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Ägyptens Ex-Präsident liegt im Koma
"Mubarak ist längst nicht mehr unsere Sache"
Fast stündlich gibt es neue Meldungen über den schlechten Gesundheitszustand von Ägyptens Ex-Machthaber Mubarak. Sicher ist: Die nächsten Tage werden turbulent. Noch ist der Ärger über den Obersten Militärrat nicht verflogen. Und auch das Ergebnis der Präsidentenwahl dürfte für Unruhe sorgen.
Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Spekulationen, Gerüchte und angebliche echte Informationen, die einander jedoch widersprechen: Wie ist es aber tatsächlich um den Gesundheitszustand von Ex-Diktator Hosni Mubarak bestellt? Diese Frage stellen sich viele Ägypter.
Die Nachrichtenagentur MENA zitierte "Mediziner-Kreise" aus der Klinik, in der Mubarak offenbar wegen eines Schlaganfalls behandelt wird, wonach der frühere Machthaber "klinisch tot" sei. Mitglieder des Obersten Militärrates, der Ägypten seit der Entmachtung Mubaraks im Februar 2011 beherrscht, nannten diese Aussage "Nonsens". Sie sagten aber auch, dass sich Mubaraks Gesundheitszustand verschlechtere. Er werde künstlich beatmet.
Weiterhin Spekulationen über Mubaraks Gesundheitszustand
B. Blaschke, ARD Kairo
20.06.2012 12:58 Uhr
"Wir werden ihm nicht vergeben"
Während manche Ägypter, vor allem die, die von ihrer Nähe zu Mubarak profitiert haben, um das Leben des 84-Jährigen bangen, zeigen sich andere wenig berührt: "Mubarak ist längst nicht mehr unsere Sache. Er hat uns mehr als 30 Jahre lang betrogen und die Leute sind jetzt nicht mehr überwältigt", erklärt ein Mann. Mubarak habe ein Krebsgeschwür über das Volk gebracht - "und wir werden ihm nicht vergeben".
Mubarak liegt im Koma - Ägypten blickt nach vorn
nachtmagazin 00:30 Uhr, 21.06.2012, Thomas Aders, ARD Kairo
Allerdings dürfte der Tod Mubaraks Konsequenzen für alle Menschen in der ägyptischen Hauptstadt haben. Eine Zeitung berichtet, dass im Falle des Ablebens von Mubarak möglicherweise eine zweitägige Ausgangssperre verhängt würde. Denn Mubaraks engste Verwandte bekämen das Recht eingeräumt, in Kairos Stadtteil Heliopolis eine Familienbeisetzung auszurichten. Das hieße auch, dass seine Söhne, die derzeit wegen des Vorwurfs der Korruption im Gefängnis sind, der Bestattung beiwohnen dürften.
Eine Ausgangssperre und andere Sicherheitsvorkehrungen - so die offizielle Stelle, auf die sich die ägyptische Zeitung beruft - würden garantieren, dass die Zeremonien friedlich vonstatten gehen könnten. Und falls Mubarak in den nächsten Stunden sterbe, könnte sich auch die Bekanntgabe des amtlichen Ergebnisses der Präsidentenwahl verschieben.
Hosni Mubarak: Bilder aus dem Leben des früheren ägyptischen Präsidenten
Bilder aus dem Leben des früheren ägyptischen Präsidenten
Wahlergebnis wird Unruhe auslösen
Viele "Wenn" und "Vielleicht" also, was in einem Land, in dem seit Monaten Unruhe herrscht, nicht verwunderlich ist. Es könnte allerdings ohnehin dazu kommen, dass sich die Bekanntgabe des Wahlergebnisses verzögert: Der Vorsitzende der ägyptischen Wahlkommission hat angedeutet, dass das passieren kann, da es sehr viele Einsprüche wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl gegeben habe.
Egal, wann das Wahlergebnis kommt und gleich wie es aussehen wird: Es wird sicherlich weitere Unruhe auslösen. Gestern Abend erst fanden auf dem Tahrir-Platz, auf dem im vergangenen Jahr Millionen Demonstranten gegen Mubarak demonstriert hatten, neue Proteste statt - mit Parolen gegen den herrschenden Obersten Militärrat.
Aufgerufen hatte die islamistische Muslimbruderschaft. Die revolutionäre Jugendbewegung 6. April schloss sich dem Aufruf an. Mehrere hundert Menschen demonstrierten zudem vor dem nahe gelegenen Parlamentsgebäude dagegen, dass der Militärrat die Volksvertretung geschlossen hat. Dies hatte das ägyptische Verfassungsgericht empfohlen, weil etwa ein Drittel der Sitze unrechtmäßig vergeben worden sei.
Bisher verliefen die Proteste weitgehend friedlich
"Wir sollten auf die Straßen strömen", sagt einer der ausgesperrten Muslimbrüder. Er rufe alle freien Leute dazu auf, zum Tahrir-Platz zu kommen. "Mubarak trat nach 18 Tagen zurück, der Militärrat würde das nach neun Tagen tun. Wir werden den Verkehr lahm legen, Straßen blockieren und alles unternehmen, um unsere Ziele zu erreichen", so der Mann.
Die Proteste verliefen friedlich. Vielleicht aber waren sie die Vorstufe zu einem Machtkampf zwischen den Muslimbrüdern, deren Kandidat Mohammed Mursi die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen haben könnte, und den Militärs, die ihre Macht offenbar nicht abgeben wollen.
Stand: 20.06.2012 14:01 Uhr
