Baby gähnt | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Reform in Dänemark Babysitter auf Staatskosten

Stand: 27.04.2017 16:25 Uhr

Ärzte, Schwestern und Pfleger, Busfahrer, Polizisten, Köche - die Liste der Menschen, die regelmäßig nachts arbeiten müssen, ist lang. Doch wer betreut in dieser Zeit eigentlich die Kinder? Dänemark will nun einen ungewöhnlichen Weg gehen, um dieses Problem zu lösen.

In Dänemark sollen Eltern, die während der Abend- und Nachtstunden arbeiten müssen, künftig Geld für den Babysitter bekommen - vom Staat. Die Reform ist Teil eines Programms zur Modernisierung der Kinderbetreuung, das Sozial- und Kinderministerin Mai Mercado vorstellte. In den Genuss eines Babysitter-Zuschusses sollen Eltern kommen, die beide außerhalb der Öffnungszeiten der Kindergärten arbeiten, wie beispielsweise Polizisten oder Krankenhauspersonal.

"Die Familie soll die Möglichkeit haben, dass ihr Kind von jemandem beaufsichtigt wird, bei dem es sich sicher fühlt - das kann die Oma oder ein Kindermädchen sein", sagte Mercado der Nachrichtenagentur Ritzau. Die Kosten werden landesweit auf fünf Millionen dänische Kronen (670.000 Euro) geschätzt. In das gesamte Programm investiert die Regierung über vier Jahre umgerechnet rund 78 Millionen Euro.

Auch in Deutschland arbeiten Millionen Menschen nachts

Auch in Deutschland arbeiten immer mehr Menschen abends oder nachts. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums aus dem Herbst vergangenen Jahres auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Während demnach 1996 nur 15,6 Prozent der abhängig Beschäftigten häufig abends arbeiten mussten, lag der Anteil den Zahlen zufolge im Jahr 2015 mit knapp 8,8 Millionen Betroffenen bei mehr als 24 Prozent. Nachtarbeit mussten demnach 2015 knapp 3,3 Millionen und damit gut neun Prozent der Beschäftigten leisten - 1995 waren es noch 7,6 Prozent. Die Kinderbetreuung in diesen Zeiträumen muss hierzulande in der Regel selbst organisiert und bezahlt werden.

Über dieses Thema berichtete WDR aktuell am 28. April 2017 um 21:45 Uhr.

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