Einwohner laufen durch ihren kürzlich von irakischen Sicherheitskräften befreiten Stadtteil im Westen von Mossul. | Bildquelle: dpa

Kampf um irakische Stadt Mehr als 100 Tote bei Explosion in Mossul

Stand: 24.03.2017 02:57 Uhr

Im Irak läuft seit Wochen eine Offensive, um Mossul aus der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" zu befreien. Bei einer verheerenden Explosion im Westen der Stadt sollen mehr als 100 Zivilisten getötet worden sein.

Bei einer gewaltigen Explosion in der nordirakischen Großstadt Mossul sind Medienberichten zufolge mehr als 100 Zivilisten getötet worden. Ein irakischer General erklärte, unter Gebäudetrümmern seien 108 Leichen geborgen worden, darunter Frauen und Kinder. Der kurdische TV-Sender Rudaw spricht sogar von 230 Opfern. Die Explosion ereignete sich während der Offensive gegen die IS-Terrormiliz. Die Ursache der Explosion ist unklar.

Aktivist: Luftangriff auf Sprengstoff-Laster

Ein Aktivist mit dem Decknamen "Mosul Eye" meldete, ein Luftangriff auf das Viertel Al-Dschadida im Westen Mossuls habe am Mittwoch einen mit Sprengstoff beladenen Laster getroffen. Danach habe es eine doppelte Explosion gegeben. Irakische Sicherheitskräfte hätten das Gebiet ebenfalls beschossen. "Mosul Eye" hatte bis vor Kurzem anonym unter Lebensgefahr direkt aus Mossul berichtet, die Stadt aber vor einigen Wochen aus Sicherheitsgründen verlassen.

Der irakische General Mohammed al-Dschaburi berichtete hingegen der Nachrichtenagentur dpa, der IS habe mehrere Häuser mit Sprengladungen versehen. Diese seien explodiert, als die Bewohner nach der Befreiung des Viertels in die Gebäude zurückgekehrt seien.

Verheerende Lage für 600.000 Menschen

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sitzen in Westmossul noch rund 600.000 Zivilisten fest. Sie hätten kaum zu essen und müssten Möbel und Kleidung verbrennen, um bei heftigem Regen und in kühlen Nachtstunden zu überleben, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Aus Angst vor Heckenschützen des IS würden viele Einwohner nicht flüchten.

Mossul ist die letzte Hochburg des IS im Irak. Die Offensive auf die Stadt hatte im vergangenen Oktober begonnen. Im Januar konnten die irakischen Sicherheitskräfte den Osten der Stadt einnehmen. Seit Februar läuft der Angriff auf den Westen, der in vielen Teilen dicht bewohnt ist. Berichten zufolge nutzt der IS Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Das UNHCR eröffnete in der Nähe Mossuls drei neue Camps für rund 100.000 Flüchtlinge: "Das Schlimmste kommt erst noch, die Menschen werden fliehen, wenn die Altstadt befreit wird."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. März 2017 um 16:45 Uhr

Darstellung: