Mercedes präsentiert in Barcelona den F015  | Bildquelle: REUTERS

Die Zukunft des Autos auf dem Mobile World Congress Virtuelle Autoschlüssel und PS-on-demand

Stand: 24.02.2016 01:51 Uhr

Am Auto der Zukunft arbeiten sowohl die großen IT-Konzerne wie Google und Apple, als auch auch die Autobauer selbst. Beim Mobile World Congress präsentieren sich unter anderem Mercedes und Ford. Porsche denkt über PS-on-demand nach.

Von Alexander Nieschwietz, WDR, zzt. in Barcelona

Eine gute Zeit in einer schummrigen Bar mit Freunden. Man trinkt Bier und unterhält sich laut. Währenddessen ist das eigene Auto auf den Straßen der Stadt unterwegs und fährt fremde Menschen wohin sie wollen - ganz autark. Das ist eine Vision von Wilko Stark von Daimler. Er soll herausfinden, welche Funktionen in vielen, vielen Jahren Kunden dazu bringen könnten einen Neuwagen zu kaufen.

Eine von Starks Ideen: Mit dem eigenen Auto dann Geld verdienen, wenn man es nicht braucht. Er erläutert: "Wenn das selbstfahrende Auto sie zu ihrem Ziel gebracht hat und sie es nicht mehr benötigen, könnte es in der Zwischenzeit andere Menschen von A nach B fahren und ihnen so Geld bringen."

Klingt nach keiner schlechten Idee, denn eine Untersuchung von Shell ergab: Der durchschnittliche Autobesitzer benutzt sein Auto nur in fünf Prozent der Zeit, in der es ihm zur Verfügung steht. In restlichen 95 Prozent steht es herum.

Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton begutachtet einen Mercedes beim Mobile World Congress | Bildquelle: dpa
galerie

Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton sollte in Barcelona für noch mehr Aufmerksamkeit für Mercedes sorgen.

Ein virtueller Autoschlüssel für Freunde

Bis Autos Menschen autark fahren können, wird es noch dauern. Auf dem Mobile World Congress hat Ford eine Möglichkeit präsentiert, mit der man sein Auto schon dieses Jahr mit anderen Menschen teilen kann. Nämlich per App, erklärt Jörg Ulrich von Ford: "Es wird dann interessant, wenn man damit Schlüssel auch virtuell teilen kann. Dann kann ich meinen Schlüssel in der Familie herumreichen und jeder hat einen Autoschlüssel über das Handy in der Hosentasche."  

Denkbar ist auch, einem Freund für ein paar Stunden Zugriff zum Auto zu geben. Man würde ihm einen virtuellen Schlüssel schicken, der beispielweise zwei Stunden lang gültig ist. In dieser Zeit kann er das Auto über sein Smartphone öffnen - ein physischer Schlüssel ist nicht nötig.

Und der Datenschutz?

Ford-CEO Mark Fields beim Mobile World Congress in Barcelona | Bildquelle: AFP
galerie

Ford-Chef Fields setzt auf den Ford Pass für ein vernetztes Auto.

Das System von Ford nennt sich Ford Pass - und es kann noch mehr. Nämlich das Auto zur Kreditkarte auf vier Rädern machen. Jörg Ulrich sagt, so müsse in Zukunft niemand mehr eine Parkuhr füttern, denn das System weiß viel. Das Fahrzeug registriere, wenn es in einer gebührenpflichtigen Haltebucht stehe und nehme die Zahlung autonom vor.

Für dieses kleine Mehr an Komfort zahlt man auch mit seinen Daten: Ford Pass verknüpft Bankdaten, persönliche Daten und das Kennzeichen des Autos. Auseinandersetzungen mit Datenschützern sind bei der Markteinführung in Deutschland Ende des Jahres so gut wie vorprogrammiert.

Mehr Motorleistung auf Abruf

Datenschutzrechtlich weniger bedenklich ist eine Vision von Porsche-Technik-Vordenker Michael Wanzek. Er kann sich Autos vorstellen, deren Leistung variabel buchbar ist. Man kann sagen: PS-on-Demand.

Wanzek erklärt: "Der Motor kann 500 PS, meist verkaufen wir ihn offiziell aber mit 450 PS. Wenn sie jetzt für ein Wochenende mal mehr haben wollen, bestellen sie die PS einfach dazu." Natürlich über das Internet. Ein System im Auto schaltet dann die gewünschten Pferdestärken für den entsprechenden Zeitraum frei.

Einige Fahrer werden sich ärgern, dass man mit einem gedrosselten Wagen unterwegs ist, aber Porsche hat etwas davon: Das Auto fühlt sich für den Fahrer in verschiedenen Situationen unterschiedlich an - es bleibt also aufregend, den Wagen zu fahren. Beim Neukauf soll so die Chance größer werden, dass es wieder ein Porsche wird.

Geduld, Geduld

Trotzdem ist das maximal eine nette Idee, die zeigt: Auf dem Mobile World Congress fehlen die großen Innovationen beim Thema Auto der Zukunft. Es scheint, als würde die Automobilbranche zunächst auf das selbstfahrende Auto warten. Doch bis dieses auf den Markt kommen kann muss das Mobilfunknetz schneller werden. Und das wird noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Die nötige Mobilfunktechnik 5G kommt frühestens 2020 nach Deutschland.

Darstellung: