Fahrzeuge der irakischen Armee Bartella nahe Mossul, Bild vom 24.10.2016 | Bildquelle: dpa

Kampf um Mossul Erbitterte Gegenwehr des IS

Stand: 04.11.2016 17:50 Uhr

Seit Mitte Oktober dauert die Offensive auf die IS-Hochburg Mossul bereits an. Je tiefer die Regierungstruppen in die Stadt vorrücken, desto entschlossener ist der Widerstand der Extremisten. Doch die irakische Armee meldet weitere Erfolge.

In der Schlacht um Mossul haben irakische Elitetruppen nach irakischen Militärangaben sechs Bezirke im Osten der Großstadt eingenommen. Sie hätten die irakische Flagge über Gebäuden gehisst. Der IS habe schwere Verluste erlitten. Ein Offizier der Spezialkräfte sagte, die IS-Kämpfer seien in Mossul nun beinahe eingekesselt.

Schwerste Kämpfe

Zuvor hatten sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" und Spezialeinheiten des irakischen Militärs offenbar die bisher schwersten Gefechte im Kampf um Mossul geliefert. Die Extremisten feuerten im Osten der Stadt mit Raketen auf Panzer und rasten mit sprengstoffbeladenen Autos - und sogar einem Bulldozer - auf Soldaten zu, wie der irakische Kommandeur Muhanad Al-Timimi der Nachrichtenagentur AP sagte. Seine Truppen hätten daraufhin versucht, über eine neue Front weiter nördlich ins Zentrum zu gelangen.

Die irakischen Einheiten seien auf einen "wild entschlossenen Widerstand" des IS getroffen, sagte auch Muntadhar Salem, Kommandeur von irakischen Spezialkräften. In Mossul werden nach Einschätzung von US-Experten zwischen 3000 und 5000 IS-Kämpfer vermutet. Die Dschihadisten errichteten in Mossul Barrieren, um den Vormarsch der irakischen Regierungseinheiten zu stoppen. "Wir haben nicht mit einem derartigen Widerstand gerechnet, sie hatten alle Straßen blockiert", sagte ein irakischer Offizier, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die IS-Kämpfer seien "sehr zahlreich" gewesen, es sei "besser, sich zurückzuziehen und einen neuen Plan auszuarbeiten".

Exekutionen und zivile Opfer

Damit die IS-Kämpfer wiederum nicht vor dem Ansturm fliehen, verübt die Terrormiliz angeblich Massenexekutionen gegen ihre eigenen Leute. Es gebe Berichte, wonach auf einem Militärstützpunkt rund 50 Extremisten erschossen worden seien, weil sie Fahnenflucht begehen wollten, teilte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf mit. Eine UN-Sprecherin sagte, dass bei der Offensive auf Mossul auch immer wieder Zivilisten ums Leben kämen. Unter anderem seien am Mittwoch im Osten Mossuls offenbar vier Frauen bei Luftangriffen getötet und 17 weitere Menschen verletzt worden.

Die Extremisten versuchen nach UN-Erkenntnissen, in der Schlacht um Mossul auch Kinder einzusetzen. Sie hätten südlich von Mossul dazu aufgefordert, insbesondere Jungen ab dem Alter von neun Jahren an die Kämpfer zu übergeben, sagte die UN-Sprecherin. Dabei handele es sich augenscheinlich um die Rekrutierung von Kindersoldaten.

Menschliche Schutzschilde

Darüber hinaus berichten die UN, dass die Extremisten in der Region Mossul Hunderte Menschen getötet hätten. Weitere 1750 seien unter anderem nach Mossul gebracht worden, wo sie wohl als menschliche Schutzschilde missbraucht werden sollten.

Rund 22.000 Menschen sind nach UN-Angaben bislang durch den Kampf um Mossul aus ihren Heimatorten vertrieben worden. Etwa die Hälfte von ihnen sei in Lagern untergekommen, der Rest in Gastgemeinden, teilten die UN mit. Das Kinderhilfswerk Unicef erklärte, dass unter den Vertriebenen schätzungsweise 9700 Kinder seien. Diese benötigten dringend Hilfe.

Frauen in einem Flüchtlingslager (Foto: Anna Osius)
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Aus Mossul Geflohene in den Flüchtlingslagern berichten, der IS habe ein Regime des Terrors errichtet.

Vormarsch seit Oktober

Regierungstruppen und kurdische sowie schiitische Milizen rücken seit Mitte Oktober aus mehreren Richtungen auf Mossul vor, um die letzte große Hochburg des IS im Irak zu erobern. Während seiner Offensive auf Mossul wird das irakische Militär auch durch Luftangriffe der US-geführten Koalition unterstützt. Am Dienstag hatten irakische Soldaten erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder Gelände innerhalb der Stadtgrenzen betreten können. Der IS hatte die Stadt im Juni 2014 überrannt und hält sie seitdem unter seiner Kontrolle.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. November 2016 um 12:43 Uhr.

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