NATO-Soldaten in Afghanistan

Afghanistan Mehr Waffen statt mehr NATO-Soldaten

Stand: 29.06.2017 05:00 Uhr

Die NATO-Verteidigungsminister beraten heute über eine Verstärkung ihrer Truppen in Afghanistan. Tausende Soldaten könnten zusätzlich entsandt werden. Den afghanischen Streitkräften wäre etwas anderes lieber.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Ein Checkpoint der afghanischen Streitkräfte in der Provinz Nangahar, im Osten des Landes, an der Grenze zu Pakistan. Brigade-General Mohammed Nasim Sangin kontrolliert mit seinen Leuten alle vorbeikommenden Fahrzeuge.

Die Gegend ist eine Hochburg der Taliban. Aber auch die Milizen des "Islamischen Staats" haben sich in den vergangenen Monaten hier ausgebreitet. Die afghanischen Streitkräfte versuchen, den gesamten Bezirk Chaparhar, Schritt für Schritt wieder unter staatliche Kontrolle zu bekommen.

Doch er habe bei weitem nicht genug Leute, klagt Brigade-General Sangin: "Um zu verhindern, dass die Taliban und andere Gruppen zurückkommen, müssten wir mehr Kontrollpunkte einrichten. Doch dafür fehlen mir Soldaten. Wir treiben sie in die Berge und wenn wir weiter ziehen, kommen sie zurück."

Kein Bedarf an zusätzlichen ausländischen Soldaten

Während seine Soldaten das Auto einer afghanischen Familie durchsuchen, beobachtet Brigade-General Sangin, mit dem Fernglas die Bewegungen auf der Straße bis zum Horizont. Mehr Waffen, eine bessere Ausrüstung und Training für seine Soldaten - das sei nötig, meint er. Zusätzliche ausländische Truppen brauche Afghanistan nicht.

"Die NATO sollte uns mit mehr Training helfen und finanziellen Mittel für eine bessere Ausrüstung", sagt Sangin, "wir kennen unser Land besser als die fremden Truppen. Wir können die Feinde auf dem Schlachtfeld alleine besiegen."

Dabei ist die Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin extrem instabil. Mehr als ein Drittel des Landes wird nicht von den afghanischen Streitkräften kontrolliert.

Italienische NATO-Soldaten patrouillieren mit afghanischen Sicherheitskräften in der Region Hera. | Bildquelle: AFP
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Italienische NATO-Soldaten mit afghanischen Kollegen auf Patrouille. Noch mehr NATO-Soldaten will das Land gar nicht.

4000 weitere NATO-Soldaten?

Die USA wollen deshalb ihre Truppenstärke in Afghanistan deutlich erhöhen und drängen ihre NATO-Partner, dies ebenfalls zu tun. Geplant sind offenbar bis zu 4000 weitere Soldaten. Zurzeit sind rund 8400 US-Soldaten am Hindukusch im Einsatz und etwa 5000 Soldaten aus anderen Staaten der Allianz.

Mohabat, ein Kommandeur der vierten Brigade der afghanischen Streitkräfte, hält das für einen Fehler: "Die fremden Truppen sind unsere Freunde, unsere Brüder. Sie sollten uns helfen, uns mit Waffen ausrüsten und aus der Luft unterstützen. Aber ich glaube nicht, dass weitere fremde Truppen am Boden zum jetzigen Zeitpunkt vorteilhaft sind."

Allein die Ankündigung der US-Regierung, weitere Soldaten nach Afghanistan zu entsenden, hat zu großen Spannungen innerhalb der afghanischen Einheitsregierung geführt. Und die Taliban lehnen weiterhin jede Beteiligung an Friedensgesprächen ab, solange sich - wie sie sagen - fremde Besatzungstruppen auf afghanischem Boden befinden.

Afghanische Streitkräfte - Mehr Waffen nicht mehr NATO-Soldaten
B. Musch-Borowska, NDR, zzt. Neu Delhi
28.06.2017 20:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 29. Juni 2017 Deutschlandfunk um 05:46 Uhr und die tagesschau um 07:00 Uhr.

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