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Oberster indischer Gerichtshof bestätigt Todesstrafe
Keine Gnade für den Attentäter von Mumbai
Der oberste Gerichtshof Indiens hat das Todesurteil gegen den einzigen überlebenden Attentäter der Anschläge von Mumbai im Jahr 2008 bestätigt. Der 24-Jährige habe Krieg gegen Indien geführt, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Die verhängte Todesstrafe sei angemessen.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Für Farhang Jehani ist das Urteil eine Genugtuung. Ihm gehört das bei Touristen sehr beliebte Café Leopold, das im späten November 2008 eines der ersten Ziele des Killerkommandos war. "Die Entscheidung ist ein Urteil im Namen des Volkes. Wir senden eine klare Botschaft an alle Terroristen, dass sie nicht davonkommen werden, wenn sie in Indien unschuldige Menschen töten. Es ist eine gemeinsame Botschaft der Regierung, der Justiz und des Volkes."
Keine Gnade für den Attentäter von Mumbai
S. Petersmann, ARD Neu-Dehli
29.08.2012 10:32 Uhr
Gericht spricht von "Krieg gegen Indien"
Der 24-jährige Attentäter Ajmal Kasab aus Pakistan war mit der Begründung in Berufung gegangen, dass man ihm kein faires Verfahren gegeben habe. Doch das höchste Gericht Indiens ließ sich nicht darauf ein. Kasab habe Krieg gegen Indien geführt, terroristische Handlungen begangen und unschuldige Menschen ermordet.
Die Richter wiesen seine Klage ab und bestätigten die Todesstrafe als angemessen. Kasab und neun Komplizen hatten im November 2008 in Mumbai, dem ehemaligen Bombay, ein Blutbad angerichtet und die Finanzmetropole drei Tage lang mit einer Welle von Anschlägen überzogen.
Das Terrorkommando griff unter anderem Luxus-Hotels und den Hauptbahnhof an - und tötete 166 Menschen. Kasab wurde während der Attacke auf den Bahnhof beim Morden gefilmt.
"Warum dauert das Verfahren so lange?"
Dieser Überlebende des Terrors fragt sich, warum Kasab noch lebt. "Natürlich ist Indien ein Rechtsstaat. Aber warum dauert dieses Verfahren so lange? Wir müssen solchen Terroristen doch klar machen, dass die Strafverfolgung bei solchen Verbrechen absolute Priorität hat. Aber wir verschleppen und verzögern nur, und das ist frustrierend."
Die drei Terror-Tage von Mumbai hatten auch das zerbrechliche Verhältnis der beiden Erzfeinde Indien und Pakistan schwer belastet. Indien machte von Anfang an die pakistanische Terrorgruppe Laschkar-e-Toiba für die Anschläge verantwortlich. Pakistan zögerte lange, bevor es schließlich doch zugeben musste, dass die Planung tatsächlich auf seinem Territorium erfolgt ist.
Nur der Präsident kann noch helfen
Ajmal Kasab, der einzige überlebende Attentäter, hatte im Prozess gestanden, ein Mitglied von Laschkar-e-Toiba zu sein. Jetzt kann er nur noch an den indischen Präsidenten schreiben und um Gnade bitten. Doch die Mehrheit der Bevölkerung, vor allem die Überlebenden von Mumbai, haben ihr Urteil längst gefällt. "Unsere Narben sind nach vier Jahren immer noch frisch. Wir brauchen jetzt eine schnelle Entscheidung - auch vom Präsidenten."
Seit 2004 ist in Indien kein Mensch mehr hingerichtet worden. Zwar fällen Gerichte weiter Todesurteile, aber inoffiziell gilt ein Hinrichtungsstopp.
Stand: 29.08.2012 11:09 Uhr
