Rettungsschiff "Lifeline" auf dem Mittelmeer | Bildquelle: HERMINE POSCHMANN/MISSION LIFELI

Innenminister Salvini "NGOs werden Italien nur auf Postkarte sehen"

Stand: 29.06.2018 22:03 Uhr

Italien will in diesem Sommer seine Häfen für Schiffe von Flüchtlingshilfsorganisationen geschlossen halten. Währenddessen kommen aus dem Mittelmeer die nächsten Hiobsbotschaften.

Italien will seine Häfen für Schiffe von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge über das Mittelmeer bringen, derzeit nicht mehr öffnen. "Die Häfen werden den ganzen Sommer über geschlossen", sagte Innenminister Matteo Salvini einem italienischen Radiosender. "Die NGOs (Nichtregierungsorganisationen) werden Italien nur auf einer Postkarte sehen." Außerdem soll es verboten werden, diese Organisationen und deren Schiffe mit Treibstoff zu versorgen.

Salvini sagte außerdem, dass er vom italienischen Militär und den libyschen Behörden erfahren habe, dass die NGOs den Schleusern helfen würden - "bewusst oder unbewusst", sagte Salvini. NGOs streiten eine Zusammenarbeit ab.

Drei tote Babys geborgen

Derweil sind vor der libyschen Küste vermutlich 100 Menschen ertrunken, nachdem ihr Boot gekentert war. Die libysche Küstenwache teilte mit, sie habe 16 Schiffbrüchige gerettet. Einer der Überlebenden habe gesagt, in dem Boot seien an die 125 Menschen gewesen. Die spanische Rettungsorganisation Proactiva Open Arms teilte mit, sie habe einen Notruf von einem Schmugglerboot in dem Gebiet empfangen, die italienische Leitstelle habe ihr aber bedeutet, das den Libyern zu überlassen.

Kurz darauf empfing Open Arms die Nachricht, dass 100 Menschen auf See in der Region vermisst würden und vermutlich tot seien. "Wir vermuten, dass es dieselben Leute sind", sagte Open-Arms-Einsatzleiter Ricardo Canardo.

Die Küstenwache barg nach eigenen Angaben zunächst drei tote Babys. Weitere Opfer hätten bislang nicht geborgen werden können, weil es dafür keine ausreichend großen Rettungsboote gebe. Ein Sprecher der Küstenwache, Ajub Gassim, sagte der Nachrichtenagentur AP, die geretteten Migranten seien in ein Lager in der libyschen Stadt Tadschura gebracht worden. Gassim sagte weiter, die Küstenwache habe drei weitere Schmugglerboote mit etwa 345 Migranten abgefangen.

220 Tote vergangene Woche

Salvini kündigte an, dass Italien weiterhin all jene retten werde, die gerettet werden müssen. Allerin vergangene Woche sind laut Ärzte ohne Grenzen mindestens 220 Menschen ertrunken - so viele wie noch nie in einer Woche in diesem Jahr.

Ein Boot der libyschen Küstenwache im Hafen von Tripolis | Bildquelle: AFP
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Libysche Küstenwache im Hafen von Tripolis: Neues Unglück im Mittelmeer?

Zuletzt wurden mehrere private Schiffe von Hilfsorganisationen auf dem zentralen Mittelmeer gestoppt. Zuerst durfte die "Aquarius" von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée mit rund 600 Migranten an Bord nicht mehr in Italien anlegen. Sie musste nach Spanien ausweichen.

Dann saßen etwa 230 Flüchtlinge und 17 deutsche Crewmitglieder der Dresdner Organisation Mission Lifeline fast eine Woche auf dem Meer fest, weil sie nirgends anlegen durften. Nach langem Hin und Her konnte das Schiff nach Malta - gegen den Kapitän wird dort ermittelt.

Malta greift härter durch

Auch Malta verschärft die Gangart gegen die NGOs, von denen zum Beispiel die deutsche Sea-Watch ihre Basis auf der Mittelmeerinsel hat. So dürfen Schiffe mit ähnlicher Registrierung wie die "Lifeline" nicht mehr die Häfen benutzen, wie die Regierung ankündigte.

Das ist zwar noch kein generelles Hafenverbot für die Seenotretter. Aber dass sich Malta abschottet, zeigt auch der Fall der "Aquarius": Die durfte zum Crew-Wechsel nicht an der Insel anlegen und musste den tagelangen Umweg nach Marseille in Frankreich fahren. In drei Wochen habe das Schiff nur drei Tage im Rettungsgebiet vor Libyen verbringen können, schrieb SOS Méditerranée auf Twitter.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 29. Juni 2018 um 20:37 Uhr. Am 01. Juli 2018 berichtete NDR Info um 02:00 Uhr in den Nachrichten.

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