mit seinem Vorstoß auf einhellige Zustimmung. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen blieb bei diesem Thema allerdings eher vage und sagte, das sei Sache der Militärs vor Ort. Man werde in den kommenden Monaten erleben, dass das Augenmerk verstärkt auf den Norden des Kosovo gelegt wird.
Auftrag für Afghanistan-Mission erteilt
Sehr viel deutlicher wurde Rasmussen beim Thema Afghanistan. Der offizielle Auftrag an die Militärs, Pläne für das Engagement der NATO nach dem Ende der Kampfmission auszuarbeiten, wurde erteilt.
Das Wort "Nachfolgemission" wird dabei gern vermieden, man legt großen Wert auf die Feststellung, dass es von 2015 an keine kämpfenden Truppen mehr geben soll, sondern nur noch Training, Beratung, Unterstützung. Wobei dennoch klar ist: Auch die dafür nötigen Experten müssen versorgt und geschützt werden. Dafür werden die NATO-Länder zusätzlich Personal bereit stellen müssen.
Das Ausmaß beziffert Verteidigungsminister de Maizière so: "Man muss wissen: Wenn man einen Berater, einen Ausbilder und einen, der unterstützt, hat, dann brauchen wir eine Peripherie von fünf bis sechs Soldaten, die für Schutz, Fernmeldeverbindungen, Transport, Sanität sorgen. Und das müsse man gut koordinieren."
Überschattet werden die Vorbereitungen für die neue Mission von immer neuen tödlichen Angriffen auf NATO-Soldaten durch afghanische Sicherheitskräfte oder Taliban, die sich mit der Uniform eines Soldaten oder Polizisten getarnt haben. Der neue afghanische Verteidigungsminister Bismillah Khan führt das auch darauf zurück, dass die afghanischen Sicherheitskräfte zu schnell aufgebaut wurden und man bei der Rekrutierung nicht sorgfältig genug war. Die Serie an Zwischenfällen hatte zur Befürchtung geführt, dass die radikal-islamische Taliban Armee und Polizei unterwandert habe.
Stand: 10.10.2012 18:49 Uhr
