Landesweiter Jubel nach Mubarak-Rücktritt

Landesweiter Jubel nach Mubarak-Rücktritt Ägypten liegt sich in den Armen

Stand: 12.02.2011 03:12 Uhr

Ägypten im Freudentaumel: Überall im Land feiern die Menschen den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak. Ausgelassenheit herrscht seit dem Nachmittag vor allem auf dem Tahrir-Platz in Kairo, der in den vergangenen zweieinhalb Wochen zum Zentrum der Protestbewegung geworden war. Zehntausende Menschen lagen sich bis in den frühen Morgen in den Armen, schwenkten Fahnen, ließen Feuerwerkskörper aufsteigen und sangen. "Das Volk hat das Regime gestürzt", skandierten die Menschen. Auf dem Platz wurde ein riesiges Poster ausgerollt mit der Botschaft: "Eilmeldung: Das Volk hat das Regime gestürzt."

Einige auf dem Platz eingesetzte Soldaten ließen sich von der Feierlaune anstecken und wurden von der jubelnden Menge auf den Schultern getragen. Der Demonstrant Al al Tajab erinnerte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP aber auch an die Menschen, die bei Zusammenstößen mit der Polizei und Mubarak-Anhängern getötet wurden: "An alle Märtyrer: Das ist Euer Tag!"

Die Barrikaden und Kontrollpunkte rund um den Platz wurden abgebaut. Via Twitter wurde heute zum "Tag des Aufräumens" erklärt. Der Tahrir-Platz, der ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Kairos ist, soll wieder hergerichtet werden.

Vor dem Präsidentenpalast im Stadtteil Heliopolis machten feiernde Menschen das Victory-Zeichen und riefen: "Seid glücklich, Ägypter, heute ist ein Festtag." Auch in vielen anderen Städten des Landes strömten die Menschen zu Freudenkundgebungen zusammen. Vermutlich feierten landesweit Millionen Menschen die Abdankung Mubaraks.

Im Staatsfernsehen gibt der ägyptische Vizepräsident Suleiman den Rücktritt von Präsident Mubarak bekannt. | Bildquelle: dpa
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Vizepräsident Suleiman gab den Rückzug Mubaraks im Staatsfernsehen bekannt.

Zehntausende Menschen drängen sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo. | Bildquelle: AFP
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"Das ist Euer Tag!" - Zehntausende Menschen drängen sich auf dem Tahrir-Platz.

Mubarak flieht nach Scharm al Scheich

So fand der Tag ein Ende, den wohl nur wenige Demonstranten erwartet hatten. Nach der für die Protestbewegung enttäuschenden Rede Mubaraks am Donnerstag hatte sie zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

Es wurde ein Tag der Freude: Am späten Nachmittag erklärte Vizepräsident Omar Suleiman mit versteinerter Miene im staatlichen Fernsehen, Mubarak sei zurückgetreten und habe die Führung des Landes in die Hände der Streitkräfte gelegt. Ein Militärrat werde die Amtsgeschäfte übernehmen. Zum Zeitpunkt der Rede hatte sich Mubarak mit seiner Familie bereits in den Badeort Scharm al Scheich bringen lassen.

Das Militär übernimmt die Macht

Die Armee werde den Willen des Volkes erfüllen, verkündete ein Sprecher anschließend, ohne Details zu nennen. Mögliche Termine für Parlaments- und Präsidentenwahlen wurden nicht genannt. Aus Militärkreisen wurde bekannt, dass an der Spitze des neuen Rates Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantawi stehen soll. Das Gremium werde die Macht zusammen mit der Spitze des ägyptischen Verfassungsgerichts ausüben, hieß es weiter.

Unklar ist bislang, ob und welche Veränderungen es in den wichtigsten Positionen des Landes geben wird. Noch ist die alte Machtelite um Mubarak nicht von den wichtigsten Posten gewichen. Vizepräsident Suleiman und der 75-jährige Tantawi sind Vertraute Mubaraks.

Innenstadt von Kairo mit Tahrir-Platz | Karte vergrößern

Schweiz prüft Mubaraks-Konten

Unterdessen kündigte die Schweiz an, Konten des Mubarak-Clans ausfindig zu machen und dann sperren zu lassen. Eine entsprechende Verordnung sei von der Regierung erlassen worden, sagte Außenministerin Micheline Calmy-Rey. Insbesondere dürften Immobilien nicht verkauft oder überschrieben werden.

Vor kurzem war in der Schweiz die so genannte "Lex Duvalier" in Kraft getreten. Dieses Gesetz erlaubt es, Vermögenswerte ehemaliger Staats- und Regierungschefs zu konfiszieren und ohne Gerichtsurteil an deren Länder zurückzuerstatten.

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