EU-Operation "Sophia": Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer

Verteidigungsminister-Treffen in Brüssel NATO will EU vor Libyens Küste unterstützen

Stand: 27.10.2016 09:22 Uhr

"Sophia" - so heißt die Marinemission vor der libyschen Küste mit der die EU gegen Schleuserkriminalität vorgeht. Und seit einiger Zeit auch gegen Waffenlieferungen an mögliche IS-Milizen. Bei beiden Vorhaben erhält die EU künftig Unterstützung der NATO.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Was die Flüchtlingskrise angeht, so vertraut die EU künftig noch mehr als bisher auf die Hilfe der NATO: Wie Bündniskreise dem ARD-Hörfunk bestätigen, wird die Militärallianz im Mittelmeer die dort bereits aktive EU-Marine-Mission unterstützen.

Die NATO soll sich dabei in zweifacher Hinsicht nützlich machen: Erstens soll sie Aufklärungsarbeit leisten, indem Schiffe und Flugzeuge der Allianz etwa per Radar gesammelte Informationen an die EU weiterleiten. Und zweitens soll sie auch bei der Versorgung der EU-Flotte helfen. Zum Beispiel könnte sie die Betankung der Schiffe sicherstellen, so heißt es.

Die Europäische Union versucht mit ihrer Marinemission namens "Sophia" in erster Linie gegen Schlepper vor der libyschen Küste vorzugehen. Kürzlich hatte sie den Einsatz jedoch ausgeweitet: Die EU kontrolliert nun auch Schiffe, die möglicherweise Waffen für die Terrormilizen des sogenannten "Islamischen Staats" in Libyen an Bord haben könnten.

Kooperation mit den Küstenwachen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit ihrem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian beim NATO-Treffen in Brüssel. | Bildquelle: AFP
galerie

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit ihrem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian beim NATO-Treffen in Brüssel.

Und sie beginnt gerade mit der Ausbildung der libyschen Küstenwache. Davon erhoffen sich die Europäer, dass bereits ab Frühjahr die Zahl der Flüchtlinge, die bei einer oft lebensgefährlichen Überfahrt nach Europa zu gelangen versuchen, spürbar zurückgeht. Die Zahl der Flüchtlinge, die von Libyen aus in nicht seetüchtigen Booten Italien zu erreichen versucht, ist bislang unverändert hoch.

Was die NATO betrifft, so hilft diese bereits an anderer Stelle im Mittelmeer der EU: In der Ägäis, also an der türkisch-griechischen Seegrenze, beobachtet sie die Bewegungen von Flüchtlings- und Schlepperbooten. Spürt sie diese auf, gibt sie die Informationen an die jeweiligen Küstenwachen weiter. Nun also wird sich die EU von der NATO auch im zentralen Mittelmeer helfen lassen.

Der Beschluss der NATO-Verteidigungsminister fiel am späten Abend. Heute nun berät das Bündnis gemeinsam mit der EU über eine vertiefte Zusammenarbeit auch bei anderen Themen.    

NATO beschließt Hilfe für EU-Marine-Mission
K. Küstner, ARD Brüssel
27.10.2016 08:28 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Oktober 2016 u.a. um 03:00 und 06:00 Uhr.

Darstellung: