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28.05.2012

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Ausland
USA: Boykottaufruf gegen Nacktscanner
US-Fluggäste boykottieren Nacktscanner

"Peinlich und entwürdigend"

Kurz vor dem Reiserummel rund um das Thanksgiving-Fest haben Bürgerrechtler in den USA dazu aufgerufen, die Sicherheits-Checks an Flughäfen zu boykottieren. Ihr Vorwurf: Nacktscanner und Leibesvisitationen verletzen die Menschenwürde und stempeln Fluggäste zu Terroristen.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Sicherheits-Check an US-Flughafen (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eine TSA-Mitarbeiterin befühlt den Oberkörper einer Reisenden am Internationalen Flughafen von Denver. ]
Für die eher puritanisch prüde erzogenen US-Bürger ist schon der reine Gedanke eine Zumutung: Ein Scanner-Blick durch die Unterwäsche bis in äußerst private Körperzonen - "Nein danke!", sagen da viele. Und wer nicht will, muss auch nicht. Wer allerdings die tiefblickende Durchleuchtung beim Einchecken ablehnt, dem droht eine - ebenfalls sehr intime - Leibesvisitation.

Das Befühlen der Brüste, der Griff in den Schritt - das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, meinen daher viele Reisende: "Als sie an meinen Beinen hochfuhr und dann mit der Hand unter meinen Rock rutschte, da bin ich ausgerastet", beschreibt Trish Wimmer ihr Erlebnis mit einer Beamtin der US-Verkehrssicherheitsbehörde TSA.

Das ganze Verfahren sei zudringlich, schimpft ein anderer Passagier, und er hat dabei die volle Unterstützung von Kate Hanni. Die Gründerin der Bürgerrechtsorganisation "Flyersrights" wirft der Verkehrssicherheitsbehörde vor, mit dem neuen Verfahren viel zu weit gegangen zu sein. 100 Prozent der amerikanischen Fluggäste müssten sich nun wie Terroristen fühlen, schimpft die Aktivistin.

Großes Interesse der US-Medien

Hanni fordert deshalb zum öffentlichen Ungehorsam auf: An den verkehrsreichsten Tagen das Jahres rund um das morgige Thanksgiving-Fest sollen Reisende massenhaft die neuen Sicherheitskontrollen boykottieren.

Der Aufruf findet in den US-Medien ein großes Interesse und wird im Internet durch immer neue Schauergeschichten geschürt. So berichtet etwa ein Krebs-Patient, dass bei der - wie er sagt - rabiaten Leibesvisitation seine externe Ersatzblase zum Überlaufen gebracht wurde: "Es war so peinlich und entwürdigend und ich konnte nichts machen, denn ich musste ja meinen Flieger kriegen", berichtet Tom Sawyer, der seine Reise mit durchnässter Hose antreten musste.

Regierung nimmt wachsenden Druck wahr

Passagiere bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen in New Jersey. (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Intensive Sicherheitskontrollen werden von vielen US-Bürgern befürwortet. ]
Der wachsende Druck in der Öffentlichkeit ist auch bei der Regierung angekommen: Man denke darüber nach, wie man das Verfahren weniger aufdringlich gestalten könne, heißt es bei der Verkehrssicherheitsbehörde. Aber, schränkt Heimatschutzministerin Janet Napolitano ein, bei allem müsse die Sicherheit oberste Priorität behalten: "Änderungen, die unsere Möglichkeiten zur Gewährleistung eines sicheren Luftverkehrs begrenzen, wird es nicht geben", sagt Napolitano.

Wie es scheint, bleibt der Schutz vor Terroranschlägen angesichts der aktuellen Bedrohungslage auch für die meisten US-Bürger wichtiger als die eigene Schamgrenze: 81 Prozent aller Amerikaner halten den Einsatz von Nacktscannern nach einer aktuellen Umfrage für unproblematisch.

Stand: 24.11.2010 03:36 Uhr
 

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