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Konflikt im Nahen Osten
Hamas-Exilchef Maschaal besucht erstmals Gazastreifen
Mit einem Kniefall und einem Kuss der Erde inszenierte der im Exil lebende Chef der Hamas, Maschaal, seinen ersten Besuch im Gazastreifen. Für die Hamas ist die Einreise des Feindes Israels ein historisches Ereignis. Der Besuch könnte aber auch ein Zeichen der Entspannung mit Israel sein.
Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Chaled Maschaal war elf Jahre alt, als seine Eltern mit ihm vor den Israelis aus dem Westjordanland flohen. Nun, 45 Jahre später, fiel der im Exil lebende Chef der Hamas im Gaza-Streifen auf die Knie und küsste den Boden. "Ich kehre nach Gaza zurück und das meine ich auch so. Ich war zwar noch nie hier. Aber Gaza ist in meinem Herzen, also kehre ich zurück als wäre es nie von mir getrennt gewesen. Ich verliess das Westjordanland 1967 und kam nur einmal 1975 wieder zurück. Dies hier ist das erste Mal, dass ich Palästina besuche", sagt Maschaal.
Für die Hamas ein historischer Besuch
Damit spielte er darauf an, dass er nach der Gründung der palästinensischen Autonomiebehörde nicht mehr in seiner Heimat war. Die Visite von Maschaal sollte nach dem Willen seiner Organisation unbedingt eine Ausnahmestellung haben. Die Hamas will sie als historischen Besuch verstanden wissen.
Die Begrüßung des Exilchefs im Gaza-Streifen war straff durchorganisiert. Zehntausende jubelten Maschaal zu. Er war über den ägyptischen Übergang Rafah eingereist. Grund des Besuchs sind die Feiern zum 25-jährigen Bestehen der Hamas an diesem Wochenende. Die radikalislamische Bewegung feiert sich selbst. Sie sieht sich als Gewinner des jüngsten, achttägigen blutigen Kräftemessens mit Israel.
Der Maschaal-Besuch soll der eigenen Bevölkerung Stärke signalisieren und Ismail Haniye, Chef der Hamas im Gaza-Streifen, wandte sich in martialischer Rhetorik an den Erzfeind: "Dies sind die ersten Schritte unserer Rückkehr, Das ist ein Schrei ins Gesicht der Besatzung. Ihr werdet nicht in diesem Heiligen Land bleiben. Das ist unsere Nation unter unserer Führung."
Zeichen einer stabilen Waffenruhe
Abseits aller gewohnten Rhetorik ist der Maschaal-Besuch aber Ausdruck einer zumindest vorübergehenden leichten Entspannung zwischen Israel und Hamas. Vor 15 Jahren hatte der israelische Geheimdienst versucht Maschaal zu töten. Dass er nun offenbar ohne Sorge um seine Sicherheit in den direkt an Israel grenzenden Gaza-Streifen reist, werten Beobachter als Zeichen einer stabilen Waffenruhe.
Israelische Medien berichten über intensive Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung. Ziel ist demnach nicht nur ein dauerhafter Waffenstillstand, sondern ein weitgehendes Ende der Blockade des Gaza-Streifens.
Hamas-Chef Maschaal besucht erstmals den Gazastreifen
nachtmagazin 00:55 Uhr, 08.12.2012, Markus Rosch, ARD Tel Aviv
Geheime Gespräche zwischen Israel und der Hamas?
Die Regierung Netanjahu suche nach einer neuen Art des Umgangs mit der Hamas, sagt der israelische Journalist und Ex-Geheimdienstler Gad Shimron: "Offiziell gibt es keine Kontakte zwischen Israel und Hamas. Aber die jüngste Feuerpause beweist ja, dass Verhandlungen möglich sind. "Ich wäre nicht überrascht zu hören, dass es geheime Gespräche zwischen Israel und der Hamas gibt, die andauern."
Stand: 07.12.2012 16:49 Uhr
