Israelischer Luftangriff auf Gaza-Stadt | Bildquelle: dpa

Konflikt in Nahost Niemand gibt nach

Stand: 20.11.2012 08:43 Uhr

Auch in der Nacht sind die Angriffe in Nahost weitergegangen: Die israelische Luftwaffe bombardierte unter anderem die Islamische Nationalbank, aus dem Gazastreifen schossen Militante Raketen nach Israel. Die internationale Diplomatie ringt darum, eine weitere Eskalation zu verhindern. Bundesaußenminister Guido Westerwelle ist schon in Israel, auch US-Außenministerin Hillary Clinton ist unterwegs.

Von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Die Sirene eines Krankenwagens - dieses Mal im von Israel besetzten Westjordanland, in Hebron. Ein junger Palästinenser, Hamdi Mohammad, ist erschossen worden. Der Mann hatte gegen die israelischen Angriffe auf Gaza protestiert. Autoreifen brannten, Steine flogen, israelische Soldaten schossen.  Ärzte sagen, zwei Kugeln hätten den 22-Jährigen in die Brust getroffen, eine ins Knie und eine vierte ins Gesicht.

Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärt, die Soldaten seien von einem Vermummten bestürmt worden, hätten unmittelbare Gefahr für ihr Leben empfunden und geschossen.

"Müssen uns um Deeskalation bemühen"

Die Eskalation ist nicht gebannt - an keiner Stelle in Nahost. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte nach seiner Ankunft in Jerusalem ein Ende der Gewalt.

So direkt wollte oder konnte er es seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman aber nicht sagen: "Ich möchte unterstreichen, Israel hat jedes Recht seine eigene Bevölkerung und sein eigenes Land zu verteidigen. Es ist von größter Wichtigkeit, dass wir uns jetzt um eine Deeskalation bemühen". Das sei das gemeinsame Ziel. Man müsse beraten und überlegen, wie eine Feuerpause zu erreichen sei, sagte er.

Keine Konfliktpartei will Feuer einstellen

Die Zeit drängt. Denn keine der Konfliktparteien ist bereit, von vornherein das Feuer einzustellen. Jeder weitere Angriff aber könnte eine Vereinbarung wieder unmöglich machen.

Die israelische Luftwaffe habe in der Nacht Ziele in Beit Hanun und Khan Junis, also im Norden und Zentrum des Gaza-Streifens angegriffen, heißt es. Nach palästinensischen Angaben wurden außerdem die Zentrale der Islamischen Nationalbank und Regierungsgebäude in Gaza-Stadt bombardiert.  Die Nachrichtenagentur Ma'an meldet, gestern Abend sei beim Angriff auf ein Wohnhaus im Norden des Küstengebiets eine vierköpfige Familie von der israelischen Armee getötet worden.

Kurz vor zwei Uhr nachts waren auf israelischer Seite wieder Sirenen zu hören. Raketenalarm in Aschkelon, Sderot und Kirjat Gat - in direkter Umgebung des Gaza-Streifens.

Schier unüberbrückbare Differenzen

Ein Ende ist auch am siebten Tag nicht in Sicht. In Kairo liegen Vorschläge für eine Feuerpause auf dem Tisch. Aber die Differenzen sind gravierend. Die israelische Regierung verlangt zum Beispiel, weiter auf palästinensischem Gebiet operieren zu dürfen, um Angriffe zu verhindern. Das klingt vielleicht zunächst logisch - bedeutet im Kern aber: Israel will die Kontrolle des Gaza-Streifens von außen nie aufgeben.

Der Hamasfunktionär Abu Zuhri weißt die Vorschläge zurück: "Die Besatzung ist verantwortlich für all das was geschieht." Sie habe den Hamas-Militärchef Ahmed Dschabari in einer Zeit der Ruhe getötet, und sollen dafür die Verantwortung übernehmen. Wir zahlen einen hohen Preis mit dem Leben unserer Führer, Frauen und Kinder. Und wir werden keine Feuerpause akzeptieren ohne Garantien für unsere Sicherheit", meint er.

Diese Garantien aber möchte Israel nicht geben. Womöglich sind die kommenden Stunden in Kairo, Jerusalem und Gaza entscheidend für die Entwicklung der Konfrontation.

Dieser Beitrag lief am 20. November 2012 um 05:07 Uhr im Deutschlandfunk.

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