Seitenueberschrift
Italiens Regierungschef kandidiert für neues Bündnis
Montis Koalition hat den Segen der Kirche
Der zurückgetretene italienische Ministerpräsident Monti peilt eine weitere Amtszeit an. Er stellt sich als Wahlkämpfer an die Spitze einer Koalition der Mitte. Die katholische Kirche hat das neue Bündnis offenbar mitgeschmiedet. Doch in Umfragen liegt ein anderer klar vor Monti.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Nicht einmal eine Woche hat es gedauert und aus Mario Monti ist ein Wahlkämpfer geworden. Am 23. Dezember hat er angekündigt, unter bestimmten Umständen noch einmal als überparteilicher Ministerpräsident zur Verfügung zu stehen. Nun setzt er sich selbst an die Spitze eines Parteienbündnisses. "Es ist keine Initiative gegen dieses oder jenes", sagt er. "Es geht darum, dieser Regierung mehr Zeit zu geben, mehr Intensität und eine größere Perspektive."
Monti setzt sich an die Spitze einer Koalition der Mitte
T. Kleinjung, ARD Rom
29.12.2012 02:35 Uhr
Unterstützung durch katholische Kirche
Mehrere Minister unterstützen den Plan Montis weiterzuregieren. Unter ihnen Andrea Riccardi, der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’ Egidio. Er gilt als entscheidender Verbindungsmann zur katholischen Kirche, die offenbar einen maßgeblichen Anteil am Zustandekommen dieser neuen politischen Kraft hat.
Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" würdigte, dass Monti für eine Rückkehr zu einer "hohen, ehrenwerten Politik" stehe. Und der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, macht bereits Wahlkampf für Monti. "Ich glaube, dass seine Aufrichtigkeit und Qualifikation allgemein anerkannt sind", sagt der Kardinal über Mont. "Jeder kann da anderer Meinung sein, aber diesbezüglich ist er in Italien und im Ausland anerkannt."
Monti will Parteienbündnis der Mitte führen
tagesschau 20:00 Uhr, 29.12.2012, Natalie Amiri, ARD Rom
Programm statt Person im Vordergrund
Diese neue katholische Parteienkonstellation besteht aus verschiedenen kleineren Parteien, darunter die Zentrumspartei UDC und die Partei von Kammerpräsident Gianfranco Fini - beide ehemalige Bündnispartner von Silvio Berlusconi. Dazu kommen weitere Politiker, die sich von Berlusconi abgewandt haben, und die Bewegung, die Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo ins Leben gerufen hat. Das neue Bündnis firmiert unter dem Namen: Agenda Monti für Italien.
Das solle deutlich machen, so Monti, dass es nicht um eine Person, sondern um ein Programm gehe. "Ich glaube, die Krise ist noch nicht überwunden", sagt er. "Nur die Finanzkrise scheint glücklicherweise vorbei, aber es gibt eine mindestens genauso schwere Krise: die Arbeitslosigkeit und das Fehlen von Wachstum."
Erfolgschancen ungewiss
Schwer einzuschätzen, wie stark das neue Monti-Bündnis ist. Meinungsforscher rechnen mit 20, vielleicht sogar 25 Prozent. Damit ist Monti gleichauf mit Berlusconi und weit hinter dem Spitzenkandidaten der sozialdemokratischen PD, Pierluigi Bersani. "Nun muss man sehen, wie Monti und diese Formation sich zur PD stellen, die ja die erste und größte Partei dieses Landes ist", sagt Bersani. "Sehen sie sich als Alternative, als Wettbewerber oder Alliierte? Ich habe immer gesagt, dass wir über eine Übereinkunft mit einer moderaten, europäischen Kraft diskutieren können, die sich als Alternative zur Rechten versteht."
Gegenwärtig scheint das die plausibelste Variante: Monti als Juniorpartner in einer Regierungskoalition, die sich gegen anti-europäische Populisten gleich welcher Couleur stellt. Damit ist sein Traum, Staatspräsident Italiens zu werden, allerdings endgültig ausgeträumt.
Stand: 29.12.2012 00:27 Uhr
