Robert Mugabe | Bildquelle: REUTERS

Simbabwes Ex-Präsident Mugabe Entmachtet, aber millionenschwer

Stand: 27.11.2017 16:11 Uhr

Nach 37 Jahren ist in Simbabwe die Ära Mugabe vorbei: Der 93-Jährige ist entmachtet, ihm bleibt jedoch ein Millionenvermögen. Unklar ist, ob er wegen Korruption und der gewaltsamen Unterdrückung von Gegnern verurteilt wird.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe hat sich gern über seine Gegner lustig gemacht, die ihn politisch am Ende sahen. Dabei hat er auch mit seinen Comeback-Qualitäten geprahlt.

"Ich weiß gar nicht, wie oft ich in ihren Augen schon gestorben bin!", sagte er einmal. "Ich bin gestorben, gestorben, gestorben, sogar als Toter bin ich gestorben. Aber nie haben sie was über meine Auferstehung gesagt."

Aber eine politische Auferstehung wird es dieses Mal nicht geben. Seit einer Fernsehansprache vor gut einer Woche ist der 93-Jährige nicht mehr öffentlich aufgetreten. Niemand weiß, wie es ihm derzeit geht. Der neue Präsident Emmerson Mnangagwa hat ihm Sicherheit und Wohlergehen versprochen. Viele in Simbabwe fragen sich jedoch, was das bedeutet. Was passiert beispielsweise mit dem Familienvermögen, das er während seiner langen Amtszeit angehäuft hat?

Die Zukunft von Simbabwes Ex-Präsidenten Mugabe
Jan-Philippe Schlüter, ARD Johannesburg
27.11.2017 16:01 Uhr

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Illegal besetzte Farmen

Vor sechs Jahren veröffentlichte WikiLeaks eine Depesche der US-amerikanischen Botschaft in Harare. Darin wurde Mugabes Vermögen auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Das meiste davon sei im Ausland investiert - Gerüchten zufolge in der Schweiz, auf den britischen Kanalinseln und den Bahamas.

In Hongkong gehört ihm ein 6,5 Millionen Euro teures Anwesen. In Simbabwe besitzt seine Familie mehrere Häuser - eines davon hat 25 Zimmer und soll mehr als acht Millionen Euro wert sein. Mindestens zehn Farmen besitzt die Familie. Einige davon wurden illegal besetzt. Ihre ehemaligen weißen Besitzer wurden gewaltsam von den Farmen vertrieben. Außerdem gehört der Familie Mugabes eine riesige Molkerei. Zusammen mit anderen Firmen hat sie von millionenschweren Staatsaufträgen profitiert.

Die ehemalige First Lady, Grace Mugabe, die wegen ihrer Vorliebe für exklusive Shopping-Trips als "Gucci Grace" verspottet wird, besitzt wertvollen Diamantschmuck. Allein ein Ring, den sie zum Hochzeitstag bestellte, ist mehr als eine Million Euro wert. Die Mugabe-Söhne verprassen in Johannesburg Zehntausende von Dollar für Uhren und Edel-Champagner. Graces Sohn aus erster Ehe hat sich neulich zwei Wagen der Marke Rolls-Royce einfliegen lassen. Geschätzter Wert: mehr als 700.000 Euro.

Robert und Grace Mugabe | Bildquelle: AFP
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Grace Mugabe galt als mögliche Nachfolgerin ihres 40 Jahre älteren Ehemanns.

Straffreiheit als Gegenleistung für den Rücktritt?

Die Familie des zurückgetretenen Despoten muss also offenbar nicht darben. Deswegen fordert der Oppositionspolitiker und ehemalige Finanzminister Tendai Biti, dass das von Mugabe gestohlene Vermögen aus dem Ausland nach Simbabwe zurückgeholt werden muss.

Auch die Frage einer möglichen Immunität für Mugabe wird in Simbabwe gerade ausgiebig diskutiert. Viele glauben, dass Mugabe als Gegenleistung für seinen Rücktritt Straffreiheit zugesichert wurde. Lloyd Kuveya von Amnesty International hält das für problematisch: "Wir wollen, dass er Verantwortung übernimmt", erklärt er seine Kritik an dieser möglichen Vereinbarung. "Für all die Grausamkeiten und Menschenrechtsverletzungen, die während der Mugabe-Herrschaft verübt wurden. Es darf keine Straffreiheit geben. Nur dann können die Opfer dieses Kapitel schließen und ihre Leben weiterleben. Die Menschenrechtsverletzungen müssen vor ein Gericht - egal ob national, regional oder international." 

"Auch wenn er viel vermasselt hat, verdient er Respekt."

Viele Simbabwer allerdings scheinen nicht dieser Meinung zu sein. Obwohl sie jahrzehntelang unter dem eisernen Griff Mugabes gelitten haben, obwohl sie in einem Klima der Angst leben mussten, obwohl sie täglich für ihren Lebensunterhalt kämpfen mussten, sinnt die Mehrheit der Simbabwer offenbar nicht auf Rache und hätte kein Problem damit, wenn Mugabe straffrei davonkäme.

"Ich denke, eine Immunität für den Präsidenten, den ehemaligen Präsidenten, wäre in Ordnung", sagt ein Mann in Harare. "Er hat viel für die Befreiung unseres Landes getan. Auch wenn er am Ende viel vermasselt hat, verdient er ein wenig Respekt."

Ein anderer Passant schließt sich dieser Meinung an. "Wir wollen nicht, dass ihm was Schlimmes passiert, weil er für dieses Land gekämpft hat. Wir alle machen Fehler. Er ist alt, er sollte seine Ruhe bekommen. Es waren die Leute um ihn herum, die einen schlechten Einfluss auf ihn hatten."

Ein Dritter schlägt vor, Mugabe möge sich im Fernsehen an die Nation wenden. "Dann könnte er sich entschuldigen."  

Mugabes Geburtstag künftig Feiertag

Fast zwei Wochen nach seiner Entmachtung ist der Geburtstag von Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe zum Feiertag erklärt worden. Die Staatszeitung "The Herald" berichtete, dass der 21. Februar künftig als "Robert Mugabe Nationaler Jugendtag" gelten soll.
In seiner Antrittsrede hatte Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa seinen umstrittenen Vorgänger als "Vater der Nation" gewürdigt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 27. November 2017 um 13:30 Uhr.

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