Ein palästinensischer Jugendlicher protestiert gegen israelische Sicherheitskräfte in der Nähe von Ramallah. | Bildquelle: REUTERS

Nach Tod eines palästinensischen Kindes Neue Krawalle im Westjordanland

Stand: 02.08.2015 04:20 Uhr

Der Tod eines palästinensischen Kleinkindes nach einem Brandanschlag hat die Spannungen in Nahost verschärft. An mehreren Orten kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Israelis. Ein Jugendlicher starb nach Schüssen von israelischen Sicherheitskräften.

Im Westjordanland hat es nach dem Tod eines Palästinenser-Kindes erneut Krawalle gegeben. Die israelische Armee beendete einen Zusammenstoß zwischen jüdischen Siedlern und Palästinensern, die sich gegenseitig mit Steinen beworfen hatten. An mehreren Orten in der Region gingen Palästinenser und arabische Israelis auf die Straße.

Auch jugendlicher Palästinenser getötet

In der Nähe von Ramallah warfen Palästinenser Molotow-Cocktails auf israelische Sicherheitskräfte. Die Gewalt flammte im Anschluss an die Beerdigung eines jugendlichen Palästinensers auf. Er war am Samstag an Schussverletzungen gestorben. Israelische Soldaten hatten am Freitag bei einer Demonstration für das getötete Kind auf ihn geschossen, weil er einen Brandsatz auf sie geworfen hatte.

Das 18 Monate alte Kind war am Freitag bei einem Brandanschlag mutmaßlicher jüdischer Extremisten ums Leben gekommen. Offenbar hatten die Siedler Brandflaschen auf die Häuser in dem Dorf südlich von Nablus geworfen und eine Mauer mit Parolen beschmiert. Israelische Politiker verurteilten den Brandanschlag scharf. Die Regierung von Palästinenserpräsident Abbas machte hingegen die israelische Führung für das Verbrechen verantwortlich. Der Vorfall wäre nicht geschehen, würde Israel seine Siedlungen nicht immer weiter ausbauen.

Linksgerichtete Demonstranten protestieren in Tel Aviv gegen den Brandanschlag auf Palästinenser. | Bildquelle: REUTERS
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In Tel Aviv und anderen Städten protestierten Israelis gegen den Brandanschlag in Nablus und die Siedlungspolitik der Regierung.

Israelis demonstrieren gegen Siedlungspolitik

Auch tausende Israelis versammelten sich in der Nacht in Tel Aviv und anderen Städten, um gegen religiösen Extremismus zu protestieren. Sie verurteilten den Brandanschlag auf die palästinensische Familie und kritisierten die Siedlungspolitik der Regierung scharf. Anlass war aber nicht nur der Brandanschlag. Die Proteste richteten sich auch gegen die Messerattacke eines ultraorthodoxen Juden auf eine Schwulen- und Lesbenparade in Jerusalem. Dabei waren sechs Teilnehmer verletzt worden.

Proteste gegen religiös-nationalistische Hetze
Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
02.08.2015 04:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. August 2015 um 13:15 Uhr.

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