Trump-Brettspiel im Museum des Scheiterns | Bildquelle: AP

Museum des Scheiterns Schöner Scheitern in Schweden

Stand: 08.06.2017 03:49 Uhr

Scheitern als Chance - klingt wie ein abgedroschener Ratgeber, ist aber Motto eines neuen Museums. Dort wird ausgestellt, was sonst auf der Müllhalde der Geschichte landet. Und auch Herr Trump hat seinen Platz.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Das Gesicht auf einem der Ausstellungsstücke kennen wir - und die meisten mögen es nicht. Auch nicht Museumsdirektor Samuel West. Es ist ein billiges Brettspiel aus den späten 1980er Jahren, Titel: "Trump, the Game".

"Ein schreckliches Spiel, ein schlichter langweiliger Monopoly-Abklatsch. Du musst kein Experte sein, um zu sehen, dass es ein Flop ist", so der Museumsdirektor.

Direktor West in seiner Ausstellung | Bildquelle: AP
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Will den Menschen Mut machen - Museumsdirektor West mit einem gefloppten grünen Ketchup.

Cola mit Kaffeegeschmack und pinke Schreiber

So wie ein Parfüm, mit dem der Motorrad-Hersteller Harley Davidson auf dem Bauch landete, ein kombiniertes Handy-Spielgerät namens "N-Gage", mit dem Nokia vergeblich versucht hat, seinen Absturz zu stoppen oder das am Markt gescheiterte Betamax-Videoformat aus dem Hause Sony. Dazu gibt es noch eine Plastikmaske, die Gesichter schöner machen sollte, Cola mit Kaffeegeschmack oder pinke Schreiber extra für Frauen.

Eine Maske, die Frauen schöner machen sollte. | Bildquelle: AP
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Kein Star-Wars-Relikt, sondern eine ausgemusterte Schönheits-Maske.

"Für Neues müssen wir Fehlschläge hinnehmen"

Insgesamt etwa 70 Exponate sind in dem kleinen und ganz und gar unspektakulären Museum zu sehen. Allesamt Zeugnisse des Scheiterns und Träger einer Botschaft. "Ich möchte, dass unsere Besucher eines erkennen: Wenn wir etwas Neues wollen, müssen wir Fehlschläge hinnehmen." Das eine gebe es nicht ohne das andere, betont West. "Und dann möchte ich, dass Organisationen besser aus Fehlern lernen, als sie immer nur unter den Teppich zu kehren."

Klingt alles prima. Scheitern als Chance, schöner Scheitern - hören wir nicht zum ersten Mal und sehen wir auch nicht zum ersten Mal. Aber West hat es geschafft, das Thema erneut groß zu machen, mit einem klitzekleinen Museum. Clever, der Mann. Er hat eine Nase für Dinge, die die Menschen bewegen. Und er spendet den Besuchern Trost: "Wenn sie sehen, dass selbst große Unternehmen scheitern, ist es nicht so schlimm, dass auch wir als Individuen, als Menschen scheitern können, wenn wir etwas Neues probieren."

"Finanziell ist das hier schon jetzt ein Flop"

Die Frage ist nur, braucht es für diese dann doch eher banale Erkenntnis ein eigenes Museum? Vielleicht nicht, vielleicht aber doch? Das wird sich zeigen. Wie gesagt, der Rummel vor der Eröffnung war groß, West macht sich allerdings keine Illusionen, was die Zukunft dieses Experiments angeht: "Finanziell ist das hier schon jetzt ein Flop. Wir brauchen sehr viele Besucher, um nicht pleite zu gehen."

Und wenn doch? Egal, das ist anderen schließlich auch passiert. Donald Trump zum Beispiel. Der hat ja nicht nur das in Helsingborg gezeigte Brettspiel verbrochen, sondern ganze Hotel- oder Kasinoprojekte in den Sand gesetzt. Und damit hat er anscheinend nur geübt… 

Museum of Failure in Schweden eröffnet
C. Schmiester, ARD Stockholm
08.06.2017 01:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 07. Juni 2017 um 05:37 Uhr.

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