Trauer am Amsterdamer Flughafen | Bildquelle: dpa

Untersuchung der MH17-Opfer "Mit Worten nicht zu beschreiben"

Stand: 29.07.2014 12:21 Uhr

Die Untersuchungen der Opfer von Flug MH17 ist selbst für erfahrene Experten erschütternd. In der Ukraine wurden offenbar wahllos Leichenteile in Säcke gesteckt. An der Unglücksstelle stockt die Untersuchung weiter.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Den Haag

194 Niederländer sind beim Abschuss des Passagierflugzeugs in der Ukraine ums Leben gekommen. Die Leichen der meisten Opfer werden zurzeit in einer Kaserne in Hilversum obduziert. Oder besser gesagt die Leichenteile.

Polizeichef Gerard Bouman tut sich schwer, die richtigen Worte zu finden, als er im Den Haager Parlament eine erste Bilanz der forensischen Puzzlearbeit zieht: "Was wir in den Leichensäcken aus der Ukraine vorgefunden haben, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es ist abscheulich." Seine Leute hätten viel Erfahrung, aber das sei wirklich nur schwer zu verarbeiten. "Ich versuche mich so respektvoll wie möglich auszudrücken, aber in diese Säcke sind einfach wahllos Körperteile - mal kleine, mal große - gestopft worden", sagt er.

Demian von Osten, ARD Kiew, zur aktuellen Lage
tagesschau 12:00 Uhr, 29.07.2014

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Wahrscheinlich werden nicht alle Opfer identifiziert

Die ersten Opfer konnten mittlerweile identifiziert werden. Bouman hat jedoch wenig Hoffnung, dass dies bei allen Passagieren des Flugs MH17 möglich sein wird. Er geht sogar davon aus, dass längst nicht alle Leichen an der Absturzstelle gefunden werden. Für viele Angehörige bedeutet dies, dass sie ihre Verstorbenen nicht einmal vernünftig beerdigen können.

Er würde gerne garantieren, dass alle sterblichen Überreste der Opfer und ihre persönlichen Gegenstände in die Niederlande zurückkehrten - aber die Wahrscheinlichkeit scheine ihm nicht sehr groß zu sein. Das habe man auch so mit den Hinterbliebenen besprochen. "Diese Menschen wollen einfach nur wissen, ob ihre Liebsten zurück in den Niederlanden sind. Ich würde ihnen gerne etwas anderes sagen, aber die Chance ist meist nicht sehr groß", sagt Bouman.

Schwierige Suche nach niederländischen Opfern des Fluges MH17
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
29.07.2014 14:22 Uhr

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Schwierige Suche in einem riesigen Gebiet

Seit Tagen versuchen niederländische und australische Ermittler gemeinsam mit OSZE-Mitarbeitern, Zugang zur Absturzstelle in der Ostukraine zu bekommen. Doch die Fahrt dorthin führt durch umkämpftes Gebiet und musste bislang jedes Mal abgebrochen werden.

Tom Middendorp ist der Kommandeur der niederländischen Streitkräfte. Er spricht von einer äußerst schwierigen und gefährlichen Situation für die Expertenteams vor Ort. Die Wrackteile lägen in einem etwa 35 Quadratkilometer großen Areal verstreut - ein Gebiet mit kleinen Flüssen, Seen und Wäldern, wo außerdem Menschen wohnten. "Wir untersuchen also nicht ein paar Wiesen, sondern ein großes Gebiet, das zudem in der Nähe der russischen Grenze liegt und in den Händen von Rebellen ist", berichtet er. Und zum großen Teil hätten dort russische Staatsbürger das Sagen, "nachdem sie ihre Position stärken konnten".

Trauer am Flughafen von Kuala Lumpur | Bildquelle: AP
galerie

Gedenken am Flughafen von Kuala Lumpur: Nicht alle Opfer werden wohl in ihre Heimatländer zurückgebracht werden können.

Middendorp verteidigt die Entscheidung der niederländischen Regierung, kein bewaffnetes Militär zum Schutz der Ermittler in die Region zu entsenden. Unbewaffnet, so sagt er, wirkten die Expertenteams weitaus weniger bedrohlich auf die Separatisten - was allerdings bis jetzt  keinen Zugang zur Absturzstelle brachte.

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