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Urheber des Anti-Islam-Films
Radikale Kopten offenbar für Film verantwortlich
Laut US-Ermittlern ist der Macher des umstrittenen Mohammed-Films, der im Zentrum anti-amerikanischer Proteste in arabischen Ländern steht, ein in Kalifornien lebender koptischer Christ. Offizielle Vertreter der Kopten in den USA distanzierten sich von dem anti-islamischen Video.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington
Zwei Tage lang wurde ein Amerikaner mit Wurzeln in Israel hinter dem anti-islamischen Film vermutet; ein Immobilienhändler namens Sam Bacile. Doch im Laufe des Donnerstags wurde immer deutlicher: Sam Bacile ist ein Pseudonym, das die wahre Identität des Autors schützen sollte.
Die amerikanischen Ermittlungsbehörden gehen mittlerweile davon aus, dass der Kopf hinter dem anti-islamischen Machwerk ein in Süd-Kalifornien lebender koptischer Christ namens Nakoula Basseley Nakoula ist.
Für die Ermittlungsbehörden ist der 55-jährige kein Unbekannter. Wegen Bankbetrugs und Steuervergehen wurde Nakoula vor drei Jahren zu 21 Monaten Haft und einer Geldstrafe in Höhe von knapp 800.000 Dollar verurteilt. Schon damals trat Nakoula mit einem falschen Namen auf, der seinem jetzigen Pseudonym Sam Bacile sehr nahekommt: Robert Bacily.
Mehrere radikale koptische Christen beteiligt?
Dass sich der Direktor des Films hinter einem falschen Namen versteckt und aus Angst um seine Familie abgetaucht ist, hatte zuvor schon Steve Klein in mehreren Interviews bestätigt. Klein, ein Vietnam-Veteran, der ebenfalls in Süd-Kalifornien lebt und für seine radikalen anti-islamischen Meinungen bekannt ist, war im vergangenen Jahr als "Berater" an der Videoproduktion beteiligt. "Sam Bacile ist kein Israeli", so Klein. "Sein richtiger Name ist nicht Sam. Seinen wahren Namen kenne ich nicht."
Radikale Christen - Über die Urheber des Anti-Islam-Films
tagesthemen 21:45 Uhr, 14.09.2012, Tina Hassel, ARD Washington
Klein behauptet, außer Nakoula und ihm hätten noch mehrere koptische Christen an der Filmproduktion mitgewirkt. Klein gab sich im Interview mit CBS wenig schuldbewusst. Der Film zeige, wie gefährlich Muslime seien. "Habe ich Blut an den Händen? Nein! Das Blut klebt an ihren Händen, nicht an meinen!"
Auch die Verbreitung des Videos in muslimische Länder erfolgte über einen radikalen koptischen Christen, der in der Nähe von Washington lebt. Morris Sadek ist den Kopten in der amerikanischen Hauptstadt mehrfach wegen seiner anti-islamischen Positionen aufgefallen. Nach Recherchen der "Washington Post" war es Sadek, der das am 1. Juli bei YouTube eingestellte Video mit arabischen Untertiteln versah.
Radikale Kopten stecken hinter anti-islamischen Film
M. Ganslmeier, ARD Washington
14.09.2012 01:32 Uhr
Koptische Christen in den USA gehen auf Distanz
Diese arabische Version schickte Sadek an mehr als 100 Journalisten und Gefolgsleute in Ägypten. So gelangten am 8. September Ausschnitte des 13-minütigen Videos in eine ägyptische Talkshow. Anschließend kam es zu den Protesten unter Muslimen. Offizielle Vertreter der koptischen Christen in den USA distanzierten sich deutlich von dem anti-islamischen Video. Leute wie Sadek oder Nakoula seien keine Repräsentanten der koptischen Christen, sondern hasserfüllte Außenseiter, mit denen ihre Gemeinde nichts zu tun haben wolle.
Auch die Schauspieler, die im Video mitgewirkt haben, distanzierten sich von der Produktion. Ihre Dialoge seien nachträglich mit anderen Texten übersprochen worden, äußerte sich eine Schauspielerin entsetzt. Im Drehbuch mit dem Titel "Wüsten-Kämpfer" sei von Mohammed gar keine Rede gewesen. "Warum hast Du uns das angetan, Sam?" habe sie den Produzenten gestern am Telefon gefragt. "Du hast uns in Gefahr gebracht!" Nein, habe er geantwortet. "Erzähle der Welt, dass ich das Skript geschrieben habe, weil ich es einfach leid war, dass radikale Muslime Leute umbringen."
Auch der anti-islamische Pastor Terry Jones aus Florida steht in Kontakt mit Sam Bacile alias Nakoula. Jones hatte angekündigt, den Film öffentlich zu zeigen. Daraufhin erhielt der radikale Pfarrer einen Anruf von Generalstabschef Martin Dempsey. Mit Rücksicht auf die Sicherheit amerikanischer Soldaten in aller Welt solle sich Jones zurückhalten, appellierte der General. Das Pentagon will unter allen Umständen eine weitere Eskalation der Proteste im Nahen Osten vermeiden.
Stand: 14.09.2012 04:18 Uhr
