Kommentar

US-Präsident Trump | Bildquelle: AFP

NATO-Gipfel Trump als Bündnis-Risiko

Stand: 11.07.2018 17:42 Uhr

US-Präsident Trump hat erneut bewiesen, wie sehr er sich in seiner Rolle als transatlantische Abrissbirne gefällt. Damit ist er auf dem besten Wege, auch das NATO-Bündnis zu zertrümmern.

Ein Kommentar von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Mit seiner Hasstirade hat US-Präsident Donald Trump Deutschland und der NATO den schlimmstmöglichen Start für das zweitägige Treffen beschert. Er macht damit die Welt und Europa wieder ein Stück unsicherer.

Hatte Trump im vergangenen Jahr noch halbwegs vornehm bis zum offiziellen Gipfelbeginn abgewartet, bevor er zu seiner Tirade ansetzte, twitterte er sich diesmal bereits auf dem Hinflug in Rage - um sodann beim Frühstück mit dem NATO-Generalsekretär verbal vor allem auf Deutschland einzuprügeln: "Komplett von Russland kontrolliert" sei das Land, weil es von Moskau viel Energie beziehe und mit ihm gemeinsam die NordStream2-Pipeline baue.

Dass derselbe Trump - nach einem durchaus angebrachten Kanzlerin-Konter und einem persönlichen Gespräch mit Merkel - behauptete, man verstehe sich blendend, macht die Dinge nicht viel besser. Zumal der US-Präsident per Tweet kurz darauf schon wieder nachlegte mit seiner Kritik an Deutschland.

Trump wirft zusammen, was nicht zusammen gehört

Die Hasstirade auf die Bundesrepublik folgt einem bekannten Muster: Der US-Präsident wirft zusammen, was nicht zusammen gehört und verrührt sodann alle erdenklichen Themen in einem gigantischen Topf, dem er die Aufschrift "böses Deutschland" oder "böses Europa" verpasst.

Trump regt sich darüber auf, dass die Deutschen  ihn mit ihrer Exportkraft angeblich beim Handel "abzocken" würden, ihm aber gleichzeitig ins Gesicht lachen, weil er viel Geld ausgebe, um für ihre Sicherheit zu garantieren. In diesen Topf wirft Trump nun auch noch die deutsche Gasrohrleitung NordStream2. Hier die NATO mit hinein- und vielleicht eines Tages sogar in den Abgrund zu ziehen, ist aber schlicht fahrlässig. Und brandgefährlich für Europa.

Stellt der US-Präsident doch noch eindrücklicher als zuvor unter Beweis, dass er keine Verbündeten kennt, sondern nur "Geschäftsbeziehungen". Und in der Hinsicht sind die Europäer für ihn längst zu Rivalen geworden.

Kommt aber da draußen das Signal an, dass es sich bei der NATO nicht mehr um ein Bündnis ernstzunehmender Streitkräfte, sondern nur noch um einen Klub zankender Streithähne handelt, ist es um die überlebenswichtige Abschreckung geschehen. Der Schaden, den Trump hier angerichtet hat, ist mit diesem NATO-Gipfel abermals gewachsen - so viel lässt sich jetzt schon sagen.

Trump kann die Europäer spalten

Wie so oft enthält die Trump-Kritik ein Körnchen Wahrheit: Man kann sich ja durchaus darüber unterhalten, ob die Europäer nicht - schon im eigenen Interesse - mehr fürs Militär ausgeben sollten. Und dass sich Deutschland mit der Russland-Pipeline abhängiger von Putin macht, davor warnen auch andere EU-Staaten. Nur bei Trump wird daraus eben ein abgestandener Kaffeesatz aus Fake News, aus dem er die abwegige Behauptung herausliest, Deutschland stehe komplett unter der Fuchtel Moskaus.

Für den US-Präsidenten hat das den angenehmen Nebeneffekt, dass er damit von dem oft gegen ihn erhobenen Vorwurf ablenkt, er selber orientiere sich eher am russischen Präsidenten als an den engsten Verbündeten. Und er kann die Europäer spalten, weil andere in der EU Trumps Pipeline-Kritik teilen.

Für Deutschland, Europa und die NATO bedeutet das leider alles: Mit diesem Trump-Besuch ist die Welt für sie wieder ein Stück unsicherer geworden.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juli 2018 um 13:30 Uhr.

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