Rettungsschiff Sea-Eye | Bildquelle: dpa

Seenotrettung im Mittelmeer Arbeiten NGOs und Schlepper zusammen?

Stand: 24.04.2017 11:50 Uhr

Arbeiten Hilfsorganisationen bei der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer mit Schleppern zusammen? Ein Ermittler in Italien will Beweise dafür gefunden haben - und hat auch deutsche Organisationen dabei im Blick.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

"Wir haben Beweise, dass es zwischen einigen Hilfsorganisationen und Menschenhändlern in Libyen direkte Kontakte gibt", sagt Staatsanwalt Carmelo Zuccaro aus Catania in einem Interview mit der Zeitung "La Stampa". Zuccaro glaubt, das mit Anrufen bei den Organisationen belegen zu können, die direkt aus Libyen stammten.

Außerdem gebe es Leuchtfeuer, die den Weg zu den Rettungsschiffen zeigten. Und immer wieder unterbrächen die Retter ohne ersichtlichen Grund den Funkverkehr. Wie er zu diesen Erkenntnissen gelangt ist, will Zuccaro nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft Catania hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem die EU Grenzschutzagentur den im Mittelmeer tätigen privaten Rettungsorganisationen vorgeworfen hatte, als Taxi-Unternehmen für Schlepperbanden zu fungieren.

Deutsche Initiativen im Fokus

Organisationen wie "Save the Children" und "Ärzte ohne Grenzen" nimmt Staatsanwalt Zuccaro von den Vorwürfen aus. Ausdrücklich erwähnt werden dagegen die deutschen Rettungsinitiativen. Organisationen wie "Sea-Eye", "Sea-Watch" oder "Jugend Rettet" sind teilweise seit mehr als einem Jahr in der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer aktiv. Es ist nicht das erste Mal, dass Zuccaro den NGOs vorwirft, mit Schleppern gemeinsame Sache zu machen. In einem Fernsehinterview hatte er in Zweifel gezogen, dass die Organisationen Schiffe und Ausstattung aus Spendenmitteln finanzieren könnten.

Ein Vertreter der spanischen NGO Proactiva Open Arms nannte die Vorwürfe vor zehn Tagen bei einer Anhörung im italienischen Senat inakzeptabel: Die Rettungssorganisationen zu bedrohen, diene allein dem Ziel, die öffentliche Meinung negativ zu beeinflussen und den Hass gegen Flüchtlinge zu mehren.

Arbeiten NGOs und Schlepper zusammen?
T. Kleinjung, ARD Rom
24.04.2017 14:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2017 um 23:35 Uhr.

Darstellung: