Kiosk mit großer Auswahl an Zeitschriften | Bildquelle: picture alliance / Daniel Kalker

Mirror-Gruppe bringt neue Zeitung auf den Markt "The New Day" - gegen den Trend

Stand: 26.02.2016 11:52 Uhr

Zum ersten Mal seit 30 Jahren in Großbritannien bringt die englische Mirror-Gruppe eine gedruckte Zeitung auf den Markt. Am Montag soll "The New Day" erstmals am Kiosk liegen. Der Preis könnte aber zum Problem werden.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

In Zeiten schwindender Auflagen eine neue gedruckte Zeitung auf den Markt bringen, "das ist doch ein bisschen bekloppt, oder?", will der BBC-Moderator vom Herausgeber der neuen Zeitung, Simon Fox, wissen: "Ich hoffe nicht", sagt Fox und lacht. Trotzdem: mit "The New Day" stellt sich die "Trinity Mirror Gruppe" komplett gegen den Trend. In den vergangenen zwei Jahren haben in Großbritannien mehr als eine Million Menschen aufgehört, eine Zeitung zu kaufen. Auch das linke Boulevardblatt "Daily Mirror" von Fox' Verlag leidet unter sinkender Nachfrage.

Doch mit dem "richtigen Produkt" könnten viele Leser zurückgewonnen werden, ist Fox überzeugt: "Seit einem Jahr haben wir sehr intensive Marktforschung an unserer Zielgruppe betrieben, in der immer mehr Leute der gedruckten Zeitung den Rücken kehren. Wir denken, das muss nicht sein, wenn das Produkt das richtige ist."

Anlocken will er mögliche Leser zunächst mit einer Gratisausgabe: An mehr als 40.000 Verkaufsstellen soll "Der neue Tag" am Montag kostenlos ausliegen. Danach kostet das Blatt erst einmal 25 später dann 50 Pence - umgerechnet weniger als 70 Cent. Erscheinen soll "The New Day" montags bis freitags. Jeweils 40 Seiten in modernem Design mit türkisblauem Titel und vielen Farbfotos.

Leser wie Erwachsene behandeln

Chefredakteurin Alison Philips erklärt, die neue Zeitung orientiere sich an modernen Lifestyle-Bedürfnissen und liefere eher Hintergründe statt Breaking News: "Auf dem Handy ploppen ja ständig irgendwelche Eilmeldungen auf. Aber deswegen ist man ja noch längst nicht informiert. Wir liefern die Informationen, die die Leute wirklich brauchen, statt diese nutzlosen Häppchen."

"The New Day" soll keinen eigenen Internetauftritt haben, aber in den Sozialen Medien präsent sein. Kommentare, also Meinungen aus dem Redaktionsteam, wird es nicht geben. "Warum sollte ich als Chefredakteurin meinen Lesern meine Meinung aufdrücken? Wir verfolgen keine politische Linie. Wir präsentieren Expertenmeinungen von verschiedenen Seiten. Wir behandeln unsere Leser wie Erwachsene", sagt Philips.

Preis könnte zum Problem werden

Britische Zeitungen sind in der Regel sehr viel meinungsstärker als deutsche, haben eine klarere politische Ausrichtung. Bei den potentiellen Lesern am Zeitungsstand könnte mehr Ausgewogenheit also durchaus ankommen.

Mit knapp 70 Cent wird die Zeitung teurer sein als Boulevardblätter wie die "Sun" aber deutlich günstiger als Qualitätszeitungen wie die "Times" oder der "Guardian". Trotzdem könnte der Preis angesichts von Gratiszeitungen wie dem "Evening Standard" zum Problem werden, meint Medienexperte Roy Greenslade: "Es würde mich wundern, wenn sich dafür eine große Leserschaft findet."

Mirror-Gruppe bringt in Großbritannien neue Zeitung raus
G. Biesinger (SWR, London)
26.02.2016 10:36 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 26. Februar 2016 um 05:21 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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