Ein schwer bewaffneter Polizist hat sich vor dem Einkaufszentrum in Stellung gebracht. (Bildquelle: AP)

Anschlag auf Einkaufszentrum in Nairobi 39 Tote nach Terrorangriff

Stand: 21.09.2013 23:12 Uhr

Bei dem Anschlag von Islamisten auf ein Einkaufszentrum in Nairobi sind nach Angaben des kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta 39 Menschen getötet und 150 verletzt worden. "Wir werden die Terroristen für dieses feige Verbrechen bestrafen", sagte er in einer Fernsehansprache. Er selbst habe enge Angehörige bei dem Anschlag verloren. Maskierte und bewaffnete Männer hatten die vor allem bei reichen Einheimischen und Ausländern beliebte "Westgate Mall" in der kenianischen Hauptstadt angegriffen.

Aus Polizeikreisen verlautete, die Attentäter hätten noch immer mindestens sieben Geiseln in ihrer Gewalt. Am Abend gaben die Einsatzkräfte bekannt, dass die Terroristen in einem Stockwerk "isoliert" und "eingekreist" seien. Das übrige Gebäude werde "Geschäft für Geschäft" durchkämmt. Einer der Angreifer sei festgenommen worden, jedoch kurz darauf seinen Schusswunden erlegen.

Islamisten bekennen sich

Zu dem Überfall bekannte sich via Twitter die islamistische Al-Schabaab-Miliz aus Somalia. Die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbündeten Aufständischen verbreiteten über den Kurznachrichtendienst die Mitteilung: "Die Mujahedin drangen heute gegen Mittag in die Westgate Mall ein und sind noch immer in dem Einkaufszentrum". Zudem hatten sie gegenüber dem Sender Al Dschasira die Verantwortung für den Überfall übernommen. Die Attacke sei Vergeltung für die in Somalia begangenen "Verbrechen ihrer Soldaten". Die kenianische Armee unterstützt die somalischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Schabaab.

Anschlag auf Einkaufszentrum in Nairobi
tagesschau 20:00 Uhr, 21.09.2013, Shafagh Laghai, ARD Nairobi

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USA verurteilen Anschlag

Die mit automatischen Waffen und Granaten ausgerüsteten Angreifer drangen gegen Mittag in die "Westgate Mall" ein und feuerten nach Angaben von Augenzeugen auf die Besucher, unter ihnen Afrikaner, Inder und westliche Ausländer. Laut US-Außenministerium gibt es Hinweise, dass auch US-Bürger unter den Verletzten sind. Eine Außenamtssprecherin in Washington verurteilte den Anschlag als "sinnlosen Akt der Gewalt". Der britische Außenminister William Hague sagte, dass "ohne Zweifel" auch britische Staatsbürger von dem Angriff betroffen seien. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin konnte zunächst nicht sagen, ob es auch deutsche Opfer gab.

Der somalische Präsident Hassan Sheik Mohamud sprach der kenianischen Regierung sein Mitgefühl aus. "Wir in Somalia kennen den menschlichen Preis solcher Gewalt nur zu gut", schrieb er in einer in Mogadischu veröffentlichten Stellungnahme. Somalia stehe "Schulter an Schulter" mit dem Nachbarland Kenia, versicherte er.

Ein Polizist versucht, ein Einkaufszentrum in Nairobi zu sichern. (Bildquelle: REUTERS)
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Die Polizei versucht, das Einkaufszentrum zu sichern.

Nach einer Schießerei in einem Einkaufszentrum in Nairobi bringen sich Menschen in Sicherheit. (Bildquelle: AFP)
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Ein bewaffneter Mann bringt mehrere Kinder in Sicherheit.

Islamisten hatten mehrfach mit Anschlägen gedroht

Augenzeugen schilderten schreckliche Szenen. "Die Angreifer wollten mir in den Kopf schießen, aber sie haben mich verfehlt", sagte ein Besucher der Mall. Ein anderer Augenzeuge berichtete, die Angreifer hätten Kunden des Einkaufszentrums regelrecht "hingerichtet". Sie hätten eine Fremdsprache gesprochen - Arabisch oder Somali. "Ich sah, wie sie die Menschen aufforderten, etwas zu sagen, dann töteten sie sie."

Nach einer Schießerei in einem Einkaufszentrum in Nairobi werden zwei Menschen in Sicherheit gebracht. (Bildquelle: AP)
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Dutzende Menschen flohen aus dem Einkaufszentrum.

Rettungskräfte transportieren einen Verletzten aus einem Einkaufszentrum in Nairobi ab. (Bildquelle: AP)
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Geduckt bergen Rettungskräfte einen Verletzten.

Sicherheitsexperten fürchteten seit längerem, dass das Zentrum zum Ziel eines Anschlags werden könnte. Die Aufständischen der somalischen Schabaab-Milizen drohten Kenia in der Vergangenheit mehrfach mit Anschlägen - als Vergeltung für die militärische Unterstützung der somalischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Schabaab-Miliz und das Terrornetzwerk Al-Kaida.

Das "Westgate" Einkaufszentrum im Viertel Westland gibt es seit 2007. Die Mall beherbergt neben Geschäften zahlreiche Cafés und Restaurants, Banken und einen großen Supermarkt sowie einen beliebten Kinokomplex, der täglich tausende Besucher zählt. Mehrere Geschäfte sind in israelischer Hand. Das Einkaufszentrum ist auch bei Mitarbeitern der Vereinten Nationen sehr beliebt - die UN-Mission liegt ganz in der Nähe.

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