Nil | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi

Mythos Nil - Teil 2 Hoffen auf Wunder - jeglicher Art

Stand: 27.11.2017 03:08 Uhr

Gläubige in Äthiopien hoffen, dass der Nil ihre Krankheiten heilt. Mächtige in Äthiopien hoffen, dass er ihr Land reich macht. Gelingen soll das mit Hilfe eines riesigen Staudamms. Doch in den wollen nicht einmal die Chinesen investieren.

Von Sabine Bohland, ARD-Studio Nairobi

Mit letzter Kraft schleppt die junge Frau sich den Weg entlang, gestützt von Familienmitgliedern. Die Anstrengung steht ihr ins Gesicht geschrieben, immer wieder knicken ihr die Beine weg. Fast hat sie es geschafft: Die heilige Quelle des Blauen Nils ist nicht mehr weit - ihre letzte Hoffnung auf Heilung.

Aus dem ganzen Land strömen Pilger nach Gish Abay. Der Ort ist eine Art äthiopisches Lourdes. Orthodoxe Priester in weißen Gewändern kümmern sich um die Hilfesuchenden. Sie gießen gesegnetes Wasser aus dem Nil über die Köpfe und schlagen mit schweren silbernen Kreuzen auf die Rücken der Gebrechlichen, auch den der kranken Frau. Bis die Prozedur wirklich Wunder wirkt, können allerdings Jahre vergehen.

Priester Eshete Medhem | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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Priester Eshete Medhem vertraut auf die Heilkraft des Nil-Wassers.

"Die Kirche und der Fluss sind eng verknüpft"

Die Szenerie wirkt wie aus einer anderen Zeit. Die eigentliche Nilquelle ist in einer Art Schuppen verborgen. Nur ganz wenige haben Zugang zu dem heiligen Ort. "Der Nil bedeutet Leben für uns", sagt ein Priester. "Die Kirche und der Fluss sind eng miteinander verknüpft. Menschen kommen her, um geheilt zu werden. In früheren Zeiten hat das Wasser des Nils einige Menschen sogar vom Tode auferstehen lassen." Der Fluss ist so mächtig, dass er die Menschen an Wunder glauben lässt.

Von Gish Abay aus nimmt der Blaue Nil seinen Lauf. Durch den Tanasee - Äthiopiens größten See - und dann durch wilde Schluchten durch das äthiopische Hochland. In der Regenzeit stürzen Wassermassen die Tissisat-Wasserfälle hinab. Auch sie wirken wie ein Wunder in einem Land, das berühmt-berüchtigt ist für seine immer wiederkehrenden Dürren und Hungersnöte.

alt Karte: Anrainerstaaten des Nil

Reportage-Serie "Mythos Nil"

Mit fast 7000 Kilometern gilt der Nil mit seinen beiden Quellflüssen Blauer und Weißer Nil als längster Strom der Erde. Die Staaten, durch die er fließt, sind derzeit fast alle instabil.
Umso mehr setzen die Menschen dort ihre Hoffnung in den Fluss. Die einen hoffen auf Touristen, die anderen auf Einnahmen aus der Stromproduktion oder schlicht auf Trinkwasser. In einer fünfteiligen Reportage-Serie geht tagesschau.de bis Donnerstag dem "Mythos Nil" nach.

Vorboten der Moderne

In der Nähe der Grenze zum Sudan wartet schließlich ein weiteres Wunder - zumindest soll es einmal eines werden. In der archaischen Landschaft wachsen plötzlich riesenhafte Strommasten aus der Erde, Vorboten der Moderne, auf die Äthiopien mit seinem gigantischen Projekt des "Großen Dammes der Äthiopischen Wiedergeburt" zusteuert.

Auf der wohl größten Baustelle Afrikas entstehen ein Staudamm und ein Kraftwerk. Rund um die Uhr schuften knapp 10.000 Bauarbeiter. Eigentlich sollte GERD - wie der Damm kurz genannt wird - dieses Jahr fertig werden. Doch man hinkt im Zeitplan hinterher. Das spielt aber keine Rolle: Äthiopien hat das große Ganze im Auge, nämlich endlich auf eigenen Beinen zu stehen und nicht mehr von Entwicklungshilfe abhängig zu sein.

Äthiopien - der blaue Nil
tagesschau24 11:00 Uhr, 27.11.2017, Sabine Bohland, ARD Nairobi

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Stausee dreimal so groß wie der Bodensee

"Wir wollen uns nicht mehr ständig am Westen orientieren", sagt der Wasserkraft-Experte Tenalem Ayenew. "Es gibt immer eine nachhaltige Lösung und die sollte von uns kommen." Afrika sei ein so reicher Kontinent. "Wir haben alles Potential, um uns zu entwickeln. Wir müssen uns nur auf uns selbst besinnen. Der Staudamm wird dem Kontinent die Augen öffnen."

Hinter einer gigantischen Staumauer soll ein See entstehen, der dreimal so groß wie der Bodensee werden soll. Das Kraftwerk soll am Ende mehr als 6000 Megawatt Strom erzeugen: Das reicht für das ganze Land und sogar für den Export ins Ausland.

Balsam auf der Seele einer Nation

Für den Ingenieur und Projektmanager Simegnew Bekele ist der Damm so etwas wie ein modernes Weltwunder - und Balsam auf der Seele einer Nation, die in seinen Augen bisher von der Welt verkannt wurde. "Wir wissen, dass wir ein armes Land sind", sagt er. "Aber wir brauchen keinen, der uns das immer wieder sagt. Wir wissen das selbst und sind wild entschlossen, aus dieser Armut herauszukommen."

Internationale Kredite gab es für das Mammutprojekt keine - wohl auch um dem Konflikt zwischen den Nil-Anrainern aus dem Weg zu gehen. Sogar die Chinesen hielten sich raus, obwohl sie ansonsten fast überall in Afrika Geschäfte mit Krediten machen.

Das meiste Wasser steht anderen zu

Ein Abkommen von 1959 spricht Äthiopien nur einen Bruchteil des Nilwassers zu. Mehr als 90 Prozent dürfen laut dieser Vereinbarung Ägypten und Sudan nutzen. Entsprechend feindlich stehen die beiden Länder dem Projekt gegenüber - vor allem Ägypten. Der äthiopische Staat finanzierte das Prestigeprojekt "Großer Damm der Äthiopischen Wiedergeburt" schließlich selbst. Die Bevölkerung musste ihren Teil zum Fünf-Milliarden-Dollar-Damm beitragen, in Form von Monatsgehältern oder Spenden - alles ganz "freiwillig" natürlich.

"Das Projekt wird auch anderen zugutekommen, ebenso wie uns in Äthiopien", erläutert Ingenieur Simegnew Bekele. "Der Nil ist ein historischer Fluss. Wir haben eine enge Beziehung zu den Anrainer-Ländern. Es sind unsere Brüder und Schwestern. Deshalb werden wir dieses Projekt verantwortungsvoll und professionell umsetzen."

Nachbarn haben Angst

Daran zweifeln der Sudan und Ägypten allerdings gewaltig. Wie sehr die Länder beeinträchtigt werden, hängt vor allem davon ab, wie schnell der Stausee gefüllt wird. Experten sind sich uneins darüber, welche Auswirkungen durch Äthiopiens Megadamm entstehen werden. Flussabwärts fürchtet man, bald auf dem Trockenen zu sitzen. Doch für Äthiopiens ehrgeizige Regierung ist GERD nichts anderes als ein modernes Weltwunder.

Nil in Äthiopien | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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An seinem Oberlauf in Äthiopien ist der Blaue Nil - so der Name des östlichen Quellflusses - noch ein eher kleines Flüsschen.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 26. November 2017 um 19:20 Uhr.

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