Gewalt gegen Minderheit in Myanmar Radikale Buddhisten greifen Muslime an

Stand: 26.08.2013 12:49 Uhr

In Myanmar ist es erneut zu Gewalt gegen Muslime gekommen. Wütende Buddhisten setzten Dutzende Häuser in Brand, nachdem ein Muslim wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Buddhistin festgenommen worden war. Die Spannungen zwischen den Religionsgruppen gefährden inzwischen sogar den Demokratisierungsprozess.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

In dem kleinen Ort Kanbalu im Nordwesten Myanmars wird aufgeräumt. Dutzende Häuser sind niederbrannt, Bewohner des zerstörten Straßenzuges versuchen, aus den rauchenden Resten noch Brauchbares zu bergen. Am Wochenende hatten Buddhisten, zeitweise eine wütende Menge von bis zu Tausend Menschen, darunter auch Mönche, in Kanbalu randaliert und Brände in den muslimischen Vierteln des Ortes gelegt.

Am Tag nach dem Gewaltausbruch in Kanbalu im Nordwesten Myanmars sichert die Polizei das muslimische Viertel. (Bildquelle: AFP)
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Am Tag nach dem Gewaltausbruch in Kanbalu sichert die Polizei das muslimische Viertel.

Zuvor hatten Polizisten einen jungen muslimischen Mann festgenommen, der verdächtigt wird, eine buddhistische Frau vergewaltigt zu haben. Daraufhin zog eine Gruppe von Buddhisten vor die örtliche Polizeiwache und forderte die Herausgabe des Verdächtigen. Als die Polizei dies verweigerte, zog der Mob randalierend durch den Ort.

Tin Myint ist Muslim. Er sagt: "Es hat in den vergangenen Monaten immer wieder kleine Probleme zwischen Muslimen und Buddhisten gegeben, obwohl wir eigentlich seit Jahren hier friedlich zusammenleben."

Seit Monaten religiös motivierte Unruhen

In Myanmar kommt es seit Monaten zu religiös motivierten Unruhen, bei denen vor allem radikale Buddhisten gewaltsam gegen die muslimische Minderheit im Land vorgehen. Sie werden durch eine kleine Gruppe mit dem Namen 969 unter Führung des besonders aggressiven Mönchs Ashin Wirathu angestachelt.

In Kanbalu wurden am Wochenende nach Polizeiangaben zwölf Buddhisten wegen der Gewalttaten festgenommen, damit aber ist das Problem keineswegs gelöst.

Erneut relgiöse Gewalt in Myanmar
U. Schmidt, ARD Singapur
26.08.2013 11:56 Uhr

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Win Naing steht vor den Trümmern seines Hauses

"Ich bin sehr traurig", sagt der muslimische Bauer Win Naing vor den Trümmern seines Hauses. "Es wäre ja noch zu verstehen gewesen, wenn es direkt gegen den Verdächtigen gegangen wäre.  Aber gegen uns. Wir wissen doch selber nicht, wer für die Gewalt, für die Vergewaltigung verantwortlich ist."

Ein muslimischer Mann sucht in Kanbalu im Nordwesten Myanmars verbliebene Habseligkeiten in den Trümmern. (Bildquelle: dpa)
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Ein muslimischer Mann sucht verbliebene Habseligkeiten in den Trümmern. Sein Haus wurde von einem buddhistischen Mob niederbrannt.

Bei den scheinbar religiös motivierten Konflikten in Myanmar geht es vor allem auch um Macht und Einfluss, den sich buddhistische Mönche im schnell fortschreitenden Reformprozess des Landes sichern wollen.

In der vergangenen Woche war der Wagen des UN-Menschenrechtsbeauftragten für Myanmar, Tomas Quintana, von Buddhisten angegriffen worden. Quintana hatte sich für die Rechte der muslimischen Minderheit und für einen Dialog zwischen beiden Gruppen eingesetzt.

Hintergrund: Birma, Burma oder Myanmar?

Das südostasiatische Land wird unterschiedlich benannt. In Deutschland war bis Ende der 1980er-Jahre durchgehend die Bezeichnung Birma üblich, im Englischen hieß es Burma. 1989 beschloss die Militärjunta eine Namensänderung: Seither lautete der offizielle Name Union Myanmar. Im Oktober 2010 wurde der Name noch ein weiteres Mal geändert. Das Land heißt jetzt offiziell Republik der Union von Myanmar.

Das Auswärtige Amt in Berlin verwendet den Namen Myanmar. Die Tagesschau und tagesschau.de verwenden inzwischen ebenfalls diesen Namen.

Dieser Beitrag lief am 26. August 2013 um 09:24 Uhr auf RBB Info.

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