Bürgermeisterwahl in Moskau Achtungserfolg für Nawalni

Stand: 09.09.2013 08:37 Uhr

Amtsinhaber Sergej Sobjanin hat die Bürgermeisterwahl in der russischen Hauptstadt Moskau gewonnen. Laut vorläufigem Endergebnis kam der 55 Jahre alte Weggefährte von Kremlchef Wladimir Putin auf 51,4 Prozent der Stimmen.

Der Kremlkritiker Alexej Nawalni spricht am 8.9.2013, dem Tag der Bürgermeisterwahl in Moskau, in seinem Hauptquartier zur Presse. (Bildquelle: AP)
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Kremlkritiker Nawalni kommt auf gut 27 Prozent der Stimmen - viel mehr als erwartet.

Überraschend stark schnitt der Kremlkritiker und Oppositionsführer Alexej Nawalni ab. Der 37-Jährige erreichte 27,2 Prozent der Stimmen und damit fast doppelt so viele, wie ihm Umfragen prophezeit hatten. Kommentatoren nannten die Wahl eine Krönung für Nawalni als Galionsfigur einer heillos zerstrittenen Opposition.

Nawalni fordert eine Stichwahl

Nawalni zweifelt das Ergebnis der Auszählung an: "Ich bin absolut überzeugt, dass Sobjanin weniger als 50 Prozent der Stimmen bekommen hat. Wir fordern eine Stichwahl", hatte er am Abend - schon bevor das Endergebnis feststand - dem Radiosender Echo Moskwy gesagt.

Sein Wahlkampf-Team erklärte, eigene Nachwahl-Befragungen würden für Sobjanin 46 Prozent und für Nawalni 29 Prozent der Stimmen ausweisen. Hätte Sobjanin tatsächlich weniger als 50 Prozent der Stimmen erreicht, müsste er gegen Nawalni in einen zweiten Wahlgang.

Der frühere Blogger Nawalni warnte das Lager Sobjanins vor Manipulationen und drohte mit Protesten: "Wenn Tausende Beobachter sagen, dass es in den Wahllokalen Probleme gab, denke ich, dass jeder normale Moskauer auf die Straße gehen sollte." Russlands größte unabhängige Wahlbeobachtergruppe Golos teilte jedoch mit, es habe zunächst keine Hinweise auf größere Wahlmanipulationen gegeben.

Erste freie Bürgermeisterwahl in Moskau seit 10 Jahren
tagesschau 22:45 Uhr, 08.09.2013, Ina Ruck, ARD Moskau

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Deutlich besser als in den Umfragen

Umfragen hatten Nawalni lediglich bei 15 bis 17 Prozent gesehen Für Sobjanin waren rund 60 Prozent vorhergesagt worden. Insgesamt traten sechs Kandidaten an. Die Abstimmung gilt als wichtiger Stimmungstest für das Machtlager von Kremlchef Putin. Die Wahlbeteiligung war extrem niedrig - vermutlich liege sie bei nur 30 Prozent, berichtete das russische Staatsfernsehen.

Nawalni war im Juli in einem umstrittenen Prozess wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Überraschend wurde die Haftstrafe bis zu einem Berufungsverfahren ausgesetzt, um ihm die Teilnahme am Wahlkampf zu ermöglichen. Nawalni war 2010 bei den Protesten gegen die russische Führung landesweit bekannt geworden. Seine Nähe zum rechtsnationalen Lager wird zwar von vielen Oppositionellen kritisch gesehen, trotzdem unterstützten sie ihn, um ein Zeichen gegen Präsident Putin zu setzen.

Sobjanin steht seit 2010 an der Spitze der Hauptstadtverwaltung - der 55-jährige Technokrat wurde damals vom Kreml eingesetzt. Mit dem jetzt erfolgten Wahlgang wollte er eine demokratische Bestätigung für sein Amt einholen.

Amtsinhaber Sergej Sobjanin gewinnt Bürgermeisterwahl
H. Krause, ARD Moskau
09.09.2013 08:18 Uhr

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