Die US-UN-Botschafterin Samantha Power  | Bildquelle: AFP

Gleichberechtigung für Homosexuelle Broadway-Diplomatie gegen Vorurteile

Stand: 03.03.2016 10:45 Uhr

Die Vereinten Nationen sind beim Thema Gleichberechtigung von Homosexuellen gespalten. Mehr als 50 Länder geben contra. Die US-Botschafterin setzt dagegen auf Broadway-Diplomatie. Sie lud ins Musical ein, in eine Geschichte über eine schwul-lesbische Familie.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Fun Home" ist ein Broadway Musical über die Geschichte eines schwulen Vaters, der sich nie geoutet hat und über eine Tochter, die entdeckt, dass sie lesbisch ist. Und mitten im Publikum sitzen auf Einladung der amerikanischen UN-Botschafterin Samantha Power 15 weitere UN-Botschafter, darunter viele aus Ländern, in denen Homosexualität bis heute unter Strafe steht und verfolgt wird.

Mit persönlichen Geschichten gegen Vorurteile

Es war gewissermaßen Broadway-Diplomatie, auf die die amerikanische Botschafterin setzte. Powers Motto: "Nur wenn wir persönliche Geschichten hören, verstehen wir offenbar, das es notwendig ist, gleiche Rechte für Schwule, Lesbische, Transgender und bisexuelle Menschen einzuklagen." Power hatte die Tickets unter anderem dem russischen UN-Botschafter sowie seinen Kollegen aus Namibia, Vietnam und Uruguay geschenkt.

Eine Art musikalische Botschaft zu einem Thema, dass auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon seit langem am Herzen liegt: "Wir sollten alle empört sein, wenn Menschen Diskriminierung, Verfolgung und sogar den Tod fürchten müssen, nur weil sie schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind. In über 75 UN-Mitgliedstaaten gilt Homosexualität bis heute als Straftat."

Der schwierige Kampf für Gleichberechtigung

Als UN-Generalsekretär Ban 2014 ankündigte, dass die Vereinten Nationen künftig allen gleichgeschlechtlichen Paaren unter den UN-Mitarbeitern die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren einräumen, hatten Russland, Saudi-Arabien, China, Iran, Indien, Ägypten, Pakistan und 35 andere Nationen versucht, genau das zu verhindern. Gleichberechtigung für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender sei eine der großen vernachlässigten Herausforderungen für die Menschenrechte in unserer Zeit, sagt Ban.

Erst im vergangenen Monat hatten 54 Staaten der afrikanische Gruppe sowie eine von Weißrussland, Ägypten und Katar angeführte Organisation namens "Freunde der Familie" in einem Brief Ban aufgefordert, sechs UN Sonderbriefmarken zum Thema Gleichberechtigung von Homosexuellen zu verhindern.

Der Musicalbesuch am Broadway auf Einladung der USA war eine etwas andere Art der UN-Diplomatie. Die amerikanische Botschafterin Power bedankte sich anschließend bei den Darstellern von "Fun Home". "Sie", sagte Power zu den Sängern, "erreichen die Herzen auf eine Art, wie wir es mit Resolutionen nie schaffen." Einige UN-Botschafter erklärten, sie hätten vorher nicht gewusst, worum es in dem Musical eigentlich geht.

Diplomatie in den USA: Broadway-Stück gegen Homophobie
G. Schwarte, ARD New York
03.03.2016 10:03 Uhr

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