Irak Bagdad Mossul und Provinzen

Massenflucht aus irakischer Stadt Mossul Islamisten stürmen türkisches Konsulat

Stand: 11.06.2014 16:27 Uhr

Islamistische Rebellen haben nach türkischen Regierungsangaben das Konsulat der Türkei in der nordirakischen Stadt Mossul gestürmt und dabei 48 Menschen als Geiseln genommen. Unter ihnen seien der türkische Konsul, Angehörige einer Spezialeinheit, Konsulatsangestellte und mehrere Kinder, sagte ein türkischer Regierungsvertreter.

Hunderttausende Menschen auf der Flucht

Die Kämpfer der sunnitischen Organisation "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) hatten die Millionenmetropole Mossul und mehrere weitere Städte tags zuvor unter ihre Kontrolle gebracht. Seitdem sind nach Schätzungen rund 500.000 Einwohner Mossuls auf der Flucht. Die Menschen hätten ihre Wohnhäuser aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen verlassen, berichtete die Internationale Organisation für Migration (IOM). Es gebe eine "bedeutende Zahl an Opfern unter den Zivilisten". Die vier großen Krankenhäuser der Stadt seien unerreichbar, weil sie in der Kampfzone lägen. Mehrere Moscheen seien zu Lazaretten umfunktioniert worden, um die Verletzten zu versorgen.

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Die Massenflucht aus der irakischen Stadt Mossul

Flucht aus Mossul

Mehr als eine halbe Million Menschen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der Flucht aus der Region um die zweitgrößte irakische Stadt Mossul. (Bildquelle: REUTERS)

Vormarsch fortgesetzt

Über Nacht sollen ISIS-Kämpfer zudem ihren Vormarsch im Nordirak fortgesetzt haben und auch die Industriestadt Baidschi unter ihre Kontrolle gebracht haben. Aufständische seien "aufmarschiert und haben das Gerichtsgebäude sowie eine Polizeiwache im Stadtzentrum in Brand gesteckt", berichtete ein Sicherheitsvertreter dem unabhängigen Fernsehsender Al-Sumaria News. Zudem hätten die Extremisten Waffen der Streitkräfte beschlagnahmt. Baidschi liegt auf dem Weg vom Norden in Richtung Bagdad und ist wegen seiner Ölraffinerie und seines Kraftwerkes von wirtschaftlicher Bedeutung.

Islamisten nehmen zentralirakische Stadt Tikrit ein
N. Amin, ARD Kairo
11.06.2014 16:56 Uhr

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"Neue Stufe der Eskalation"

Die Einnahme einer ganzen Stadt durch Islamisten sei "eine neue Stufe der Eskalation", die auch in der Bundesregierung auf "allergrößte Sorge" stoße, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "ernstlich besorgt". Die Bedrohung, mit der der Irak konfrontiert ist, könnte nur auf der Basis der Verfassung und des demokratischen Prozesses überwunden werden, erklärte ein UN-Sprecher. Konkret rief Ban demnach die Regierung und die Führung der weitgehend autonomen Kurden zur Kooperation auf.

Die USA reagierten ebenfalls alarmiert auf die Eroberung von Iraks zweitgrößter Stadt und sagten der Regierung in Bagdad Unterstützung im Kampf gegen die radikalen Extremisten zu. Die Gruppe ISIS stelle nicht nur eine Gefahr für die Stabilität des Irak sondern für die ganze Region dar, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums.

Die ISIS gehört zu den radikalsten Sunnitengruppen, die im arabischen Raum einen Gottesstaat errichten wollen. Seit Januar kontrollieren die Milizionäre bereits Gebiete der westlichen Provinz Al Anbar und liefern sich dort heftige Kämpfe mit Regierungstruppen. Aus der Provinz sind nach UN-Angaben inzwischen mehr als 400.000 Menschen geflohen.

Die Aufständischen erstarken durch das Machtvakuum im Nachbarstaat Syrien. Sie haben dort einen Rückzugsort, gewinnen an Einfluss und haben Zugang zu Waffen. Mossul ist die zweite Stadt nach Falludscha westlich von Bagdad, die die irakische Regierung an die Islamisten verliert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Juni 2014 um 16:15 Uhr.

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