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1975 entwickelten kalifornische Wissenschaftler, Architekten und Ingenieure im Auftrag der US-Weltraumbehörde NASA ein Konzept für große bemannte Mondkolonien. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Doch nun wurde bekannt, dass die NASA-Spitze wieder ernsthaft über einen Mond-Außenposten nachdenkt. Um den zu erreichen, müssten Menschen so weit ins All vorstoßen wie nie zuvor. Doch was sollen sie dort und ist Amerika bereit dafür?
Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington
In Florida leben und arbeiten besonders viele NASA-Mitarbeiter, nicht zuletzt im berühmten Kennedy Space Center in Cape Canaveral. Sie leiden besonders darunter, dass das viel zu teuer geratenen Mond-Programm gestrichen wurde und dass die Spaceshuttle-Ära seit vorigem Jahr vorbei ist.
Also dachte der republikanische Präsidentschaftsmitbewerber Newt Gingrich kürzlich während des Vorwahlkampfes in Florida, dass ihm dieser Vorschlag viele Stimmen bringen würde: "Ich habe in einem frühen Stadium meiner Kongress-Karriere die 'Nord-West-Rechtsverordnung für das Weltall' eingebracht. Wenn 13.000 Menschen auf dem Mond leben, sollten sie sich darum bemühen dürfen, ein US-Staat zu werden."
Gingrich sprach in der Nähe von Cape Canaveral vor vielen Konservativen aus der Weltraumgemeinde. Die jubelten begeistert, als der Politiker erklärte, dass die Mondkolonie-Idee die Amerikaner damals beflügeln sollte; und heute ebenso: "Bis zum Ende meiner zweiten Amtszeit als Präsident werden wir den ersten Dauerstützpunkt auf dem Mond haben, und es wird ein amerikanischer sein."
[Bildunterschrift: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit": Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. ]
Das wäre ungefähr 2020. Der Politiker ging bei der Vorwahl in Florida baden und der Rest des Landes macht sich bis heute über ihn lustig: "Ja klar: Wir können unsere Astronauten nicht zur Raumstation bringen, aber demnächst jede Menge Bulldozer zum Mond?" - Doch nun, drei Wochen später, reiben sich viele die Augen.
Nein, es nicht direkt die Rede von einer Kolonie auf dem Mond mit Tausenden Menschen. Doch der NASA-Chef für Bemannte Weltraumoperationen, William Gerstenmaier, hat bis zum 1. April eine Machbarkeitsstudie bestellt: über eine "bemannte Zwischenstation hinter dem Mond". Für Fachleute: am Lagrange-Punkt L2.
Von dort aus könnten dauerstationierte Astronauten per Telerobotik alle möglichen Erkundungs- und Bergungsgeräte auf der erdabgewandten Mondseite steuern. Geologisch extrem interessant: das Südpol-Aitken-Bassin, einer der der größten, ältesten und tiefsten Krater des Sonnensystems. Außerdem soll man aus dem Weltraumparkplatz später eine "Ausgangstation für komplexere Missionen" zu entwickeln können.
Laut einem jetzt bekannt gewordenen Memo vom 3. Februar hat William Gerstenmaier den Wissenschaftlern für die Machbarkeitsstudie einiges vorgegeben. Für den Transport zum Beispiel sollen sie mit dem Space Launch System einer gerade entwickelten Schwerlastrakete rechnen. Für eine siebenköpfige Astronautencrew stehe das Multifunktionsvehikel ORION zur Verfügung.
Sehr wichtig für die NASA-Spitze: Kooperationsmöglichkeiten mit privatwirtschaftlichen und mit internationalen Partnern. Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass seit Obamas Einzug ins Weiße Haus die Zeiten US-amerikanischer Alleingänge im Bereich der bemannten Weltraumerkundung vorbei sind.
Das sollte man auch in Deutschland als Einladung verstehen. 2013 jedenfalls muss die NASA laut Obamas am Montag veröffentlichten Haushaltsplan mit 17,7 Mrd. Dollar auskommen. Das ist viel Geld und doch rund eine Milliarde weniger als beantragt.
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