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16.03.2010

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Birma Nargis (Foto: dpa)
Myanmar: Ein Jahr nach der Wirbelsturm-Katastrophe
Ein Jahr nach der Wirbelsturm-Katastrophe in Myanmar

"Nargis" - das Trauma bleibt

Vor genau einem Jahr tötete der Wirbelsturm "Nargis" in Myanmar Hunderttausende Menschen und verwüstete ganze Landesteile. Nur wenige Überlebende haben sich bisher von dem Trauma erholt. Der Jahrestag nun bringt die Erinnerung an die schreckliche Nacht zurück.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Die Bewohner des Irrawaddy-Deltas in Myanmar können die Nacht vom 2. auf den 3. Mai vergangenen Jahres nicht vergessen. Der Wirbelsturm "Nargis" war mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern über die Region hinweg gezogen und hatte alles verwüstet, was auf seinem Weg lag. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind mehr als 140.000 Menschen ums Leben gekommen, 800.000 wurden obdachlos. Zehntausende Dörfer wurden völlig oder teilweise zerstört. Insgesamt war eine Fläche von mehr als 23.000 Quadratkilometern betroffen.

Eine Frau trägt ihr Kind durch ein völlig zerstörtes Dorf im Irrawaddy-Delta (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eine Frau trägt ihr Kind durch ein völlig zerstörtes Dorf im Irrawaddy-Delta. (Archivbild, Mai 2008) ]
Der Wirbelsturm hatte einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Stundenlang fegten die Winde mal aus der einen, mal aus der anderen Richtung. Die Menschen im Irrawaddy-Delta waren dem Zyklon schutzlos ausgeliefert und hatten die ganze Nacht über versucht, sich an Bäumen festzuklammern und sich in der tiefliegenden Region vor der ansteigenden Flut in Sicherheit zu bringen.

Angst und Schrecken bis heute

Von dem Trauma haben sich bis heute die wenigsten erholt. Der Jahrestag hat bei den Überlebenden der Katastrophe Angst und Schrecken dieser Nacht verstärkt, meint Bernd Schell, vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Vor allem kleine Kinder, die ihre Familie verloren haben, seien betroffen: "Wenn jetzt die Regenzeit beginnt und die ersten Regentropfen auf die Dächer fallen, haben sie Angst das Haus zu verlassen", so Schell. "Sie haben Angst, dass wieder so ein Sturm kommen könnte. Sie wollen nicht mehr zur Schule gehen, all das sind Anzeichen dafür, dass sie das Trauma noch nicht überwunden haben. Das benötigt noch viel Zeit und psychologische Hilfe."

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Birma Nargis (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Wirbelsturm "Nargis" hat im Irrawaddy Delta für großes Leid und schwere Verwüstungen gesorgt. ]

Etwa ein Viertel der Menschen im Irrawaddy-Delta haben Anzeichen eines Traumas, doch nur wenige haben in den vergangenen zwölf Monaten psychologische Hilfe erhalten. Die Arbeit der Hilfsorganisationen drehte sich in erster Linie um die Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Medikamente und ein Dach über dem Kopf. Und selbst diese Hilfe hat bis heute längst nicht alle im Irrawaddy-Delta erreicht.

Kinder am stärksten traumatisiert

Das Rote Kreuz hat deshalb eine umfassende psychologische Hilfe für die "Nargis"-Überlebenden gestartet und rund 600 freiwillige Helfer geschult, die regelmäßig die Menschen in den am stärksten betroffenen Dörfern besuchen. "Das ist keine psychologische Behandlung", sagt Schell. "Es sind Gespräche mit den Menschen: Zuhören, Vertrauen aufbauen. Es hilft ihnen sehr, wenn ihnen einfach jemand zuhört, kleine Ratschläge erteilt, wie sie ihr Leben besser wieder in die Hand nehmen können. Das betrifft die älteren Leute genauso wie die Kinder. Aber die Kinder sind zweifellos am stärksten traumatisiert."

Birma Nargis (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Wirbelsturm "Nargis" hat im Irrawaddy Delta für großes Leid und schwere Verwüstungen gesorgt. ]
Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen leistet seit Monaten im Irrawaddy-Delta psychologische Hilfe. Die Menschen in Myanmar sind mehrheitlich Buddhisten und diese glaubten an Karma, an Schicksal, das als Strafe empfunden werde, so eine Psychologin der Organisation. Es sei wichtig, den Menschen eine andere, eine wissenschaftliche Erklärung für die Katastrophe nahe zu bringen und die meteorologische Entstehung des Wirbelsturm verständlich zu machen.

Stand: 03.05.2009 01:04 Uhr
 

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