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28.05.2012

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Ausland
Wie Ägyptens Militärrat Stimmung gegen Mubarak macht
Ägypten: Kampagne gegen Mubarak

Ein nützliches Hassobjekt

Ägyptens ehemaliger Präsident Mubarak wartet auf seinen Prozess, der im August beginnen soll. Mubarak kann nicht auf Milde hoffen. Denn seit seinem Sturz kann jedermann seinem Hass auf den General freien Lauf lassen. Und das nutzen Mubaraks Nachfolger gezielt aus.

Von Martin Durm, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Demonstrant in Kairo mit Mubarak-Maske (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Dieser Demonstrant zeigt deutlich, was er Mubarak wünscht: strenge Haft ]
Alles wird jetzt hervorgekramt und wie schmutzige Wäsche im Fernsehen, im Radio, in der ägyptischen Presse verbreitet: dass Hosni Mubarak allein in Sharm el Scheich vier Villen besitze und einen Palast am Roten Meer. Und dass der ägyptische Zoll kürzlich ein an den ehemaligen ägyptischen Präsidenten adressiertes Paket aus Griechenland konfiszierte, darin eine 800 Gramm schwere Silberschatulle im Wert von über 1000 Dollar. Keine Verdächtigung ist zu groß, kein Vorwurf zu klein.

Mubarak, den die staatstragenden Medien 30 Jahre lang vergötterten und hofierten, wird nun für so ziemlich alle Übel und Schlechtigkeiten verantwortlich gemacht: Korruption, Arbeitslosigkeit, Armut. Karikaturisten haben sich darauf spezialisiert, Mubarak in Sträflingskleidung unterm Galgen zu zeigen.

"Die Medien haben sich jetzt völlig auf Mubarak eingeschossen, sie heizen eine Stimmung an, mit der sie Bitterkeit und Rachegefühle schüren", klagt der Politikwissenschaftler Hassan Abu Taleb. "Dabei werden die ägyptischen Medien heute von den gleichen Leuten gelenkt wie unter Mubarak. Die gleichen Leute, die früher seine Höflinge waren, treten jetzt als seine Ankläger auf und glauben so, zu beweisen, dass sie nun echte Revolutionäre sind."

Die Kampagne wirkt

Taleb hat nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen das Mubarak-Regime gemacht. Die Lynchkampagne, die er derzeit beobachtet, ist ihm aber auch sehr zuwider. Sie zeigt jedoch Wirkung in den Straßen von Kairo. "Natürlich verdient Mubarak die Todesstrafe", ereifern sich ein paar Jugendliche, "er darf auf keinen Fall davon kommen. Früher hat man uns immer gesagt, er sei der Held des Oktoberkriegs. Aber wenn er ein Held war, warum hat er dann seinem Volk so geschadet? 30 Jahre Korruption, das war Mubarak. Er war kein Präsident, sondern ein Bandenchef."

Banner in Kairo fordert keine Vergebung für das Ehepaar Mubarak (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Keine Vergebung" - das verspricht dieses Banner dem Ehepaar Mubarak. ]
Es gibt nicht mehr viele, die für etwas Mäßigung im Umgang mit dem gestürzten Potentaten plädieren. Die, die es noch wagen, sind ausgerechnet jene, die Mubarak, als er noch an der Macht war, verfolgen, einsperren, manchmal auch foltern ließen - Menschenrechtsaktivisten wie Gamal Aid. "Mubarak muss eine faire Untersuchung und einen fairen Prozess bekommen", fordert er. "Es hat viele Verbrecher in diesem Regime gegeben. Aber wir brauchen jetzt Gerechtigkeit, keine Rache."

Prozess beginnt am 3. August

Nun warten sie in Ägypten auf den Monat August, dann soll der Prozess gegen Mubarak und seine inhaftierten Söhne beginnen. 83 Jahre ist er nun alt, bekam angeblich einen Herzinfarkt infolge der Revolution, was den Vorzug hat, dass er seine Untersuchungshaft nicht im Gefängnis verbringt, sondern im Krankenhaus von Scharm el Scheich.

Der so lange allmächtig und alterslos wirkende Mubarak ist nun zum hilflosen Objekt politischer Winkelzüge geworden. Wenn sich das Volk mit seinen Villen und Silberschatullen beschäftigt, so spekuliert der regierende Militärrat, übersieht es vielleicht die eigentlichen Probleme im postrevolutionären Ägypten: den schleppenden Reformprozess, die Wirtschaftskrise, die alten Generäle, die immer noch an der Macht sind.

Es gibt einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, geschrieben während der Münchner Sicherheitskonferenz. Darin heißt es, die ägyptische Generalität und die US-Regierung hätten sich darauf verständigt, Mubarak dem Volkszorn zu opfern, um anschließend ein stabiles Militärregime zu etablieren. Der Bericht stammt vom 5. Februar. Er zitiert zuverlässige Quellen. Er nimmt auf fast unheimliche Weise die gegenwärtige Lage in Ägypten vorweg. "Mubarak muss nun das Gefühl haben, dass ihn das Militär, zu dem er ja gehörte, an die Revolution verkauft hat", sagt der Politikwissenschaftler Abu Taleb. "Ich glaube, er hat allen Grund, Angst um seinen Hals zu haben."

Stand: 04.06.2011 12:14 Uhr
 

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