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Auch das vor 80 Jahren eröffnete New Yorker Museum of Modern Art hat mal klein angefangen - mit acht Drucken und einer Zeichnung. Mittlerweile gehört es mit 150 000 Kunstwerken zu den weltweit bedeutendsten und einflussreichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Alles begann mit einer Reise.
Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York
[Bildunterschrift: Die MoMA-Ausstellung "Kunstwerke aller Zeiten" ]
Ein schüchterner, gebildeter junger Mann bricht 1927 von den USA zu einer mehrmonatigen Europareise auf. Damit legt er den Grundstein zu einer kulturellen Erfolgsgeschichte: der studierte Kunsthistoriker Alfred Barr reist unter anderem zum Bauhaus nach Dessau.
"Von dort brachte er nicht nur die Gewissheit mit, dass die Vereinigten Staaten ein Museum für Moderne Kunst brauchen, sondern auch die Idee, dass die Kunst dort allumfassend sein muss", erzählt der jetzige MoMA-Direktor Glen Lowry. "Fotografie, Grafik, Bildhauerei, Architektur. Alles gehört dazu, man kann die Künste nicht getrennt voneinander betrachten."
Barrs Entschluss: Es sollte eine Institution geben, die moderne Kunst ins Leben einbettet – ein Museum of Modern Art. Drei ältere Damen finanzierten die Idee: Abby Aldrich Rockefeller und ihre Freundinnen Lilly P. Bliss und Mary Quinn. Alfred Barr wurde der Gründungsdirektor.
Im November 1929, als gerade die Weltwirtschaftskrise, die "Große Depression" begann, erklommen 47.000 Besucher den zwölften Stock des Heckscher Buildings auf der Fifth Avenue. Sie wollten in der ersten Ausstellung des MoMA Werke von Paul Cezanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh sehen.
Zum fünfjährigen Bestehen schrieb die New York Times 1934 über dieses Laboratorium moderner und zeitgenössischer Kunst. "Es bringt tiefgehendes und weit reichendes Verständnis von moderner Kunst durch unvoreingenommene Präsentation, es hebt das Niveau des Kunstverständnisses im ganzen Land, es ermutigt lebende Künstler, indem es ihre Arbeiten ausstellt, es fördert internationale Verständigung durch Kunst."
Schnell gewann das Museum große Bedeutung, nicht nur für Amerika. "Für die moderne Kunst war das MoMA lange so etwas wie ein Fluchtpunkt, als es in Europa keine derartigen Museen gab - nicht mehr gab wie in Deutschland oder noch nicht gab ", erläutert der Kunsthistoriker Werner Spies.
Der Anfang war noch sehr bescheiden: acht Drucke und eine Zeichnung nannte das Museum zu Beginn sein eigen. Inzwischen umfasst die Sammlung 150.000 Stücke. Sie machen das MoMA zu einem Vatikan für Ästhetik des 20. Jahrhunderts, meint Spies. "Ohne das MoMA hätten wir nicht unsere heutige Vorstellung von der Entwicklung der Kunst des 20. Jahrhunderts. "Das MoMA war hier federführend, alle anderen Museen in Europa und Amerika folgten mehr oder weniger diesem Prinzip."
Lange Besucherschlangen sind heute die Regel. Wer heute durch die Räume des MoMA wandelt, fühlt sich schnell wie im Elysium bildender Künste: Matisse, Van Gogh und Kippenberger, Beuys, Serra und Picasso, Pipilotti Rist, Andy Warhol und Tim Burton - Skulpturen, Gemälde und Filme gehören zur Sammlung, aber auch das Design von Petri-Schalen, Fertighäusern und Schaukelstühlen.
Die Abteilung für Filmkunst sucht ihresgleichen: Sie beherbergt 22.000 Filme aus aller Welt und vier Millionen Standbilder. Die James-Bond-Originale sind hier zu finden, Regisseure wie Clint Eastwood, Martin Scorcese oder Oliver Stone stifteten ihre Werke dem MoMA.
Ein großer Stamm von Weltklasse-Kuratoren wie Klaus Biesenbach kümmert sich um die vielfältigen Ausstellungen.
[Bildunterschrift: Martin-Puryear-Ausstellung ]
2004 gab es die Ausstellung "Das MoMa in Berlin" - Kunstfreunde mussten nicht nach New York, sondern konnten sich, mehr oder weniger bequem, zusammen mit 1,1 Millionen anderen stundenlang vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin anstellen. Solange das MoMA auf Reisen war, wurde das Stammhaus umgebaut. Sechs Stockwerke, fast doppelt so groß wie bisher, ist es jetzt. Die Böden sind extra stark genug für eine Ausstellung der monumentalen Stahlskulpturen Richard Serras.
"Das MOMA hat Werke gesammelt und interpretiert, von denen es denkt, es seien die bedeutendsten. Letztlich schärft die Kunst von heute den Blick auf die Kunst unserer unmittelbaren Vergangenheit", erläutert Lowry. Schon bald ist die heutige Kunst wieder die vergangene, und die von morgen wird zur Gegenwart: Die Reise, zu der Alfred Barr 1927 aufgebrochen ist, geht immer weiter.
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