Rohingya klettern aus einem Boot an einem Flußufer in Bangladesch. | Bildquelle: AFP

UN zu Rohingya in Myanmar "Musterbeispiel für ethnische Säuberung"

Stand: 11.09.2017 13:55 Uhr

Die Vereinten Nationen haben die Gewalt gegen die verfolgte Minderheit der Rohingya in Myanmar scharf kritisiert. Auch der Dalai Lama äußerte sich zu dem Konflikt zwischen Buddhisten und Muslimen: Buddha hätte den Rohingya geholfen.

Die UN haben die Armee-Angriffe auf die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar als "ethnische Säuberung" kritisiert. Da die Regierung in Myanmar Menschenrechtsbeobachtern den Zugang verweigere, sei ein umfassendes Bild der Lage vor Ort kaum möglich, sagte UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Allen Erkenntnissen nach sei die Situation aber ein "Musterbeispiel für ethnische Säuberung".

Auch der Dalai Lama äußerte sich. "Die Menschen, die Muslime schikanieren, sollten an Buddha denken", sagte das geistliche Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. "In einer solchen Situation hätte Buddha definitiv diesen armen Muslimen geholfen." Es sei "sehr traurig", fügte der Friedensnobelpreisträger hinzu.

Bundesregierung: "Große Sorge"

Auch die Bundesregierung zeigte sich besorgt: "Wir rufen die Regierung Myanmars auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden für alle Bevölkerungsgruppen", sagte Sprecher Steffen Seibert. Dies erwarte die Bundesregierung "gerade auch" von Suu Kyi. Die Regierung rufe alle Konfliktparteien zu einer friedlichen Lösung auf. Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Entwicklungshilfe erklärte, dass wegen des Konfliktes aktuell alle Projekte ihres Hauses im Bundesstaat Rakhine ruhten.

Neue Gewaltwelle Ende August

Im seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen Rohingya-Rebellen und Regierungsarmee im Bundesstaat Rakhine in Myanmar waren Ende August neue Kämpfe entbrannt - Streit gibt es darüber, ob die Gewalt von Armee oder Rebellen ausging. In den vergangenen Wochen wurden Hunderte Menschen getötet. Nach UN-Angaben flohen etwa 313.000 Rohingyas ins Nachbarland Bangladesch. Geflüchtete berichteten, dass ihre Häuser niedergebrannt und Familienangehörige erschossen worden seien. Die Aufständischen haben inzwischen eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, um Helfern Zugang zu gewähren.

Hütten eines Flüchtlingscamps in Bangladesch
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Flüchtlingscamp der Rohingya in Bangladesch.

Die Regierung in Bangladesch stellte den Flüchtlingen unterdessen weitere Grundstücke zur Verfügung. Auf den knapp 8100 Quadratmetern nahe dem Flüchtlingslager Kutupalong sollten zeitweise Unterkünfte für Neuankömmlinge errichtet werden, teilte das Innenministerium mit. Die Flüchtlinge sollten jetzt auch registriert werden. Am Dienstag wollte Ministerpräsidentin Scheikh Hasina Flüchtlinge besuchen.

Überfüllte Flüchtlingslager

"Die beiden Flüchtlingslager, in denen wir arbeiten, sind mehr als überfüllt", sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks, Vivian Tan. Neu ankommende Menschen würden in Schulen untergebracht oder seien in Behelfslagern an Straßen oder auf Feldern zusammengepfercht, wo es keine Toiletten gebe. Auch Nahrung, sauberes Waser und medizinische Hilfe seien knapp. Viele Menschen kommen nach tagelangen Fußmärschen durch den Dschungel traumatisiert und hungrig an, wie Hilfsorganisationen berichten.

Die muslimischen Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. In Myanmar leben sie als Staatenlose ohne Rechte. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder große Fluchtbewegungen der Rohingya.

Ethnische Säuberung - Das Drama um die Rohingya
Lena Bodewein, ARD Singapur
11.09.2017 16:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. September 2017 um 11:00 Uhr.

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