Buddhisten gegen Muslime in Myanmar Kriminelle Aktion oder religiöser Konflikt?

Stand: 25.03.2013 09:52 Uhr

Nach den schweren Ausschreitungen in Zentral-Myanmar (dem früheren Birma) mit offiziell 32 Toten sind derzeit alle Beteiligten bemüht, für Ruhe zu sorgen. Bei den Straßenschlachten zwischen Buddhisten und Muslimen in Meiktila rund 500 Kilometer nördlich von Rangun waren ganze Stadtviertel niedergebrannt worden. Nun machte sich der UN-Sondergesandte Vijay Nambiar ein Bild über die Lage in der zerstörten 100.000-Einwohner-Stadt.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Einheiten des Militärs patroullieren durch Meiktila, in dem ganze Stadtviertel bis auf die letzten Mauerreste niedergebrannt sind. Nach offiziellen Angaben lokaler Behörden sind 38 Häuser von Muslimen sowie fünf Gebäude, die Buddhisten gehörten, in Brand gesetzt worden. Ganz offensichtlich aber liegt viel mehr in Meiktila in Schutt und Asche.

UN-Sondergesandte Vijay Nambiar bei seinem Besuch in Meiktila (Bildquelle: dpa)
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Fordert die Gesellschaft zu einem friedlichen Zusammenleben auf: der UN-Sondergesandte Nambiar

Das stellte auch der UN-Sondergesandte Vijay Nambiar bei seinem Besuch am Wochenende fest. Der Konflikt, ausgelöst durch einen Streit in einem Goldschmuckladen, hat einen religiösen Hintergrund.

Lange verdeckte Ressentiments zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit brachen auf, als Hunderte Menschen auf den Straßen der Stadt aufeinander losgingen. Vijay Nambiar bilanziert: "Wir können feststellen, dass sich ganz offensichtlich viele Menschen hier unsicher fühlen, weil ihre Häuser und Moscheen zerstört wurden. Alle hier sind jetzt aber gut versorgt. Das Ganze war eine kriminelle Aktion, wir sollten sie nicht zu einem Problem der Gesellschaft machen. Die Gesellschaft hier muss lernen, friedlich zusammenzuleben."

Vermutlich mehr als 32 Tote

Offiziell 32 Tote, wahrscheinlich viel mehr, und Tausende, die vorerst geflüchtet sind: Die Lage in Meiktila hat sich noch lange nicht normalisiert. Dies stellt für Myanmar auf dem Weg zur Demokratie eine große Gefahr dar.

Bemühen um Ruhe in Meiktila
U. Schmidt, ARD Singapur
25.03.2013 09:15 Uhr

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Religiöse Konflikte - eine Gefahr für die Demokratie

Im vergangenen Jahr waren bei Gewaltausbrüchen zwischen Buddhisten und der muslimischen Rohingya-Minderheit im Westen Myanmars 180 Menschen getötet worden. Religiöse Spannungen könnten zur größten Gefahr für die in Myanmar notwendige Aussöhnung aller Volksgruppen werden.

Soldaten beseitigen Trümmer in Meiktila nach den Ausschreitungen. (Bildquelle: dpa)
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Präsident Thein Sein hatte den Ausnahmezustand verhängt und das Militär nach Meiktila beordert.

Am Freitag hatte Myanmars Präsident Thein Sein den Ausnahmezustand ausgerufen, viele Anwohner Meiktilas - wie etwa Daw Khin Mya - fühlen sich nun besser. Einer von ihnen sagte: "Ich glaube, dass ich jetzt in Sicherheit bin und meinen Laden wieder öffnen kann. Draußen patroullieren überall Soldaten. Die Tage vorher war es sehr, sehr gefährlich."

Die religiösen Führer Meiktilas haben inzwischen gemeinsam zu einem friedlichen Miteinander aufgerufen. Die offizielle Sichtweise lautet, dass die schweren Ausschreitungen einen kriminellen Hintergrund haben.

Erste Festnahmen

Es hat erste Festnahmen gegeben, die Polizei ermittelt. Eine Erkenntnis, die auch schon im vergangenen Jahr während der Gewalt in der Rakhine-Provinz im Westen Myanmars überrascht hatte, aber bleibt: Auch Buddhisten, sogar Mönche, beteiligten sich an Straßenschlachten und  Brandstiftungen.

Hintergrund: Birma, Burma oder Myanmar?

Das südostasiatische Land wird unterschiedlich benannt. In Deutschland war bis Ende der 1980er-Jahre durchgehend die Bezeichnung Birma üblich, im Englischen hieß es Burma. 1989 beschloss die Militärjunta eine Namensänderung: Seither lautete der offizielle Name Union Myanmar. Im Oktober 2010 wurde der Name noch ein weiteres Mal geändert. Das Land heißt jetzt offiziell Republik der Union von Myanmar.

Das Auswärtige Amt in Berlin verwendet den Namen Myanmar. Die Tagesschau und tagesschau.de verwenden inzwischen ebenfalls diesen Namen.

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