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Kulturkampf in Ungarn

Das Nationaltheater wird national

In Ungarn geht der Kulturkampf im wahrsten Sinne des Wortes weiter: Der Chef des Nationaltheaters in Budapest, Alföldi, wird nächstes Jahr abgelöst - trotz erwiesenen Erfolges. Sein Nachfolger wird der konservative Theatermacher Vidnyánsky - Wunschkandidat der Regierung Orban.

Von Stephan Ozsvath, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

Das Budapester Nationaltheater bekommt eine neue Spitze. Der Vertrag des bisherigen Leiters, Robert Alföldi, wird nicht verlängert. Das teilte der zuständige Minister Zoltán Balog mit. Alföldis Nachfolger wird der bisherige Leiter des Debrecener Csokonai-Theaters Attila Vidnyánsky. Die Ernennung sei eine große Ehre, sagte Vidnyánsky: "Meine ganze bisherige Tätigkeit war darauf gerichtet, mich für diese Aufgabe zu rüsten. Eine ernsthafte Mannschaft steht hinter mir, die mich auch im Debrecener Csokona-Theater unterstützte. So werden wir in der Lage sein, das Nationaltheater zu betreiben."

Chef des Nationaltheaters Budapest wird ersetzt
S. Ozsváth, ARD Wien
18.12.2012 16:07 Uhr

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Vidnyánszky tritt sein neues Amt zum 1. Juli 2013 an. Der 48-Jährige stammt aus der Karpato-Ukraine und ist eng befreundet mit dem ehemaligen Kulturstaatssekretär Géza Szöcs. Vidnyánsky war auch am Gesetz über die Theaterschaffenden beteiligt. Vidnyánszky kündigte an, das Nationaltheater künftig "national" ausrichten zu wollen."Ich bin mir sicher, dass meine Ernennung auch als ein kleiner  Erfolg der Ungarn im Karpatenbecken angesehen werden kann, als ein Erfolg des Theaters der im Ausland lebenden Ungarn."

Er wolle künftig 40 bis 50 Gastspiele in der Provinz und in den Anrainer-Staaten veranstalten, in denen viele Ungarn leben, kündigte Vidnyánsky an. Dafür könnte der neue Theaterchef auch mehr Geld bekommen, sagte der zuständige Minister Zoltán Balog. Er verteidigte die Ernennung des Theatermannes, der erst im Sommer ungarischer Staatsbürger geworden war: "Nach Meinung der Fachkommission, die eindeutig Vidnyánszky untersützte, ist das Nationaltheater nicht nur ein Theater, sondern eine Institution, die nationale Werte repräsentieren, vermitteln muss. Und das ist auf der Grundlage der eingereichten Bewerbung eindeutig von Vidnyánszky zu erwarten. Im Vergleich mit dem zweiten Bewerber, Alföldi, ist es Vidnyánszky, der den an das erste Theater der Nation gestellten Anforderungen entspricht."

Medien: Jury war nicht unvoreingenommen

Ungarische Medien kritisieren die Ernennung Vidnyánszkys. Die für die Besetzung zuständige Jury sei alles andere als unvoreingenommen gewesen, urteilt das Internetportal Index.hu. Sie setzt sich vor allem aus regierungsnahen Kulturschaffenden zusammen, darunter auch aus dem Verband der Theaterschaffenden. Dem steht aber Vidnyánsky vor. Von ihm Abhängige haben ihn also gewählt. Sein künftiger Stellvertreter soll der Schauspieler Károly Eperjes werden. Er ist laut ungarischen Medien der Lieblings-Mime des Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Das Nationaltheater in Budapest
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Das Nationaltheater in Budapest: Der Kulturkampf in Ungarn geht weiter.

Bisheriger Intendant provozierte gern ...

Der bisherige Chef des Nationaltheaters, Alföldi, galt dagegen als Enfant Terrible der ungarischen Theaterszene. Der bekennende Homosexuelle provozierte mit freizügigen Szenen und Äußerungen. Als er von einer rechtsextremen Journalistin gefragt wurde, ob er die Oral-Sex-Szenen in einer Inszenierung der "Tragödie des Menschen", dem ungarischen Faust, auch 12-Jährigen zumuten wolle, antwortete er: "Oh ja, und auch Ihnen wünsche ich für den Rest Ihres Lebens solchen Sex."

In Ungarn hat Alföldi zahlreiche Preise gewonnen, aber auch international wurde er geschätzt. Das Goethe-Institut unterstützte seine Bewerbung, und selbst rechte Kulturschaffende warfen sich für ihn in die Bresche. Sein Ensemble ist eine Mischung aus alten Stars und jungen Talenten. Und es hat Erfolg beim Publikum. Deshalb sagte Alföldi: "Ich betrachte die Welt, meine Heimat, so, dass sie den Menschen nicht bestraft, wenn er gut arbeitet, sondern wahrnimmt - wenn er gut arbeitet. Und warum sollte ich mich nicht neu bewerben? Es könnten noch mindestens fünf Jahre folgen, in denen das Theater so weiter arbeitet."

... und stand schon lange auf der Abschussliste der Regierung

Aber der 50-Jährige aus dem südungarischen Kalocsa stand schon lange auf der Abschussliste der Regierung. Er hatte sein Theater am rumänischen Nationalfeiertag an das rumänische Kulturinstitut vermietet - Nationalkonservative und Rechtsextreme werteten das als Affront. Rechtsextreme Parlamentarier verunglimpften den Homosexuellen im Parlament als "Schwester Roberta".

"Der Kulturkampf geht weiter", schreibt die linksliberale Internet-Zeitung "168 Stunden".  

Stand: 18.12.2012 20:44 Uhr

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