Ziegen im Kölner Zoo | Bildquelle: dpa

Kölner Zoo erbt 22 Millionen Dollar From New Jersey with love

Stand: 02.09.2017 08:46 Uhr

Der Kölner Zoo dachte zuerst an einen Scherz, freut sich jetzt aber umso mehr: Eine 93-jährige Witwe aus den USA spendet 22 Millionen Dollar. Und das, obwohl sie als Ehefrau eines Juden nicht nur gute Erinnerungen an ihre Heimatstadt Köln hat.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Millionenspende an den Kölner Zoo war ein Herzenswunsch ihres verstorbenen Mannes Arnulf, sagt die 93-jährige Elizabeth Reichert am Telefon in ihrem Haus am Atlantikstrand von New Jersey.

Als Kind musste sich Arnulf während der Nazi-Zeit wegen seines jüdischen Glaubens in Köln verstecken. Dass künftig das Südamerika-Haus im Kölner Zoo seinen Namen tragen wird, würde ihn sehr freuen, sagt sie. "Mein Mann und ich waren große Tierliebhaber. Die Idee war, etwas für unsere Heimatstadt zu geben, in der Erinnerung an Köln."

Die Geschichte der beiden Kölner Auswanderer Elizabeth und Arnulf Reichert ist eine typische Erfolgsgeschichte "vom Tellerwäscher zum Millionär". 1944 lernt Elizabeth Reichert ihren Mann kennen. "Wir waren arme Kölner Kinder" sagt sie. Mit Hilfe befreundeter Familien gelang es Arnulf Reichert, die Nazi-Zeit zu überleben: "Er hatte im Untergrund gelebt: mal hier geschlafen, mal dort geschlafen; mal hier ein Essen bekommen, mal dort ein Essen. Es gab viele liebe, hilfsbereite Menschen. So hat er überlebt."

Der Kölner Zoo-Vorstand Christopher Landsberg und die Spenderin Elizabeth Reichert. Foto: Christopher Landsberg/privat/dpa | Bildquelle: dpa
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Der Kölner Zoo-Vorstand Christopher Landsberg und die Spenderin Elizabeth Reichert. Foto: Christopher Landsberg/privat/dpa

Mit sieben Dollar nach Amerika

1946 wanderten sie über Israel in die USA aus. Am Anfang war alles neu: die Sprache, die Mentalität der Menschen. Und sie hatten kaum Geld. Mit sieben Doller seien sie nach Amerika gekommen, erzählt Elizabeth Reichert. Sie arbeitete als Friseuse und ihr Mann sparte, um sich selbstständig zu machen.

Aus seinem kleinen Geschäft wurde im Laufe der Jahre ein Großhandel für Haustierbedarf. Sie hätten beide viele Jahre hart gearbeitet, sagt die 93-Jährige. Auf Ferien, Kino oder anderen Luxus verzichteten sie. Stattdessen ging die Hälfte des Einkommens auf das Sparkonto und in Aktien. So entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Millionenvermögen: "Wir hatten gar keine Zeit, Geld auszugeben. Wir kamen gar nicht auf den Gedanken, Geld auszugeben."

Auch für Heimweh nach Deutschland blieb wenig Zeit. Sie wollten es ja in der neuen Heimat schaffen. Was sogar dazu führte, dass sie kaum mehr Rheinisch sprachen. "Das glauben Sie ja gar nicht: Wir haben nur Englisch gesprochen. Können Sie sich das vorstellen?", so die alte Dame.

Die alte Heimat nie vergessen

Dennoch habe sie Köln und ihre rheinische Heimat nie vergessen. Mit zunehmendem Alter spielen Erinnerungen eine immer größere Rolle, sagt Elizabeth Reichert und dann zitiert sie Willi Ostermanns Lied "Heimweh nach Köln".

Gerne würde sie noch einmal nach Köln zurückkehren. Aber mit 93 Jahren will sie sich den langen Flug nicht mehr zumuten. Könnte sie dennoch einen Tag lang in Köln verbringen, wüsste sie genau, was sie machen würde: "Ich würde in den Dom gehen. Und dann eine Tasse Kaffee und ein Stückchen holländische Kirschtorte im Cafe Reichard bestellen."

Warum 93-Jährige aus USA dem Kölner Zoo 22 Mio spendet
Martin Ganslmeier, ARD Washington
02.09.2017 07:55 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 02. September 2017 um 08:47 Uhr auf WDR 5.

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