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Der wegen Völkermords angeklagte serbische Ex-General Mladic hat seinen zweiten Auftritt vor dem UN-Tribunal zur Selbstinszenierung genutzt. Dieses Mal ging er so weit, dass er des Saals verwiesen wurde. Genutzt hat es ihm nicht. Das Gericht wird den Prozess planmäßig fortsetzen.
Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Den Haag
Es war ein vermutlich wohl kalkulierter Eklat, den Radko Mladic bei seinem Auftritt vor dem Jugoslawien-Tribunal inszenierte, und der mit seiner Verweisung aus dem Gerichtssaal endete. Eigentlich sollte der mutmaßliche Kriegsverbrecher zu den Anschuldigungen gegen ihn Stellung nehmen, stattdessen versuchte er, ein zynisches Spektakel zu veranstalten. "Nein, nein, ich höre nicht zu", rief er Richter Alphose Orie zu, der den Beschuldigten vergeblich zur Ordnung rief und ihn schließlich aus dem Saal verwies.
Mladic winkte grinsend und mit erhobenem Daumen ins Publikum, setze seine Baseballkappe über den Kopfhörer, wandte sich ab, wenn er sprechen sollte und fiel dem Richter immer wieder ins Wort. Ihm ging es um die Zulassung von zwei Verteidigern, die er erst Ende letzter Woche benannt hatte. Seinem Pflichtverteidiger hatte er dagegen das Wort verboten. So wollte der 69-Jährige offenbar eine Verlängerung der Anhörung erreichen. Genutzt hat es ihm nicht. Das Gericht wertete Mladics bizarren Auftritt als Plädoyer auf "nicht schuldig", so dass der Prozess nun planmäßig fortgesetzt werden kann.
Der frühere bosnisch-serbische Armeechef ist wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter, Vergewaltigung und Geiselnahme im Bosnien-Krieg zwischen 1992 und 1995 angeklagt. Hauptsächlich wird er für das Massaker von Srebenica verantwortlich gemacht, bei dem etwa 8000 Männer und Jungen ermordet wurden.
Für Munira Subasic war der Auftritt des so genannten Schlächters vom Balkan ein Schlag ins Gesicht. Sie ist eine der "Mütter von Srebenica" die vor dem Tribunal in Den Haag demonstrierten. "Ich bin hier, um dem Massenmörder nach 16 Jahren ins Gesicht zu sehen. Ich will sehen, ob er Reue zeigt und ob er überhaupt ein Gewissen hat." Subasic hat viele Freunde und Angehörige verloren und sucht immer noch die sterblichen Überreste ihres Mannes und ihres damals 18-jährigens Sohns.
Vertreten werden die "Mütter von Srebenica" durch den deutschen Anwalt Axel Hagedorn, der einen Zivilprozess gegen die Vereinten Nationen und den niederländischen Staat anstrengt, weil die holländischen Blauhelme damals dem Gemetzel angeblich tatenlos zugesehen hätten. Mit der Eröffnung des Strafverfahrens rechnet Hagedorn vorläufig nicht. "Es wird sechs Monate Pause sein, davon gehe ich aus. Wir werden erst 2012 mit dem Verfahren beginnen."
Mladic hat in seiner 15 Quadratmeter großen Zelle in Scheweningen also genug Zeit, um seinen nächsten Auftritt vor dem Tribunal vorzubereiten.
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