Angehörige der Rohingya-Minderheit im Niemandsland zwischen Myanmar und Bangladesch | Bildquelle: REUTERS

Gewalt in Myanmar Tausende Muslime fliehen nach Bangladesch

Stand: 30.08.2017 11:38 Uhr

Immer mehr muslimische Rohingya fliehen vor den Kämpfen im Nordwesten von Myanmar nach Bangladesch. Viele von ihnen sind krank und erschöpft, teilte die Internationale Organisation für Migration mit. Bangladesch will jedoch keine Flüchtlinge mehr aufnehmen.

Bis zu 18.000 Rohingya sind in der vergangenen Woche vor der Gewalt in Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Hunderte Angehörige der muslimischen Minderheit sitzen im Niemandsland zwischen den beiden Staaten fest, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Es sei kaum möglich, ihre genaue Zahl zu schätzen. Viele von ihnen seien krank und erschöpft.

Die Rohingya - unterdrückt, verfolgt und auf der Flucht

Die Rohingya gehören laut UN zu den am stärksten verfolgten Minderheiten in der Welt. Allein 1,3 Millionen Muslime leben in Myanmar, dem früheren Birma. In diesem Land, in dem 51 Millionen Einwohner Buddhisten leben, werden die Rohingya nicht als ethnische Minderheit anerkannt. Sie gelten als illegale Einwanderer aus Bangladesch, als "Bengalis". Dabei leben viele schon seit Generationen in dem südostasiatischen Land. Einige Quellen datieren ihren Ursprung bis ins 7. oder 8. Jahrhundert zurück.

Der Nordwesten des mehrheitlich buddhistischen Myanmar erlebt die schwerste Gewalt seit fünf Jahren. Aufständische Rohingya griffen im Oktober Sicherheitskräfte an, das Militär reagierte mit einer Großoffensive. Seither kommt es immer wieder zu Kämpfen im Bundesstaat Rakhine, die den Exodus der Muslime verschärfen.

Schutz für Buddhisten aus Rakhine

Zugleich brachte die Regierung Tausende Buddhisten aus Rakhine in Sicherheit. Der Konflikt und der Umgang mit den rund 1,1 Millionen Rohingya werden zunehmend zur Belastung für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und ihre Regierung.

Appell der Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen verurteilten die Angriffe der Rohingya-Aufständischen, forderten aber zugleich die Regierung auf, das Leben aller Zivilisten zu schützen und gegen Diskriminierung vorzugehen.

Sie appellierten an Bangladesch, die Flüchtlinge ins Land zu lassen. Bangladesch hat seit Beginn der 1990er Jahre bereits mehr als 400.000 Rohingya aufgenommen. Die Regierung in Dhaka erklärte, man könne nicht noch mehr Menschen ins Land lassen. Sie fordert von den UN Druck auf Myanmar, den Umgang mit den Rohingya zu ändern.

Den Rohingya wird in dem südostasiatischen Land die Staatsbürgerschaft verwehrt - mit der Begründung, sie seien illegal eingewandert. Ihre Wurzeln reichen aber Hunderte Jahre zurück.

UN-Generalsekretär zur Lage in Myanmar
Udo Schmidt, ARD New York
30.08.2017 14:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2017 um 10:00 und 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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