Mossul | Bildquelle: AFP

Kampf um Mossul Misshandlungen durch irakische Soldaten?

Stand: 14.07.2017 01:52 Uhr

Im Kampf um Mossul sollen irakische Soldaten IS-Mitglieder gefoltert und ermordet haben. Diesen Vorwurf erheben Menschenrechtler. Das Militär prüft Konsequenzen und hat offenbar bereits Soldaten suspendiert.

Irakische Militärvertreter haben Ermittlungen zu Misshandlungsvorwürfen gegen Soldaten nach dem Kampf um Mossul angekündigt. Den Armee-Mitgliedern wird vorgeworfen, mutmaßliche Kämpfer der Dschihadistenmiliz IS gefoltert und getötet zu haben. Jeder, der Menschenrechte oder das Kriegsrecht verletze, werde zur Rechenschaft gezogen, sagte ein irakischer Militärsprecher im US-Verteidigungsministerium.

Irakische Soldaten in der vom IS befreiten Stadt Mossul | Bildquelle: dpa
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Das irakische Militär soll im Kampf um Mossul IS-Kämpfer misshandelt und gefoltert haben.

Misshandlungsvideo im Internet aufgetaucht

Auf einem am Donnerstag bekannt geworden Video im Internet war zu sehen, wie irakische Soldaten in Uniform einen bärtigen Gefangenen schlagen, zu einem Felsen schleppen, ihn von der Klippe stoßen und auf seinen leblosen Körper und einen weiteren Körper am Fuß des Felsens schießen.

Der Vorfall werde sorgfältig geprüft, und mögliche Täter würden bestraft, kündigte der Militärsprecher an. Gleichzeitig aber schloss er eine Fälschung des Videos nicht aus. Es könnte veröffentlicht worden sein, um vom Sieg der irakischen Truppen und ihrer Verbündeten über den IS in Mossul abzulenken, sagte er.

Auch das irakische Innenministerium räumte ein mögliches Fehlverhalten von Armee-Vertretern ein. Laut einem Sprecher seien bereits Untersuchungen eingeleitet und einige Soldaten suspendiert worden.

Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi bei seiner Ansprache in Mossul im Kreis irakischer Militärs
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Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi bei der Verkündung des Sieges über den IS in Mossul.

Kritik von Human Rights Watch

Die Menschenrechtsbewegung Human Rights Watch hatte zuvor auf das Video hingewiesen. Sie versicherte, mit Hilfe von Satellitenaufnahmen den Ort des Geschehens lokalisiert zu haben und rief den irakischen Regierungschef Haider al-Abadi auf, den Vorfall untersuchen zu lassen.

Anfang der Woche hatte al-Abadi den Sieg über die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Mossul, der zweitgrößten Stadt seines Landes, verkündet. Der IS hatte die Stadt 2014 unter seine Kontrolle gebracht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2017 um 05:30 Uhr.

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