NATO- Generalsekretär Jens Stoltenberg | Bildquelle: AP

Stoltenberg besorgt NATO registriert mehr Hackerangriffe

Stand: 19.01.2017 08:54 Uhr

Die NATO wird nach eigenen Angaben deutlich häufiger als früher von Hackern angegriffen. Rund 500 Mal im Monat seien Computer des Bündnisses im vergangenen Jahr attackiert worden. NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht dahinter staatliche Institutionen.

Die Zahl der Hackerangriffe auf die NATO hat nach Angaben von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg deutlich zugenommen. "Nach unseren neuesten Erhebungen gab es im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe auf Einrichtungen der NATO, die ein intensives Eingreifen von Seiten unserer Experten erforderlich machten", sagte Stoltenberg der "Welt".

Das sei ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten dieser Angriffe gingen "nicht von Privatpersonen" aus, sondern würden "von staatlichen Institutionen anderer Länder gesponsort", sagte Stoltenberg. Dies sei aus dem großen Ressourcenaufwand klar ersichtlich. "Ich bin äußerst besorgt über diese Entwicklung", sagte Stoltenberg.

Konkrete Vorwürfe machte Stoltenberg dabei nicht. Die US-Geheimdienste hatten in den vergangenen Monaten allerdings russische Hacker als ernste Bedrohung für die USA bezeichnet. Sie sehen ein "hoch entwickeltes, offensives Cyberprogramm" Russlands.

Schaden für Verteidigungsbereitschaft möglich

Der NATO-Generalsekretär sprach sich für verstärkte Anstrengungen aus. Cyberabwehr werde beim nächsten NATO-Gipfel eine wichtige Rolle spielen. Cyberangriffe seien potenziell sehr gefährlich, weil sie beispielsweise der Energie- und Gesundheitsversorgung und anderen kritischen Infrastrukturen schaden können, fügte Stoltenberg hinzu.

"Zudem können sie der Verteidigungsbereitschaft der NATO schaden und unsere bewaffneten Truppen bei ihrer Arbeit beeinträchtigen." Schließlich basierten alle militärischen Aktivitäten inzwischen auf der Übertragung von Daten. "Wenn das nicht funktioniert, kann großer Schaden entstehen." Cyberangriffe von einer bestimmten Größenordnung könnten darum einen Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen.

Sorge vor politischer Manipulation

Neben militärischen Gefahren für die NATO durch diese Cyberattacken befürchtet Stoltenberg auch politische Probleme, vor allem bei möglichen Datenmanipulationen bei Wahlkämpfen: "Der NATO liegen Berichte von verschiedenen Regierungen aus Mitgliedstaaten vor, die befürchten, dass Hacker versuchen werden, sich in nationale Wahlkämpfe einzumischen. Damit würden sie die Demokratie unterminieren." Seit einiger Zeit biete die NATO allen Bündnismitgliedern Krisenteams an, die ihnen helfen, ihre Netze besser zu schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2017 um 09:00 Uhr

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