''Deep Space Gateway'' | Bildquelle: dpa

USA und Russland Gemeinsame Mondträume

Stand: 27.09.2017 18:10 Uhr

Einen Namen gibt es schon: "Deep Space Gateway". Die USA und Russland planen, eine Mondstation zu bauen - und zwar gemeinsam. Unter Federführung der NASA sei es das Ziel, die Tiefen des Weltalls besser erforschen zu können. Die Vision: Bis zu 100 Mondbewohner bis 2040

Russland und die USA planen gemeinsam den Bau einer Mondstation. Ziel sei es, "eine Raumstation im Mondorbit zu bauen", um damit die Tiefen des Weltalls besser erforschen zu können, teilte die russische Raumfahrtagentur Roskosmos mit. Dafür wollten die beiden Länder zunächst "internationale technische Standards" entwickeln. Getauft wurde das Projekt auf den Namen "Deep Space Gateway".

NASA ist federführend

Das Kooperationsabkommen zu dem Langzeitprojekt unter Federführung der NASA, das zur Erforschung des fernen Weltraums und zur Vorbereitung von bemannten Mars-Missionen beitragen soll, wurde demnach bei einer Konferenz in Adelaide unterzeichnet. Die NASA hatte zuvor bereits mitgeteilt, an dem Programm "Deep Space Gateway" zu arbeiten. Die Internationale Raumstation ISS würde als Sprungbrett dienen. Ein bemannter sogenannter Spaceport soll das "Tor zum fernen Weltraum und zur Mondoberfläche" abgeben.

Mond | Bildquelle: dpa
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Die USA und Russland planen gemeinsam "eine Raumstation im Mondorbit zu bauen".

"Roskosmos und die NASA haben sich bereits auf Standards für eine Andockeinheit der künftigen Station geeinigt", erklärte die russische Agentur. Darüber hinaus geht es nach den Worten von Roskosmos-Chef Igor Komarow um die Schaffung einheitlicher technischer Normen, denn nicht weniger als fünf Länder bauten ihre eigenen Raketen und Systeme. "Um künftige Probleme bei der technischen Zusammenarbeit zu vermeiden, sollten Standards teilweise vereinheitlicht werden", sagte Komarow. Nur so könne gewährleistet werden, dass Raumfähren verschiedener Länder an einer internationalen Mondstation andocken könnten.

Zudem sei über die Nutzung der russischen Raketen vom Typ Proton-M und Angara beim Aufbau der Station gesprochen worden. Die Hauptarbeiten sollen demnach in den Mittzwanzigern dieses Jahrhunderts beginnen.

Bis zu Hundert Mondbewohner bis 2040

Der Traum von der Besiedelung des Mondes ist spätestens mit der ersten Landung auf dem Erdtrabanten 1969 konkreter geworden. Derartige Visionen wurden in der vergangenen Woche erneut beim European Planetary Congress in der lettischen Hauptstadt Riga ausgetauscht. Von bis zu hundert Mondbewohnern bis 2040 war dort die Rede, die Eis zu Wasser schmelzen, mit 3-D-Druckverfahren Behausungen und Werkzeuge herstellen, Pflanzen für die Ernährung ziehen und neue Sportarten bei geringer Schwerkraft betreiben.

Moon Village | Bildquelle: AFP
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Bis 2030 könnte es eine erste Mondbesiedelung geben, so Foing, Chef-Wissenschaftler der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Ständiger Sitz auf dem Mond

Bernard Foing, Chef-Wissenschaftler der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), erläuterte in Riga, wie die Menschheit einen ständigen Sitz auf dem Mond einrichten könne, um dann von dort aus zu expandieren. Bis 2030 könnte es eine erste Mondbesiedelung geben, sagte Foing. Sechs bis zehn Pioniere, darunter Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure - eine Gemeinschaft, die bis 2040 auf 100 Menschen anwachsen könne. "2050 könnten es 1000 sein und dann ist es vorstellbar, Familienmitglieder zu haben", die sich zu den Mondsiedlern dazugesellten.

Geburt auf dem Mond?

In mehrere Jahrzehnten seien sogar Geburten auf dem Mond denkbar. ESA-Chef Jan Wörner stellte in Aussicht, dass die ISS durch eine ständige Mondstation ersetzt werden könnte. Ohnehin soll die ISS 2024 außer Betrieb genommen werden. Jenseits von Finanzierungsproblemen, deren Lösung nach Ansicht von Experten eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Raumfahrtbehörden und kapitalstarken privaten Unternehmen erfordern, seien gemeinsame internationale Bemühungen um eine Kolonisierung des Mondes auch dazu geeignet, "irdische Grenzen und Krisen zu überbrücken". Foing hofft auf einen Besuch einer Mondsiedlung bis 2040. Der Preis für ein Ticket läge jetzt bei rund 100 Millionen Euro, "aber in 20 Jahren könnte der Ticketpreis hundert Mal niedriger sein".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. September 2017 um 14:15 und 16:15 Uhr in den Nachrichten sowie ab 18:30 Uhr im "Echo des Tages".

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