Seitenueberschrift
Antisemitische Äußerungen des ägyptischen Präsidenten
"Nachfahren von Affen und Schweinen"
Die Äußerungen sind keine drei Jahre alt. Ein Video aus dem Jahr 2010 zeigt Mohammed Mursi, den heutigen Präsidenten Ägyptens, wie er in einem Interview antisemitische Stereotype benutzt und Juden als "Nachfahren von Affen und Schweinen" beschimpft. Und das Interview war kein Einzelfall.
Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Als Mohammed Mursi Mitte 2010 dieses Interview gibt, wird er nicht im Traum geglaubt haben, dass er knapp zwei Jahre später der Präsident Ägyptens ist.
Entsprechend offen, direkt und undiplomatisch sind seine Äußerungen. "Entweder, man akzeptiert die Zionisten und das, was sie wollen, oder es gibt Krieg. Und das wissen die Zionisten, diese Besetzer Palästinas, diese Blutsauger und Kriegstreiber, diese Nachfahren von Affen und Schweinen."
Das Interview wurde im September 2010 ins Internet gestellt. Mursi spricht in ihm kein einziges Mal von den Juden. Aber das Bild von den Affen und Schweinen taucht im Koran auf. An mehreren Stellen wird erzählt, dass Gott Juden, die das Sabbatgebot missachteten in "ausgestoßene Affen" verwandelte. An anderer Stelle heißt es, Gott habe aus jenen, denen er zürnte, "Affen und Schweine gemacht".
Am muslimischen Stammtisch ist es deshalb Gemeinplatz, die Juden als Nachfahren von Affen und Schweinen zu bezeichnen. Es ist genau dieses antijüdische Stereotyp, das Mursi hier benutzt.
Die antisemitischen Äußerungen von Ägyptens Präsident Mursi
J. Stryjak, ARD Kairo
17.01.2013 12:45 Uhr
"Wir haben uns für den Widerstand entschieden"
"Die Zionisten müssen aus unseren Ländern vertrieben werden", sagt er an anderer Stelle. "Die Verhandlungen mit ihnen müssen beendet werden. Es ist unsere Pflicht, den Widerstand zu unterstützen. Wir alle, die Araber, die Muslime, die Palästinenser und andere, haben uns für den Widerstand entschieden."
Gegenüber dem Fernsehsender Al-Quds TV erteilt Mursi bereits im März 2010 der Zweistaatenlösung eine Absage: "Wir fordern einen Staat für die Palästinenser auf dem gesamten Boden Palästinas. Es wird vom Frieden gesprochen und von einer Zweistaatenlösung, aber das sind Illusionen."
Und in einer Rede vor Mitgliedern der Ärztekammer der ägyptischen Provinz Al-Sharqiyya erklärt Mursi Anfang 2010: "Palästina wird nicht ohne Widerstandskampf befreit werden können. Die Zionisten müssen bekämpft werden, wo immer sie sich aufhalten. Tyrannei muss überall dort bekämpft werden, wo sie auftritt."
"Wer ist unser Feind? Die Zionisten."
Zu den Gegnern zählt Mursi auch den Westen. "Wer ist unser Feind? Die Zionisten. Wer unterdrückt uns? Die Zionisten. Wer zerstört unsere Länder, wer hasst uns? Die Zionisten. Und wer unterstützt sie dabei? Die USA, Frankreich und Europa."
Dann appelliert er eindringlich an die Zuhörer: "Meine Brüder, wir dürfen nicht vergessen, unseren Kindern und Enkelkindern den Hass auf die Zionisten und die Juden beizubringen. Mit diesem Hass müssen wir sie füttern, er muss erhalten bleiben."
Es wird Mursi schwerfallen, diese Äußerungen zu bagatellisieren. Als Präsident wirbt er inzwischen im Westen um Unterstützung. Er bekennt sich zu bestehenden Verträgen und hat in der letzten Gaza-Krise vermittelt. Er könnte seine Äußerungen zurücknehmen. Doch das wäre kaum glaubwürdig, nicht zuletzt auch bei jenen Unterstützern im eigenen Land, bei denen Hass auf Juden zum guten Ton gehört.
Im September in New York gab sich Mursi versöhnlich, er wünsche, dass die USA zum "wirklichen Freund" Ägyptens werden. Vor drei Jahren, in der Provinz Al-Sharqiyya, hörte sich das noch etwas anders an: Einer von denen, die die Zionisten unterstützen, sei Barack Obama. Der US-Präsident habe so viel gelogen, dass er keinen einzigen Buchstaben seiner Versprechen erfüllen könne.
Stand: 17.01.2013 09:43 Uhr
