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Nach gescheiterten Verhandlungen über Waffenruhe
Kämpfe in Nahost gehen weiter
Nach den erfolglosen Verhandlungen über eine Waffenruhe gehen die Kämpfe in Gaza weiter. Alle zehn Minuten flog die israelische Luftwaffe einen Angriff. Tel Aviv sieht die Schuld für das vorläufige Scheitern bei den ägyptischen Vermittlern. US-Außenministerin Clinton setzt nun auf eine Lösung in den nächsten Tagen.
Von Peter Kapern, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Die Angriffe gehen weiter - ein Waffenstillstand lässt auf sich warten. Im Laufe des heutigen Tages sei eine solche Vereinbarung jedoch möglich, sagte ein Sprecher der Hamas in Kairo. Als US-Außenministerin Hillary Clinton am späten Abend in Israel eintraf, klang sie indes deutlich zurückhaltender. Sie ließ wissen, dass sie eine Lösung in den kommenden Tagen erreichen wolle. So ging der gewaltsame Konflikt in seinen achten Tag.
Waffenruhe in Nahost lässt auf sich warten
P. Kapern, DLF Tel Aviv
21.11.2012 06:32 Uhr
Clinton will dauerhafte Lösung finden
Clinton fuhr vom Flughafen Ben Gurion direkt zu einem Gespräch mit Ministerpräsident Netanjahu in Jerusalem. Dort sagte sie, es gehe darum, eine dauerhafte Lösung für das Problem zu finden: "In den vor uns liegenden Tagen werden die USA mit ihren Partnern in Israel und der gesamten Region zusammenarbeiten, um eine Lösung zu erreichen, die die Sicherheit der Menschen in Israel verstärkt, die Lage der Menschen in Gaza verbessert und die gesamte Region einem umfassenden Frieden näher bringt."
Gestern am späten Abend hatte es so ausgesehen, als wäre eine Feuerpause in greifbare Nähe gerückt. Vertreter der Hamas und des Islamischen Dschihad in Ägypten hatten bereits eine Pressekonferenz angesetzt, auf der ein Waffenstillstand verkündet werden sollte. Die sollte um Mitternacht beginnen. Etwas später kamen dann jedoch zurückhaltende Reaktionen in Jerusalem. Noch sei nichts unter Dach und Fach. Und schließlich die Meldung, der Waffenstillstandsvertrag könne - noch - nicht unterschrieben werden.
Keine Waffenruhe im Nahen Osten
tagesschau 11:00 Uhr, 21.11.2012, Bernd Niebrügge, ARD Tel Aviv
Gescheiterte Verhandlungen: Israel gibt Ägypten die Schuld
Die Hamas macht Israel dafür verantwortlich. Es habe auf die letzten Entwürfe für diesen Vertrag nicht geantwortet. Israel sieht die Schuld für das vorläufige Scheitern bei den ägyptischen Vermittlern. Sie repräsentierten eine Gruppe, so ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter in Jerusalem, die der Hamas einen Vorteil verschaffen wolle. Das berichtet die Zeitung "Haaretz". Das selbe Blatt berichtet über Streit im engsten Kreis der israelischen Führung. Verteidigungsminister Ehud Barak sei bereit gewesen, den Waffenstillstandsvertrag anzunehmen, Außenminister Avigdor Lieberman und Regierungschef Benjamin Netanjahu jedoch nicht.
Netanjahu drohte bei seinem Treffen mit US-Außenministerin Clinton auch weiter mit einer möglichen Bodenoffensive: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, eine langfristige Lösung mit diplomatischen Mitteln zu erreichen, dann bevorzugen wir das. Wenn aber nicht, wird Israel seine Bürger mit allen seinen Möglichkeiten schützen."
Hamas fordert Ende der Wirtschaftsblockade
An welchem Punkt genau sich die Kairoer Verhandlungen festgefressen haben, lässt sich nicht ausmachen. Israel will eine vorläufige Waffenpause mit einem langfristigen Abkommen ergänzen, das auch Garantien dafür bietet, dass keine Waffen mehr in den Gazastreifen geliefert werden. Die Hamas verlangt im Gegenzug eine Lockerung der Blockade, die das Wirtschaftsleben im Gazastreifen lähmt. Und sie verlangt ein Ende der gezielten Tötungen ihrer Funktionäre.
Begleitet wurde das diplomatische Tauziehen von gegenseitigen Angriffen, deren Intensität im Laufe des Abends und der Nacht noch zuzunehmen schien. Alle zehn Minuten flog die israelische Luftwaffe einen Angriff, dazu feuerten die Artillerie und die Marine auf Ziele im Gazastreifen. Und auf Städte im Süden Israels wurden wieder Raketen abgeschossen. Der Vertreter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen berichtete, die Zahl der Toten habe die Marke von 140 überschritten. Die meisten von ihnen seien Zivilisten, unter ihnen 34 Kinder. Auf israelischer Seite stieg die Zahl der Toten gestern auf fünf. Ein Soldat und eine Zivilistin erlagen ihren Verletzungen.
Stand: 21.11.2012 07:15 Uhr
