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Satireblatt veröffentlicht Mohammed-Karikaturen
Frankreich fürchtet neue Unruhen
Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen haben Hacker den Online-Auftritt des französischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo" lahmgelegt. Aus Angst vor Übergriffen will Frankreich seine Botschaften in mehreren Ländern schließen. Die Muslime in Frankreich zeigten sich empört.
Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkkorrespondent Paris
Bei ihrem Titelblatt könnte man der Redaktion der Wochenzeitung noch intellektuelle Höhenflüge attestieren. In Anlehnung an den aktuellen französischen Kinohit "Ziemlich beste Freunde" schiebt ein Jude Mohammed im Rollstuhl - "die unberührbaren Religionen" titelt Charlie Hebdo mit einem Film-Wortspiel. Dass sich innerhalb von Stunden die halber französische Regierung über seine Zeitung ausgelassen hat, findet ihr Chefredakteur Stéphane Charbonnier völlig überflüssig.
Eine weitere Karikatur zeigt den Propheten Mohammed, der nackt vor einer Kamera liegt. In Anspielung auf einen berühmten Film mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot lässt der Karikaturist ihn sagen: "Und meinen Hintern? Magst du meinen Hintern?"
Französische Regierung verschärft Sicherheitsvorkehrungen bei Auslandsvertretungen
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.09.2012, Vivienne Radermacher, ARD Paris
"Natürlich provozieren wir, das tun wir seit 20 Jahren. Auffallen tut das immer nur, wenn wir über den Islam, oder besser - diesem problematischen Teil des Islam reden, der eine extreme Minderheit ist", so Charbonnier.
Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, gerade bei "Charlie Hebdo", einer Zeitung, die auch bei anderen Themen gerne mal weit unter der Gürtellinie zeichnet. Für Gläubige allerdings, so sagt es der Chef des offiziellen Rates der Muslime in Frankreich, sei diesmal die Grenze überschritten. "Wir sind empört über diesen neuen islamfeindlichen Akt. Gleichzeitig machen uns die Reaktionen Sorgen, die das in dieser ohnehin angespannten Lage hervorrufen kann und wird", sagt Mohamed Moussaoui.
Frankreichs Regierung reagiert und schließt Botschaften
J. Duchrow, WDR Paris
19.09.2012 11:50 Uhr
Botschaften in 25 Ländern sollen geschlossen werden
Er spielt damit auf den Film eines in den USA lebenden Kopten an, der in den vergangenen Tagen für wütende und blutige Proteste in den islamischen Ländern und sogar in Frankreich gesorgt hatte. Wie viele andere Politiker hat auch Frankreichs Außenmister Laurent Fabius zu den Karikaturen eine klare Meinung. "Ist es wirklich klug und sinnvoll, vor diesem Hintergrund Öl ins Feuer zu gießen? Da ist meine Antwort klar: Sie lautet nein. Auf der anderen Seite wollen wir diesen Leuten aber auch nicht sagen, dass wir nun die Meinungsfreiheit einschränken. Wir müssen ein Gleichgewicht finden", so Fabius.
Im Ausland - vor allem in muslimischen Ländern, das ist auch Laurent Fabius klar - wird diese Differenzierung von niemandem gemacht. Nachdem er bereits am Abend zuvor angeordnet hatte, französische Botschaften in islamischen Ländern besonders zu schützen, verfügte der Außenminister am Mittag, dass in 25 Ländern Botschaften und französische Schulen am muslimischen Feiertag, am kommenden Freitag geschlossen werden.
"Schweigen und ignorieren"
Für Charbonnier bedeuten die Reaktionen von Ministerpräsident und Außenminister, dass sie dem Druck der Straße bereits nachgegeben haben. Nachdenklichere islamische Würdenträger wie Tareq Oubrou, der Imam von Bordeaux, empfiehlt den Gläubigen eine einzige, weise Reaktion: "Die beste Antwort auf solche Provokationen ist schweigen und ignorieren."
Stand: 19.09.2012 14:12 Uhr
