Porträt der EU-Außenbeauftragten Der kurze Weg nach ganz oben

Stand: 30.08.2014 22:42 Uhr

Selbst in ihrem Heimatland Italien war Federica Mogherini bis vor Kurzem weitgehend unbekannt. Jetzt ist sie als neue EU-Außenbeauftragte nominiert - obwohl sie erst wenige Monate Erfahrung auf dem Gebiet der Außenpolitik hat.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Mogherini vor einer EU-Flagge | Bildquelle: AFP
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Federica Mogherini hat in den vergangenen Monaten eine rasante politische Karriere gemacht.

Eines hat Federica Mogherini ihrem Chef schon mal voraus: Sie spricht ein weitaus besseres Englisch als Matteo Renzi, Italiens Ministerpräsident. Seit Februar erst ist sie Außenministerin, seit Juli leitet sie turnusgemäß die gemeinsamen Sitzungen der EU-Außenminister und in Zeiten der Krise hat sie schon einige Bewährungsproben auf internationaler Bühne überstanden -auch einen Auftritt in der Sendung von CNN-Urgestein Wolf Blitzer.  

Dort sprach sie unter anderem über den Zweck, den ihrer Meinung nach die Sanktionen gegenüber Russland erfüllen sollten: "Wir müssen dafür sorgen, dass Sanktionen in Russland wirken und nicht bei uns selbst. Auch damit wir bei der wirtschaftlichen Erholung nicht wieder von vorne anfangen müssen. Noch einmal: Sanktionen haben das Ziel, politischen Druck auszuüben, um zum Dialog zu kommen.“

Italien von russischem Gas abhängig

Auch wegen dieser Äußerungen gilt Mogherini vor allem in den Staaten Osteuropas als zu Russland-freundlich. Dazu muss man aber wissen, dass in Italien 38 Prozent der verbrauchten Energie aus russischen Quellen kommen. Auch weil die Lage in Libyen angespannt ist, hält Rom am Bau der Southstream-Pipeline fest, mit der russisches Erdgas, an der Ukraine vorbei, nach Südeuropa transportiert werden soll.

41 Jahre ist Federica Mogherini alt. Weil sie eben erst wenige Monate im Amt ist, gab es vor der Entscheidung für sie als neue EU-Außenbeauftragte die Befürchtung, sie sei zu unerfahren für den wichtigen Posten in Brüssel. Nicht nur dort konnte man das hören, sondern auch in Italien. Zum Beispiel von Mario Monti, der für einige Zeit italienischer Regierungschef und selbst jahrelang mächtiger EU-Kommissar war. Stark und kompetent sei Mogherini, so Monti, er hoffe, dass sie es schafft. Aber man könne nicht gerade sagen, dass Erfahrung ihre Stärke sei.

Ein kleiner Affront gegen Renzi

Italiens Premier Renzi spricht mit seiner Außenministerin Mogherini. | Bildquelle: AFP
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Italiens Premier Renzi förderte die Karriere seiner Außenministerin.

Matteo Renzi, der noch jünger ist als Mogherini und ohnehin mit dem Vorsatz angetreten war, die alte Politikergarde "zu verschrotten“, hat sich von dieser Kritik nicht beeindrucken lassen. Etwas beleidigt zeigte er sich aber schon darüber, dass es nicht schon beim letzten EU-Gipfel Mitte Juli zu einer Einigung gekommen war.

Nach außen hin zeigte sich Renzi konziliant: "Das Ziel Italiens ist es nicht, einen Posten zu besetzten, das haben wir vom ersten Tag an gesagt. Wir sind sehr offen für alle Lösungen. Wir haben kein Problem im Sinne: Wir wollen diesen Posten oder keinen. Aber darum geht es in der Diskussion ja auch gar nicht.“ Aber bei seinen Parteifreunden und in Italien braucht Renzi sehr wohl den Erfolg, die Personalie Mogherini in Brüssel durchgesetzt zu haben: Entsprechend groß ist jetzt seine Genugtuung.

Abgeordnete seit 2008

Mogherini, geborene Römerin und Mutter zweier Kinder, hat Politikwissenschaft studiert und sich in linken Vorläuferorganisationen der Regierungspartei Partito Democratico hochgedient. Dort kümmerte sie sich von Anfang an um Außenpolitik und internationale Beziehungen. Als sie dann seit 2008 im italienischen Abgeordnetenhaus saß, war ihr Platz, natürlich, im Auswärtigen und Verteidigungsausschuss. Denn da konnte sie Italien in diversen internationalen Gremien vertreten.

Es gibt ein uraltes Foto von ihr, das sie mit dem Palästinenserführer Jassir Arafat zeigt und das jetzt immer wieder mal herausgekramt wird, um sie zu diskreditieren. Mogerini selbst aber tritt in ihrer sehr ruhigen, kontrollierten Art als überzeugte Europäerin auf.

Bekenntnis zur europäischen Idee

Manche Äußerungen als Außenministerin konnte man, bei aller Zurückhaltung, schon als Bewerbungsrede verstehen: "Es gibt nicht ein Problem, den Terrorismus in Libyen, die Lage in der Ukraine, die Wirtschaftskrise, Migration und Energieversorgung, das mit einer nationalen Entscheidung gelöst werden könnte. Wenn man Propaganda macht, dann kann man sagen, man kann alles auf kommunaler Ebene lösen. Aber wenn man eine echte Lösung will, dann muss man die mindestens auf europäischer Ebene finden.“

Ob Federica Mogherini in das neue Amt hineinwächst, hängt aber nicht nur von ihr ab, sondern auch von den Staats- und Regierungschefs. Denn nicht alle wollen eine starke europäische Stimme in Brüssel, sondern kochen lieber ihr eigenes außenpolitisches Süppchen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. August 2014 um 01:23 Uhr.

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