Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul | Bildquelle: dpa

Trauer um englischen Schriftsteller Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul ist tot

Stand: 12.08.2018 04:16 Uhr

Er gilt als einer der größten englischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts: Der Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul ist im Alter von 85 Jahren in London gestorben. Der Weltenbürger mit Adelstitel wurde nicht immer nur bewundert.

Der Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul ist tot. Wie seine Familie in Großbritannien mitteilte, starb Naipaul im Alter von 85 Jahren im Kreis seiner Angehörigen. "Er war ein Gigant in allem, was er tat", hieß es in einer Erklärung seiner Witwe. "Er hat ein Leben gelebt, das gefüllt war mit wunderbarer Kreativität." Naipaul zählte zu den größten Schriftstellern im englischsprachigen Raum. Jahrzehntelang bereiste er auf der Suche nach literarischen Stoffen, aber auch nach den eigenen Wurzeln die ganze Welt. In seinen Büchern ließ er oft die Grenzen zwischen Reisebericht, Fiktion und Autobiographie verschwimmen.

Brite, Inder, Karibe

Naipaul wurde in der Nähe von Trinidad geboren. Mit 18 zog es ihn nach England. Ein Stipendium ermöglichte 1950 ein Studium in Oxford, und obwohl er unter Heimweh und englischem Essen litt, war Naipaul fest entschlossen, nicht auf sein tropisches Eiland zurückzukehren.

Nach einigen Jahren als Journalist für britische Medien begann Naipaul, Romane zu schreiben. Die ersten spielten noch auf Trinidad. Später erkundete er Afrika, Asien und Lateinamerika und verarbeitete seine Eindrücke in Romanen, Reportagen und Essays. In "Land der Finsternis" (1964, dt. 1997) und zwei Folgebänden analysierte er kritisch die Verhältnisse in Indien, dem Land seiner Vorfahren. In "Eine Islamische Reise" (1981, dt. 1982) wurde er zum Islamkritiker.

Der Roman "An der Biegung des großen Flusses" (1979, dt. 1980) beschrieb Chaos und Gewaltherrschaft in den unabhängig gewordenen Staaten Afrikas. In der Romanbiografie "Das Rätsel der Ankunft" (1987) erzählte er sein eigenes Leben zwischen den Kontinenten.

Von der Queen zum Ritter geschlagen

Er wurde von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen, 2001 erhielt er den Literaturnobelpreis. Er erklärte, der Preis sei "eine große Anerkennung für England, meine Heimat, und für Indien, die Heimat meiner Vorfahren." Kritiker warfen V. S. Naipaul neben Arroganz und Ruppigkeit vor, die Welt vor allem aus dem Blickwinkel der Kolonialherren zu betrachten.

Der Autor verweigerte sich der romantischen Idealisierung der Länder des Südens und machte diese für Armut und Unterentwicklung zum großen Teil selbst verantwortlich. Muslime empörte er mit der Aussage, der Islam habe in nichtarabischen Ländern wie Indien mehr Schaden angerichtet als der Kolonialismus.

In seinem Spätwerk behandelte er in Romanen wie "Ein halbes Leben" (2001, dt. 2003) oder "Magische Saat"(2004, dt. 2005) wieder die Fragen von Identität und Heimatlosigkeit. 2010 erschien "Afrikanisches Maskenspiel" (dt. 2011), ein Buch über afrikanische Religionen. Auch danach soll Naipaul noch an einem neuem Buch gearbeitet haben.

Nachruf auf Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul
Katha Jansen, ARD Neu Delhi
12.08.2018 10:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. August 2018 um 04:30 Uhr.

Darstellung: